Kurz nachdem der fertige Koalitionsvertrag den Weg in die Öffentlichkeit fand, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Spieler. So genannte „Killerspiele“ sollen verboten werden.
Stellungnahmen zum Thema
"Verbot von Killerspielen"
Jörg Trouvain, Geschäftsführer von EA Deutschland:Electronic Arts begrüßt grundsätzlich jede Überprüfung der bestehenden Jugendschutzregelungen in Bezug auf interaktive Unterhaltungssoftware, ist aber der festen Überzeugung, daß sich die im April 2003 novellierte Fassung in der Praxis bestens bewährt hat und keiner weiteren Änderung bedarf. Die im Koalitionsvertrag erwähnte Alterskennzeichnung wird bereits seit vielen Jahren durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) praktiziert und untersteht zudem seit der letzten Novellierung der direkten Aufsicht durch das Bundesfamilienministerium.
Das im Koalitionsvertrag vorgesehene Verbot von sogenannten Killerspielen bedarf einer weiteren Präzision. Computer- und Videospiele mit menschenverachtender und exzessiver Gewaltdarstellung sind ohnehin bereits verboten, die Mehrzahl der Spiele mit Gewaltdarstellung ist nur für Erwachsene freigegeben. Jede gesellschaftliche Diskussion über die Gewaltdarstellung darf nach Überzeugung von Electronic Arts (EA) nur im Kontext von Gewalt in Medien insgesamt und nicht isoliert für interaktive Unterhaltungsmedien geführt werden.
Überdies stellen Spiele mit gewalthaltigen Elementen nur einen sehr begrenzten Ausschnitt des Gesamtmarktes an interaktiver Unterhaltung dar. Das erfolgreichste Computerspiel beispielsweise ist die Sims-Reihe von Electronic Arts. In diesem Spiel kommt keinerlei Gewalt vor, es geht um das tägliche Leben, ums Einkaufen, Arbeiten gehen, Freundschaften und Beziehungen pflegen. Dieses Spiel trifft offensichtlich am ehesten das, was die Spieler in Deutschland wollen. Auf den Plätzen zwei und drei der meistverkauften Spiele von EA stehen die Need for Speed-Reihe ein Tuning- und Autorennenspiel und die Fußballsimulation FIFA. Das sind die erfolgreichsten Spiele des Unternehmens, das in Deutschland einen Marktanteil von fast 30 Prozent hat.
Grundsätzlich gibt es aus Sicht von EA großen Nachholbedarf bei der Medienkompetenz in Bezug auf interaktiven Unterhaltung, insbesondere bei Eltern, Lehrern und Pädagogen. Electronic Arts führt in diesem Bereich zahlreiche Initiativen durch, wünschenswert wäre aber durchaus eine konzertierte Aktion mit staatlichen Stellen.
EA ist bereit, mit allen gesellschaftlichen Gruppen über mögliche Ansatzpunkte zu diskutieren und sich auszutauschen, beispielsweise im Rahmen eines Roundtable. Dazu hat EA in der jüngsten Vergangenheit bereits Gespräche mit den relevanten Stellen in der Politik geführt, unter anderem mit dem bisherigen Staatssekretär im Familienministerium Ruhenstroth-Bauer und dem bayerischen Innenminister Beckstein. Diese Gespräche werden weitergeführt, wobei der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) eine führende Rolle übernehmen wird. Darüber hinaus befindet sich EA seit langem in der Kommunikation mit wichtigen Entscheidungsträgern aus Wissenschaft, Erziehung und dem Bildungsbereich.
Stellungnahme des eSport Bundes: Der Deutsche eSport-Bund (esb) begrüßt ausdrücklich die politische Auseinandersetzung mit PC- und Videospielen sowie den Regelungen zum Jugendschutz in der zukünftigen Arbeit der neuen Bundesregierung aus CDU und SPD. Die Koalitionspartner haben verabredet, den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Bis spätestens Frühjahr 2008 will die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern eine Reihe von Bestimmungen, zu denen neben der Frage zu den Altersgrenzen bei der Freigabe von PC- und Videospielen auch ein Verbot von "Killerspielen (Quelle: Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S.106) gehören, evaluieren und erörtern. Gleichzeitig soll die Wirksamkeit der freiwilligen Selbstkontrolleinrichtungen und das damit zusammenhängende Modell der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Staat beim Jugendschutz geprüft werden.
Der esb distanziert sich ausdrücklich von Spielen, die gewaltverherrlichende oder menschenrechtsverletzende Inhalte darstellen und unterstützt die Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Dabei würdigt der esb die herausragende Arbeit der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) in den letzten Jahren. Gleichzeitig fordert der esb die Stärkung der Medienkompetenz von Eltern und Pädagogen. Aufklärung im Umgang mit PC- und Videospielen beginnt bereits im Kinderzimmer - durch die Eltern. Daher zählt die Förderung von Medienkompetenz zu den wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft. Kinder und Jugendliche kommen heutzutage unweigerlich mit Massenmedien und damit auch mit PC- und Videospielen in Berührung. Eltern kennen die Spiele und Filme meist nicht und scheinen damit überfordert zu sein. Als Folge werden Kinder allzu oft mit ihrem Medienkonsum allein gelassen.

Der esb bietet zur Klärung von Genre- und Wirkungsfragen an, mit den entsprechenden politischen Gremien in den Dialog zu treten und darüber hinaus aktiv den Aufbau von Maßnahmen zur Erhöhung der Medienkompetenz der Eltern, Pädagogen und Jugendlichen zu unterstützen. Als erste konkrete Maßnahme kann der esb entsprechende Fortbildungsseminare durchführen. In diesem Zusammenhang möchte der esb darauf verweisen, dass die aktive Ausübung von Bildschirmspielen im sportlichen Wettkampf weltweit immer stärkere politische und gesellschaftliche Unterstützung sowie Anerkennung erfährt.
Der Vorstand des Entwicklerverbandes Northstar Developers:
Der Abschnitt "Aufwachsen ohne Gewalt" des Koalitionsvertrages zwischen den Unionsparteien und der SPD und die damit einhergehenden Jugendschutzdiskussion werden von den Northstar Developers teilweise mit Verwunderung aufgenommen. Zunächst ist uns bereits nicht ersichtlich, was mit dem Begriff Killerspiele konkret gemeint ist. Hier sollten die Koalitionsparteien inhaltlich Stellung zu nehmen. Soweit mit diesem Begriff auch auf die so genannten Ego-Shooter abgezielt wird, möchten wir darauf hinweisen, dass aus unserer Sicht die bestehenden Regelungen im Bereich des Jugendschutzes für den Bereich Computer- und Videospiele ausreichen. Einen aktuellen Handlungsbedarf sehen wir in diesem Zusammenhang nicht. Schließlich sehen bereits die bestehenden gesetzlichen Regelungen eine Indizierung und damit ein Verbot von Gewalt verherrlichenden und Menschen verachtenden Computerspielen vor.Northstar Developers wird daher auch weiter den Dialog mit Politik und den Medienvertretern suchen, um gemeinsam dazu beizutragen, die Medienkompetenz der Bevölkerung zu erhöhen.
Die Grüne Jugend Bayern:
Als besorgniserregend betrachtet die Grüne Jugend Bayern die Forderung der schwarz-roten Koalition gewaltverherrlichende Kulturgüter und damit auch Ego-Shooter, welche im Koalitionsvertrag profan als "Killerspiele" bezeichnet werden, zu verbieten. Begründet wird dieser Schritt damit, dass Computerspiele wie Battlefield, Counterstrike oder F.E.A.R. sich ausschließlich negativ auf die soziale Entwicklung Jugendlicher auswirken und deren Affinität zu Gewalt im realen Leben steigern. "Erst waren es Comics, dann kam Rock Musik und jetzt sind es mal wieder die bösen Computerspiele, die unsere Jugendlichen angeblich verderben und zu gefühllosen Gewaltmaschinen machen. Nach mehreren Jahrzehnten kontroversem Dialog akzeptieren die konservativen Kräfte in Deutschland immer noch nicht, dass die Problematik der Jugendgewalttätigkeit ihre Wurzeln nicht im freien medialen Konsum hat, sondern im sozialen Umfeld der Kinder und Jugendlichen, sowie im Umgang mit Gewalt im Elternhaus" kommentiert Matthias Fleischer, Sprecher der Grünen Jugend Bayern.
Es ist nicht zu bestreiten, dass bei Jugendlichen mit einem ausreichend psychisch labilen Potential der Konsum von Ego-Shootern durch das simple, wie auch beliebte Grundprinzip von (Tötungs)Handlung und Belohnung zum Herabsenken der Hemmschwelle der Aggression im sozialen Umfeld führt. Es sind aber nicht die sog. "Killerspiele" allein, welche manche Jugendliche zu Gewalthandlungen treiben. Wenn die Politik als finalen Schlag gegen Jugendgewalt am besten gleich den gesamten Markt der Ego-Shooter verbieten will, ist das ein Zeichen von Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass die staatlichen Schutz- und Betreuungsfunktionen für Jugendliche, welche in einem gewalttätigen sozialen Umfeld aufwachsen in Deutschland bei weitem nicht ausreichen. Die Grüne Jugend Bayern fordert die Bundespolitik auf, ihre Ressourcen nicht dafür zu verschwenden, indem sie auf generalisierte Zensur zurückgreift. Stattdessen ist im schulischen Rahmen eine Stärkung der Medienkompetenz notwendig. Nur dadurch werden Jugendliche an einen freien, kritischen und selbstreflektierenden Medienkonsum herangeführt. Auch die finanzielle Unterstützung von Jugendbetreuungs- sowie Streetworkerprogrammen, die vor allem die sozialen Kompetenzen fördern, dürfen nicht weiter gekürzt, sondern müssen stärker als bisher gefördert werden.
Jarzombek Landtagsabgeordneter in Nordreihn-Westfalen und Beauftragter der CDU-Fraktion für Neue Medien
Die Aussagen verschiedener Unions-Politiker zum Verbot von Computerspielenkommentiert der Beauftragte der CDU-Fraktion für Neue Medien, ThomasJarzombek MdL wie folgt: Die Äußerungen mancher Kollegen in denletzten Tagen machen mich sehr nachdenklich. Es ist absurd, dass Verbotevon Spielen gefordert werden, die bereits vor Marktstart mit dem RatingUSK18 (ab 18 Jahre freigegeben) oder gleich indiziert wurden.Die Mechanismen des Jugendschutzes funktionieren hervorragend und solltennicht immer wieder in Frage gestellt werden. Gerade die Games-Branchehat den Jugendschutz hervorragend organisiert und sollte dafür auch Lobempfangen. Bereits vor dem Marktstart wird jedes Spiel durch die freiwilligeSelbstkontrolle USK bewertet und mit strengen Ratings versehen. Eine solcheRegelung wäre in anderen Feldern des Jugendschutzes sehr wünschenswert,wo jugendgefährdende Inhalte teilweise erst Monate nach Erscheinen bewertetund aus dem Verkehr gezogen werden.
Weiter hat der Bund mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien(BPjM) selbst eine starke Kontrollinstanz; die Länder haben erst im vorletztenJahr mit der KJM (Kommission Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten)einen weiteren Schutzmechanismus geschaffen, der sich zur Zeit sehrgut bewährt.
Das trotzdem USK18-Spielen in vielen Kinderzimmern zu finden sind, zeugtvon der begrenzten Wirksamkeit von Verboten. Dazu Jarzombek: Auch einTotalverbot wird an der Situation nichts ändern. Die meisten Gewaltspielewerden nicht verkauft, sondern illegal kopiert entweder auf dem Schulhofoder über das Internet.
Daher ist es Zeit, sich endlich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen.Laut einer Studie der Uni BielefelLaut Bielefeld haben 86,5% aller Mütter und 70,7% allerVäter noch NIE mit Ihren Kindern am Computer gespielt. Hier liegt das Problem:Die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen wird da geschürt,wo Kinder sich selbst am Computer überlassen werden und niemand da ist,der die im Spiel entstandenen Emotionen auffängt. Jarzombek fordert hierein Elternverbot: Man sollte besser solche Eltern statt der Spiele verbieten.Möglicherweise handelt es sich aber auch um den Versuch, weitere Landesaufgabendurch den Bund zu übernehmen. Medienangelegenheiten sindklassische Aufgaben der Länder. Dazu Jarzombek: Die Bundesländer habenin der Vergangenheit erfolgreich im Jugendschutz gearbeitet, dass lassen wiruns nicht von Bundespolitikern der zweiten oder dritten Reihe schlechtreden.