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Der Abend des Soundmagiers![]() 42 ![]() ![]() Eben jener gerade mal volljährige Jungspund schaffte es, dem C64 einprägsame Melodien zu entlocken, die das Potential der Hardware auch auszunutzen wussten. Angespornt von einem Kompositionswettbewerb des "64er"-Magazins, saß er lange vor seinem "Brotkasten" und tippte Hexadezimal-Codes in den spärlichen Soundeditor, ohne zu wissen, dass seine Mühen mit einer unvergleichlichen Karriere belohnt werden würden. Mit dem Chiptune-Klassiker "Shades" gewann Hülsbeck nicht nur den ausgeschriebenen Wettbewerb, sondern auch die Aufmerksamkeit des Softwarestudios "Rainbow Arts", das ihn beinahe vom Fleck weg einstellte. Christopher Hülsbeck, geboren am 2. März 1968 in Kassel, arbeitete unter anderem als Komponist für Softwarefirmen wie Rainbow Arts oder Factor 5 Symphonic Shades
Christopher Hülsbeck hatte sich in den Achtzigern nie ausgemalt, dass seine Kompositionen zwanzig Jahre später mit einem reich besetzten Orchester eingespielt werden würden. Weder die damalige Akzeptanz von Videospielen im Allgemeinen noch die maximal siebenstimmigen, sehr elektronischen Songs schienen zu diesem Zeitpunkt ein guter Ausgangspunkt für eine derartige Entwicklung zu sein. Kein Wunder also, dass Thomas Böckers jüngste Idee eines orchestralen Neuarrangements samt Aufführung auf großen Zuspruch traf. Hülsbecks Reaktion war eindeutig: Glücklicherweise wurde an optischen Spielereien gespart, so dass man sich voll auf die Musik konzentrieren konnte. Lediglich ein paar Strahler sorgten für ein gediegenes Ambiente. Darauf war Verlass, denn Böcker hatte schon orchestrale Spielemusik-Events wie "PLAY! A Video Game Symphony" organisiert und verfügte über die richtigen Kontakte. Und das Aufgebot, das am 23. August 2008 im Kölner WDR-Funkhaus Wallrafplatz alle Hülsbeck-Fans begeistern sollte, dürfte jede Erwartung übertroffen haben. Etwas weniger als eintausend Besucher fanden sich in zwei ausverkauften Vorstellungen ein, um vierzehn Musikstücke aus Hülsbecks Lebenswerk zu hören, von denen jeweils eines von den japanischen Kult-Komponisten Yuzo Koshiro ( Shinobi, Actraiser, Shenmue, Castlevania: Portrait of Ruin) und Takenobu Mitsuyoshi (Daytona USA, Sega Rally, Shenmue, Virtua Fighter-Serie) arrangiert wurde. Viele weitere Zuhörer lauschten gebannt dem Live-Stream im Internet, der den voluminösen Klang des WDR-Rundfunkorchesters unter der Leitung von Dirigent und Grammy-Preisträger Arnold Roth in die Wohnzimmer der Welt trug. Mit Sicherheit wurde niemand enttäuscht. Bereits das erste Stück, die Eröffnungs-Fanfare aus dem Fantasy-Sportspiel "Grand Monster Slam", überzeugte alle Anwesenden von der hervorragenden Akustik der Halle und der Virtuosität der 58 Musiker des WDR-Rundfunkorchesters, die zusammen mit dem Prager FILMharmonic Chor die Bühne betreten hatten. Ein steifes und verkniffenes Klassikkonzert hatte jedoch niemand zu befürchten. Dank der recht lockeren Moderation durch den von Pro 7 bekannten Matthias Opdenhövel wurde von vornherein sichergestellt, dass sich alle Anwesenden unter Gleichgesinnten befinden. Als Dankeschön quittierte das bunt gemischte Publikum, bei dem mit Videospiel- und Rockband-Logos geschmückte T-Shirts die einzig passende Ausgehkleidung für dieses Event zu sein schienen, jede einzelne Darbietung mit Applaus. Der Beifall kam von Herzen. Wer die aus heutiger Sicht dünn und piepsig wirkende Intro-Melodie von seitwärts scrollenden Ballerspielen wie X-out oder der legendären R-Type-Umsetzung für den Amiga kennt, kann auch gut nachvollziehen, warum. Es ist schon erstaunlich, wie selbsttragend und unterhaltsam diese Kompositionen noch heute sind, wenn sie von der Original-Hardware abgespielt werden. Was die Arrangeure aus dem Potential der Stücke herausgeholt haben, verlieh dem Hörgenuss allerdings eine ungeahnte Vielschichtigkeit. Trotz einer gewissen Anzahl an bombastischen Fortissimo-Abschnitten, in denen das Thema des aktuellen Stücks mit allen Mitteln der Kunst sprichwörtlich herausposaunt wurde, waren es vor allem die filigranen, die leisen, die gefühlvollen Passagen, die am meisten Gänsehaut verursachten. Von den mechanischen Beats eines Sequenzers und der Unverblümtheit eines klassischen Videospiele-Songs, mit dem diese Werke geschaffen wurden, war nicht die Spur zu vernehmen. Für ein so "mainstreamiges" Publikum wie diesen Haufen von Videospiel-Papis waren das sensible Einflechten von Dissonanzen, die teilweise unruhigen Tempi und der abschließende Turrican II-Sprint durch diverse Musikepochen sogar recht gewagt.
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