Bei der Titelgeschichte der neuen GameStar werden schmerzliche Erinnerungen wach - zum Beispiel daran, dass man nie mit seinem echten Vorgesetzten Operation Flashpoint spielen sollte.
Der russische BMP-Schützenpanzer war gar nicht zu verfehlen. Zu zweit kauerten und lauerten wir hinter der Mauer. Alles hätte so schön sein können: Mein Teamkollege, Wirk Deber (Name aus Pietätsgründen stark geändert), schulterte seinen LAW-Raketenwerfer - und ich fasste mein M16 fester, um meinem RL-Chef wie immer den Rücken freizuhalten.
Leider wusste ich nicht, dass mein Chef weder beim Bund noch beim Zivildienst war. Okay, er kann angeblich Bogenschießen. Aber das hilft gegen einen Panzer nicht so richtig.
Es kam, wie es kommen musste: Wirk feuerte durch eine Maueröffnung auf den passierenden Panzer, um ihn an der Seite zu treffen. Das war zumindest sein Plan. Doch die Maueröffnung war keine, die Rakete kollidierte mit den Steinen und explodierte beleidigt, Wirks treuer Mitarbeiter wirbelte entrüstet durch die Landschaft, während sich der virtuelle Panzerfahrer vermutlich totlachte.
Warum ich euch das erzähle?
Weil ich seit sechs Jahren auf eine Revanche warte! Okay, ich muss mich laut GameStar noch etwas gedulden, weil Operation Flashpoint 2 erst Anfang nächsten Jahres kommen soll. Doch was ich in der Titelstory lesen und gucken kann, lässt meinen Abzugfinger schon jetzt vorfreudig zucken. Und nicht nur, weil die Maueröffnungen jetzt schön breit sind, wie das Coverbild zeigt.

Operation Flashpoint 2: Kriege ich nach sechs Jahren endlich Revanche?
ZielfotosFlashpoint 2 dürfte ein starkes Stück werden, wenn Entwickler Codemasters alles so umsetzt, wie es der Artikel ankündigt. Ich mag zum Beispiel die realistisch-schmutzige Optik der Militär-Simulation. Allerdings machen mich die Bilder schon etwas stutzig - die sind nämlich, wie der Artikel ehrlicherdings erwähnt, sogenannte »Target Screens«. Das ist neudeutsch für »das Spiel soll mal so toll aussehen wie auf diesen Bildern«. Normalerweise bimmeln da sämtliche Alarmglocken, doch Codemasters hat mit seiner Drecks-Engine namens Ego schon in letzten Race Driver Dirt gezeigt, dass sie in Sachen Schlammschlachten viel auf dem Kasten haben.
Redakteurin Petra Schmitz erstarrt denn auch vor dem Spiel. Nicht vor Dreck, sondern »vor Ehrfurcht«. Hehre Worte, die ich aber

nachvollziehen kann - der Artikel macht nach einem etwas schwafeligen Story-Einstieg (irgendwas mit Gas-Pipelines, vielen Chinesen und wenigen Amis) Lust auf viel mehr.
Vormuster-Schau-Pretest-ViewWas mich hingegen nervt, ist der Vorabtest von Drakensang. Nicht, weil der vierseitige Artikel nicht gut wäre. Sondern weil ich Vorabtests für Volksverarsche halte. Entweder gibt man eine Wertung, oder man lässt es. Besonders albern finde ich es im Falle des GameStar-Wertungssystems: Weil die Einzelnoten addiert die Gesamtwertung ergeben, kann ich jetzt schon ausrechnen, dass Drakensang mindestens 16 Spielspaß-Punkte kriegt: Grafik und Sound haben nämlich je 8 Punkte bekommen, zu allen anderen Disziplinen wie Atmosphäre und Balancing gibt's logischerweise noch keine Wertung. Meine dringende Bitte an alle Magazine: Lasst diesen Vorabtest-Käse. Nennt's meinetwegen »Letzte Preview vor der Autobahn«, schließlich könnt ihr auch in einer ausführlichen Vorschau auf den aktuellen Stand eingehen und offene Fragen beschreiben. Bei aller Meckerei: Eines hat der Artikel geschafft - ich werde mir Drakensang auf jeden Fall zulegen.

Drakensang: Ein offenbar tolles Spiel - aber wer braucht einen wertungslosen Vorabtest?
Kampf der ExpertenChristian Pfeiffer, der bekannte Spielervolksverhetzer vom Kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen, hat mal wieder zugeschlagen: Der kamerageile Wissenschaftler hat tatsächlich ein Fachbuch über Computerspiele abschießen lassen, weil es ihm zu unkritisch erschien. Das Pikante daran: Das Buch erscheint nicht bei einem Wald&Wiesen-Verlag, sondern bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Offenbar war Herr Pfeiffer beleidigt, weil er in dem Buch nicht selber zu Wort kam - und das darf dem Chef-Kreuzzügler gegen den Spielspaß natürlich nicht passieren.
Der ziemlich komplizierte Fall (unter anderem wird Electronic Arts und
Nintendo vorgeworfen, die Fachhochschule Köln zu schmieren) wird auf drei Seiten verständlich aufgerollt - und mir geht echt das Messer in der Tasche auf, mit welchen Mitteln Christian Pfeiffer schon wieder Studien torpediert, die nicht seinen eigenen »Fakten« entsprechen.
Und sonst? Zwei aufschlussreiche Reports über »Die Spielgesellschaft« sowie den drohenden Untergang des Finanzjongleurs 10tactle. Und auf der DVD die Vollversion von Gothic 2 Gold - zum gefühlten fünfundneunzigsten Mal).
Update: Raketen-Schafschütze Wirk meldet sich gerade bei mir und betont, dass da damals sehr wohl eine Maueröffnung war - aber die Kollisionsabfrage sie nicht als solche erkannt hätte. Jaja.
Wertungsspiegel GameStar 08/2008 |
| Spielename | Wertung | Seiten|
| Alone in the Dark | 82 | 4|
| Devil May Cry 4 | 81 | 3|
| Determinance | 34 | 0,5|
| Supreme Ruler 2020 | 64 | 2|
| Age of Conan | 81 | 7|
| Drakensang (Vorabtest) | -- | 4|
| Edna bricht aus | 76 | 1|
| Dracula: Origin | 73 | 0,5|
| The Abbey | 58 | 2|
| Penny Arcade Adventures | 63 | 2|
| Im Schatten der Mumie | 23 | 0,5|
| Flatout Ultimate Carnage | 81 | 3|
| Tour de France 2008 | 69 | 1|
| X-Plane 9 | 66 | 1|
| Monster Jam | 55 | 0,5|
| | Durchschnitt | Seiten gesamt|
| | 63,4 | 28