André "Zitronenhai" Bergmann Oftmals an der Grenze zum Unerträglichen bringen Deutschlands Singstars den Voyeur zum Weinen. Ob Freudentränen oder bittere Galle - das mag im Auge des Betrachters liegen. Ich erfreue mich an schrägen Tönen, einer schrillen Performance und stilistischen Fehlgriffen..
DSDS jagt durch die Medien, Musikspiele lassen die Kassen klingeln und Grund dafür sind talentfreie Hobbystars. Wir haben uns mit dem Massenphänomen auseinander gesetzt.
Nun ist es also so weit, Deutschland hat endlich wieder einen Superstar und dieser Thomas Godoj ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche im TV zu sehen. Dieter Bohlen, Aushängeschild und Sprücheklopfer des Formats, philosophiert über den Erfolg der Sendung und freut sich auf eine weitere Staffel. Doch nach dem Finale stellen sich mir folgende Fragen: Woher resultiert der Erfolg der Sendung und woher stammen all die Teilnehmer? Wer erlaubt es jenen vollkommen mit Talentfreiheit Gesegneten, sich dort zu bewerben? Der oftmals angegebene Gesangslehrer? Wir werden feststellen: Mitnichten.
Den Erfolg der Sendung muss man in zwei Dimensionen unterteilen. Zum Finale der Sendung ergibt sich immer ein Personenkult, der mehr zu Reintegration von Hartz-IV-Empfängern beiträgt als oftmals die Integrationscenter der Städte Recklinghausen & Co. Zumindest genauso viel zum Erfolg tragen jedoch all jene talentfreien Teilnehmer bei, die vollkommen ungehemmt ihre Künste präsentieren. Hier wird es witzig, hier haben wir Entertainment pur und darüber lacht Deutschland! Denn sind wir ehrlich: ob Simon Gincberg sich ohne Labello nackt fühlt oder Sahra Drone mit 17 Jahren eine Brust-OP hatte ... ich bin mir sicher, sie haben diese Namen eh schon längst vergessen!
Doch zurück zur zweiten Einstiegsfrage: Wie kommt jemand, dem jegliches Gesangstalent fehlt, auf die Idee, bei "Deutschland sucht den Superstar" sein Glück zu versuchen? Verlorene Wetten und eine Tendenz zur Selbstgeißelung mögen einen Teil erklären, mit Sicherheit aber nicht jene 29.971 Kandidaten, die die Sendung für zehn Sekunden Rampenlicht nutzten. Negativbeispiele aus den vorangegangenen Staffeln sollten eigentlich abschrecken, denn einige Kandidaten wurden nach ihrem Auftritt mit Terroranrufen oder sogar Entlassungen konfrontiert.
Mag es so sein, dass Deutschlands "Gesangswunder" an bloßer Selbstüberschätzung leiden? Oder wer bzw. was trägt an diesem Super-GAU musikalischer Talentfreiheit (Mit-)Schuld?
Da ist es im großen DSDS-Rückblick ein Zwischenkommentar eines männlichen Teilnehmers - längst in einer der vielen Vorentscheidungen ausgeschieden - der mir die Augen öffnete. So erklärte er, dass er heute Morgen alleine noch einmal intensiv geprobt habe. Und zwar mit SingStar!
Dort liegt also der Quell der Selbstüberschätzung. Sony Computer Entertainment weckt jene illusorischen Träume, den Sprung vom Sing- zum SuperStar zu schaffen. Wie grausam sowohl Gesangskunst als auch Performance sein können, demonstrierten einige Mitarbeiter von OnlineWelten in Smashed #3. Bereits vergessen? Take a look at it, now!
Über die offizielle Seite zum Spiel ruft Sony sogar zum öffentlichen Blödel-Contest auf. Dort werden die "besten, listigsten und originellsten SingStar-Darbietungen" gesucht. Alle, die sich in der SingStar-Community zum Affen machen oder durch ihr außergewöhnliches Talent gute Wertungen absahnen, haben die Chance auf ein doppeltes Video-Kontigent - prima! Mehr Platz also für noch mehr sinnfreie Videos, die die Community unterhalten.
Dass das Konzept Gold wert ist, beweisen nicht nur DSDS, Popstars und Co. Nachdem Guitar Hero für Activision schon seit Jahren eine sichere Einnahmequelle und nun eine DS-Version des Spiels auf dem Weg in den Handel ist, zieht auch Electronic Arts mit Rock Band nach. Immerhin hat es für 88% in unseren Rock-Orgien gereicht. Das größte Kuchenstück dürfte allerdings Sony mit SingStar für sich beanspruchen. Erst neulich freute man sich über 12 Millionen verkaufte Einheiten. Kein Wunder also, dass man auch auf der Playstation 3 dem Sing-Trend treu bleibt und über 140.000 registrierte My Singstar Online-User bereits über eine Millionen Songs aus dem Singstore saugten - für jeweils 1,50 EUR das Lied.
Wer nun also dank FFT-Algorithmus-Erkennung ins Mikrofon schmettert und seine Punktausbeute mit jedem Versuch steigern kann, der ist nach drei Wochenendwettbewerben bereit, sich entweder freiwillig für eine Folge Smashed bei OnlineWelten zu bewerben oder die knallharte Anreise zur sechsten Staffel anzunehmen. Dieter Bohlen, die Jury und ganz Deutschland werden sich freuen, denn wir brauchen mehr Formate á la "Deutschland sucht den Singstar"!
Sehr schön erkannt, denn was SIngstar fördert ist nicht
das SIngen, sondern das Imitieren von Gesang. Die
wenigsten SingStar-Junkies wissen überhaupt, was singen
bedeutet ;)
Eines heißt es aber ganz sicher nicht: Wie ein
bekloppter am Originalgesang zu kleben.
23.05.2008 - 14:34 Uhr Gnoos
singstar und bin da gar nicht soooo schlecht
23.05.2008 - 14:01 Uhr karaokefreak
das SIngen, sondern das Imitieren von Gesang. Die
wenigsten SingStar-Junkies wissen überhaupt, was singen
bedeutet ;)
Eines heißt es aber ganz sicher nicht: Wie ein
bekloppter am Originalgesang zu kleben.