Mythos weckt schon jetzt große Hoffnungen bei allen Freunden des gepflegten Hack and Slay. Weil Flagship's Klopporgie demnächst auch in die offene Beta gehen wird, haben wir das Spiel noch einmal genauer unter die Lupe genommen.
Was heißt hier eigentlich Klopporgie? Zuschlagen ist nur was für Weichbirnen. Ein wahrer Krieger muss sich nicht auf die Waffe in der Hand verlassen, sondern wird geleitet von innerer Stärke. Die Wahl steht also fest. Keinen primitiven Recken und auch keinen hinterhältigen Schützen führe ich ins Abenteuer nach Mistglade. Nein, ein stolzer Magier soll es sein. Aber welche Rasse? Eigentlich ist ein Zyklop vorgesehen, denn die sind gleichzeitig mit Zone Drei neu hinzugekommen. Bei näherer Betrachtung sind die Einäugigen aber einfach zu hässlich. So kann man doch nicht rumlaufen - schon gar nicht als erhabener Beherrscher der Elemente. Ich schwanke zwischen einem Gremlin und einem Menschen und entscheide mich schließlich für den Homo sapiens.

Schön sind die Zyklopen wirklich nicht. Wer als Magier unterwegs sein möchte, sollte lieber eine andere Rasse wählen.

Als ex-Diablo2-Süchtiger bin ich von Anfang an wieder in meinem Element. Das Layout, die Hotkeys, die streng voneinander getrennten Zonen - alles ist an seinem erwarteten Platz. Ganz wie im Vorbild gibt es sogar einen magischen Würfel in Zone 2. Kann man eigentlich noch dreister klauen? Egal, mir soll es recht sein. Noch eine Gemeinsamkeit fällt mir auf. Wie in alten Zeiten interessieren mich die
Quests nicht die Bohne. Die elend langen Ausführungen sollen der einfachen Spielmechanik wohl die nötige Rollenspieltiefe geben. Glücklicherweise hat Flagship vorgesorgt und gibt Ungeduldigen wie mir eine Kurzzusammenfassung. Die ließe sich sogar noch mehr vereinfachen. Gehe in Dungeon XY, töte alles und nimm alle interessanten Gegenstände mit. Das lass ich mir nicht zweimal sagen und jage von einem Troll-verseuchten Kerker zum anderen. Wölfe, Spinnen, Fledermäuse, Käfer, Mumien und allerhand andere Unholde brenn ich mit meinem Feuerball gleich mit nieder. Nachdem ich mich so ein Wochenende lang durch die Mythos-Welt levele, erreiche ich Mistglade - die derzeit aktuellste Zone. Die Siedlung ist von schneebedeckten Wäldern umgeben und nur per Luftschiff zu erreichen. Wie nicht anders zu erwarten, gibt es auch hier im näheren

Umfeld allerhand Monster zu beseitigen. Die Yetis, Titanen und all die anderen Bösewichter sind aber keine Gegner für mich. Als Bewohner der kargen Tundra-Region, sind sie völlig schutz- und hilflos gegenüber meiner feurigen Magie. Die Kreaturen der verschneiten Einöde vertragen halt einfach keine Hitze. Gnadenlos mähe ich sie nieder und erhalte als Belohnung etliche wertvolle Ausrüstungsteile, die mich noch stärker machen. Solltet ihr kein Glück beim Finden neuer Gegenstände haben, dann könnt ihr euch mittels Crafting eure Ausrüstung auch selber fertigen. Viele Dutzende Zutaten, die teilweise auch noch in ihre Grundbestandteile zerlegt werden können, warten darauf, von euch zu neuen Items verarbeitet zu werden. Dabei besteht aber immer die Gefahr, dass etwas schief geht. Statt mit einer neuen Waffe steht ihr dann mit leeren Händen da. Das alles ist ziemlich spaßig und vermag mich auch lange Zeit an den Monitor zu fesseln.

Ein kleiner Boss. Twoas the Twisted Sentinel ist aber selbst im Doppelpack kein Problem.

Es hapert lediglich noch ein wenig am Balancing. Warum sonst könnte ich völlig problemlos allein durch eine epische Map ziehen, die für wesentlich höhere Charakterlevel vorgesehen ist? Einzig die Endbosse sind ein wenig härter im Nehmen und teilen auch kräftig aus. Das ist aber nicht ihr herausragendes Merkmal. Vielmehr ist es die erstklassige Inszenierung der Oberschurken, die beeindrucken kann. Da zittern die Wände im unterirdischen Dungeon, wenn das riesige Ungetüm mit seinen Flügeln schlägt. Da reißt ein Titan Teile von der Decke herunter, weil er so groß ist, dass er beim Schwingen seiner gigantischen Keule einfach nicht genug Platz hat. Da bebt die Erde, wenn der Saurier auf euch zustapft oder begrüßt euch ein brennendes Augenpaar, das bedrohlich aus der Dunkelheit näher kommt. Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass es zu einem Skelettmagier gehört, welcher in Rauch gehüllt ist und mit Blitzen um sich wirft. Es ist einfach interessant zu erfahren, was der Nächste drauf hat. Genügend Gelegenheit auf neue Bosse zu treffen, gibt es allemal, denn
Quests und Questmaps findet man wie Sand am Meer. Zur Not könnt ihr sie auch kaufen.

Schnee und Eis prägen das Bild der dritten Zone, zumindest so lange, bis ein Meteor einschlägt.

Wenn ihr alle NPCs ansprecht, wird euer Questlog bald überquellen, allerdings könnt ihr nicht endlos neue Aufträge annehmen. Sobald das Questlog voll ist, müsst ihr entweder einen Auftrag abschließen oder ihn einfach löschen, um wieder neue annehmen zu können. Die NPCs, deren Aufgabe ihr entfernt habt, nehmen euch das auch gar nicht krumm und bieten diese mit stoischer Gelassenheit erneut an.
Noch spielt sich Mythos wie Diablo 2 mit Grafikpatch, aber dass man bei Flagship auch an eigenen Akzenten arbeitet ist unbestritten. So wurde kürzlich die Fertigstellung der Außenwelt bekannt gegeben, die auf vielfachen Userwunsch eingeführt wird. Die Außenwelt unterscheidet sich insofern, dass der Bereich um die Städte nicht mehr länger zufällig instanziert wird. Vielmehr soll eine feste Welt mehr Interaktivität zwischen den Spielern ermöglichen. Ob das gelingt, könnt ihr schon bald in der Open-Beta selbst erfahren.