World of WarCraft bietet mehreren Millionen Spielern auf der ganzen Welt eine Plattform, um gemeinsame Abenteuer zu erleben. Gilden gehen auf Beutezug, fechten Kämpfe in der PvP-Arena aus und vieles mehr. Doch was spielt sich hinter den Kulissen einer Gilde ab? Welche Menschen treffen dort aufeinander? Antworten auf diese Fragen soll uns der Besuch einer so genannten Casual-Gilde geben.
Ein Bericht aus der Feder eines Außenstehenden mag interessant sein, doch wer könnte besser über das Gildenleben berichten als einer ihrer Leiter? Daher haben wir uns Olaf von "Necronomicon" zur Brust genommen und ihn über seine Gilde, den WoW-Alltag und einiges mehr ausgefragt.

Das Miteinander steht bei dieser Gilde im Vordergrund - und ist damit nur ein Beispiel unter vielen.

Stelle dich bitte zunächst kurz vor. Wie alt bist du? Was machst du beruflich? Wie würdest du deinen Konsum von WoW einstufen?Mein Name ist Olaf. Ich bin 27 Jahre alt und bin in der Ausbildung zum Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung. WoW ist definitiv mein Haupthobby, ich verbringe recht viel Zeit in WoW, allerdings hauptsächlich von meiner Laune abhängig. Nach einem anstrengenden Arbeitstag kommt es auch schon mal vor, dass ich den ganzen Abend auf der Couch verbringe. Allerdings kann auch ein kleiner Run durch eine Heroic-Instanz sehr entspannend für mich sein. Ich bin öfters lange online, obwohl ich ingame schon gar nichts mehr mache und mich nur noch im TS unterhalte. Ich denke, ich stehe irgendwo zwischen Hardcore-Gamer und Gelegenheitsspieler.
Ich spiele 2 Charaktere: Mein Mainchar ist meine Tankpaladin Syalell und mein älterer, jedoch mittlerweile zum Twink degradierter, Elementarschamane Struppi. Ich spiele den Tank am meisten, da Tanks nun mal häufig gesucht werden und ich auf das Equip mittlerweile recht stolz bin. Ich tanke gerne, es macht mir von allen drei Richtungen am meisten Spass, weil es für mich persönlich die größte Herausforderung darstellt. Und es nützt der
Gilde am meisten. Mein Konsum ist einigermaßen hoch anzusehen, da ich das große Glück habe, mit meiner besseren Hälfte zusammen zu spielen. Was zugegebenermaßen den Spaßfaktor noch einmal beträchtlich erhöht.
Wie würdest du eure Gilde beschreiben? Sind das Hardcore-Zocker, Gelegenheitsspieler etc.?Ich denke, ich gehöre zu den aktiveren Spielern unserer
Gilde. Wir sind ein recht gemischter Haufen, von den Gelegenheitsspielern bis zu den Fast-Hardcoregamern. Wir haben 105 Charaktere, davon 44 Accounts...natürlich mit leichten Fluktuationen. Einige Spieler sieht man nur einmal die Woche, ein paar andere jeden Tag. Das macht auf der einen Seite das Interessante, und auf der anderen Seite das Schwierige aus. Wir gehen regelmäßig nach Karazhan mit zwei Gruppen, und etwas unregelmäßiger nach Zul'Aman. 25er Instanzen sind gildenintern leider noch nicht möglich, da wir zuwenig wirklich aktive Spieler sind. Die Anzahl würde zwar gerade so ausreichen,

allerdings sind diese schwer zu koordinieren. Dies sorgt natürlich dafür, dass einige sehr aktive Spieler etwas unzufrieden sind. Allerdings haben wir wenig Abgänge zu verzeichnen, da wir eine sehr familiäre
Gilde sind. Die Atmosphäre ist eigentlich allen wichtiger als großer Erfolg beim Raiden. Was natürlich gelegentliche Streits nicht ausschließt. Ich für meine Verhältnisse fühle mich in unserer
Gilde sauwohl.
Kennst du die Spieler auch persönlich oder sind das nur reine Ingame-Bekanntschaften? Wenn ersteres zutrifft: Was für Leute trifft man da so? Klischees oder "ganz normale Menschen"?Ja, mittlerweile kenne ich einige von uns auch persönlich. Es sind sicherlich auch ein paar Klischees dabei, allerdings muss ich sagen, dass ich von den Kennengelernten davon keinen als lebendes Klischee betrachten würde. Und das interessante an unserer Mischung: man trifft alles: vom 12-jährigen, der mit seinem Vater zusammenspielt, vom Kraftwagenfahrer bis zum Studenten. Zuerst denkt man dann, dass sich die Gemeinsamkeiten nur auf WoW beziehen. Umso erstaunlicher ist es dann, wenn man sich dann auf einmal mit manchen Leuten über Gott und die Welt unterhalten kann. Und zum Thema Klischee: das Klischee, was ich am ehesten bestätigen würde: WoW Spieler sind ein lustiges Völkchen.
Was ist aus deiner Sicht das wichtigste am Gildenleben? Sind es die Raids? Gemeinsame Aktionen im Allgemeinen? Das Zusammensein als solches?Für mich eigentlich das Gildenleben an sich. Klar, auch Instanzen und Raids, deswegen spielt man ja. Allerdings macht das spielen mit vielen unterschiedlichen und interessanten Menschen sehr viel mehr Spaß. Ich würde chaotische Raids und witzige Wipes nicht gegen erfolgreiches, aber stilles Raiden eintauschen. Durch die
Gilde lernt man interessante und nette Leute kennen, mit denen man sich über alle möglichen Themen unterhalten kann, und auch einfach Spaß haben kann.
Wenn man sich deine Charaktere so anschaut, könntest du locker in Highend-Gilden anheuern. Hattest du schon entsprechende Anfragen und wenn ja - warum hast du sie ausgeschlagen?Ja, zweimal. Ich muss gestehen, ich war sehr versucht. Allerdings habe ich den gemütlichen Rahmen unserer
Gilde vorgezogen. Ich weiß zwar, dass es auch in großen Raidgilden sehr lustig sein kann, aber wenn man sich mal an seine Leute gewöhnt hat, möchte man sie auch nicht mehr missen. Der Highend-Content hat mich zwar schon immer sehr gereizt, allerdings denke ich nicht, dass er mir soviel Abwechslung bietet, wie unser Chaotenverein. Ich kenne einige Leute die Raiden, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass Raiden auch zum großen Teil aus Streits besteht. Es ist nun mal stressig, 25 Mann unter einen Hut zu bekommen. Und da so viele Leute zwangsläufig verschiedene Einstellungen zum Raiden haben, muss es da meiner Meinung irgendwann zu Streits kommen. Und das differenziert sich meiner Meinung nach ziemlich vom eigentlichen Sinn des Spiels. Deswegen ist mir der gemütliche Rahmen unserer
Gilde definitiv lieber.

In Bezug auf die Ausrüstung könnten viele Mitglieder locker höhere Instanzen besuchen - doch die Atmosphäre ist ihnen wichtiger.

Bist du der Meinung, dass Blizzard alle Spielertypen (Casual, Hardcore etc.) gleichermaßen gut bedient?Ja, bin ich. Ich denke, mit dieser Meinung bin ich einigermaßen alleine, aber als Teils-Casual und Teils-Hardcore Spieler fühle mich durch das Konzept der Heroic-Marken und der PvP-Belohnungen sehr gut aufgehoben. Es gibt den Nicht-Raidern die Möglichkeit, ebenfalls an gute Ausrüstung zu kommen. Und diese ist nun mal ein wichtiger Teil des Spiels. Allerdings finde ich diese Frage an sich wird viel zu sehr überbewertet. Man spielt doch eigentlich, um Spaß zu haben. Warum dann der Neid auf andere Leute? Jeder hat die Möglichkeit seine Spielrichtung zu wählen. Casuals können durch langes Sammeln von Marken ebenfalls gute Ausrüstung bekommen und haben somit schöne Langzeitziele. Natürlich bringen Raider sehr viel mehr Zeit dafür auf, äquivalente Ausrüstung zu bekommen. Aber es ist doch ihre Entscheidung. Und in Sachen PvP: durch nur 10 Arenaspiele pro Woche hat jeder die Möglichkeit langfristig ebenfalls an gute PvP Ausrüstung zu kommen. Wer mehr Zeit investiert kann durch Ehre und bessere Wertung mehr bekommen, jeder kann sich entscheiden wie er spielen will.
06.05.2008 - 13:20 Uhr krizzz
"Gildensuchender" auf dem falschem Server.
02.05.2008 - 15:42 Uhr NobodyJH
sehr gut, da ich selbst kein Powergamer bin. Sind genau
die Dinge vorhanden, die mir auch wichtig sind. Ein
sehr schöner Artikel, gerne mehr davon!