Gestern warfen wir einen Blick in die Zukunft, heute dagegen in die Vergangenheit.
In der gestrigen Entwickler-Konferenz konnten wir eine rege Diskussion zwischen Jeff Hickman, Jeffrey Steefel, Matt Firor und Robert Westmoreland über die Zukunft der MMO's verfolgen. Heute stellte sich Matt Firor allein der Presse und berichtete über die Anfänge der Onlinespiele. Bevor er jedoch Air Warrior und Co überging, stellte er sich der teils branchenfremden Presse vor. Als Co-Founder und langjähriger Mitarbeiter von Mythic ist Matt geradezu prädestiniert für einen solchen Rückblick.
Die Ursprünge der MMO's liegen unter anderen in MUDS. So genannte Multi-User Dungeons gelten als Vorreiter für Onlinespiele und komibinierten erstmals Rollenspiele und Computer. Über ein Bulletin Board System oder einem Internet Server konnten sich die Spieler, ähnlich wie in einem Chat-Room, verständigen und durch Beschreibungen zu Items, Räume und Charaktere ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Mit Island of Kesmai stand bereits 1985 ein erstes kommerzielles Onlinespiel auf den Beinen, dass durch Kelton Flynn, laut Firor der erste richtige Onlinespiele-Entwickler, kreiert wurde. Er war es auch, der rund zwei Jahre später mit Air Warrior den ersten First Person Shooter verwirklichte. Ein ganzes Dutzend Spieler konnte sich auf Mac, Amiga oder Atari Clients im Plane to Plane Battle bekämpfen.
Doch auch abseits der Entwicklung von großen Spielen machte sich eine Sparte daran, immer größer und wichtiger zu werden. CompuServe und GeNie experimentierten zur gleichen Zeit erstmals mit einem Angebot von Casual Games. Für rund 5$ konnte man nicht nur seine E-Mails checken, sondern auch Spiele zocken.Das erste MMO ließ nicht lange auf sich warten, mit Gemstone II wurde auf GeNie 1988 der erste große MUD Spieltyp veröffentlicht, der es ermöglichte, dass Hunderte Spieler zur gleichen Zeit spielten.
Die nächste Epoche der MMO-Entwicklung erstreckte sich von 1990 bis 1994. Kein wirkliches Onlinespiel, dennoch eines der bekanntesten und revolutionierenden Spiele ist Doom. Acht Spieler gaben im
Deathmatch-Modus alles, um als Sieger aus der Arena zu gehen. Hier fängt selbst Matt Firor an, in Erinnerungen zu schwelgen. So hat er zusammen mit seinen Kollegen oftmals mehrere Stunden

nach Feierabend in der Doom-Welt verbracht.
Zusätzliche zeigte der dritte Teil von Gemstone, dass MUDs mehr und mehr an Beliebtheit gewinnen und der Trend eindeutige Richtung gemeinsames Spielerlebnis geht.
Entgegen den meisten Vermutungen, so Fior, sei weder Ultima Online, noch Meridian 59 das erste grafische MMO. Auch wenn Ultima Online den erfolgreichen Weg der Onlinespiele ebnete, profitierten beide Entwickler-Teams bereits aus den Erfahrung von Dark Sun Online und The Realm Online.
Auch die anderen Sparten blieben in ihrer Entwicklung nicht stehen und brachten immer mehr und vor allem neue Spilideen. Casual Games wurden vor allem durch Rise of America Online und Slingo, einer Kombination aus Bingo und Slot-Maschine, geprägt.
Ende der 90er stiegen jedoch auch die Shooter empor, um den Part Multiplayer stärker denn je in den Vordergrund rücken zu lassen. Quake, Half-Life und Counterstrike zählen auch heute noch als Klassiker aller Shooter und stehen praktisch für den Aufschwung des Genres und der Mutliplayer-Duelle. Auch erste "for pay Shooters", zum Beispiel Splatterball oder auch Magestorm, drangen in den Markt.1999 war klar: Online-Modelle stehen vor einer rosigen Zukunft. MOO's, egal ob First Person Shooter oder Rollenspiel, und casual Portale werden sich durchsetzen und etablieren.
Schon bevor Blizzard mit World of Warcraft den Hype um MMOG's so richtig entfachte, sorgte das Unternehmen für eine revolutionierende Plattform: Battle.net. Sowohl Diablo- als auch Starcraft-Spieler gingen Blizzards Plattform nach und spielten was das Zeug hält gegeneinander. Passend dazu entdeckte man den asiatischen Markt, der sich stärker als bislang angenommen erwies. PC Cafes waren stundenlang besetzt, nur weil man sich im Battle.net die nächste Schlacht liefern wollte.

Viel unterwegs: Hier spricht Matt Firor mit Kollegen auf einer asiatischen Entwickler-Konferenz.
Im Jahr 2000 eroberte Everquest den europäischen und amerikanischen Markt erstmals als 3D Onlinespiel. Quake Mods und Counterstrike wurden indessen zum Standard der First Person Shooter. AOL dagegen musste sich nun harter Konkurrenz gegenüberstellen, Yahoo und weitere Mitbewerber wollten den Markt der Casual Games nicht kampflos hergeben. Nach und nach traten mehr mit Dark Age of Camelot oder auch Asheron's Call weitere Konkurrenten zu Everquest auf den Markt. Selbst die Konsolenhersteller fingen an, sich mit dem Thema Online zu beschäftigen. Als bestes Beispiel nannte Firo hier die Xbox in Verbindung mit Halo, dem bislang erfolgreichsten Xbox-Spiel. Mit dem Master Chief wurden nicht nur zahlreiche Exemplare von Halo verkauft, sondern auch viele Mehrspielerschlachten über Xbox Live abgehalten. Ähnlich erfolgreich für den PC war Battlefield 1942.
Abschließend merkte Firor an, dass Bezahl-Modelle immer mehr Anklang in der Spielerschaft finden und auch die Casual Spiele noch immer erfolgreich sind. Zusammen mit den vielen neuen Online-Features der Konsolen werden die drei Richtungen - Mulitplayer, reine Onlinespiele und Casual Spiele - wohl so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden.