Blizzard Entertainment hat in Seoul das von den Fans lang ersehnte StarCraft 2 angekündigt. Doch die große Euphorie will nicht so recht aufkommen, oder doch?
Die Katze ist aus dem Sack und die Zeit des Nägelknabberns vorbei: Blizzard Entertainment hat am vergangenen Samstag in Seoul das Echtzeit-Strategiespiel StarCraft 2 angekündigt. Was wurde im Vorfeld nicht spekuliert, gerätselt und diskutiert. Wird es ein Online-
Rollenspiel im StarCraft-Universum? Ziehen wir bald zum dritten Mal gegen den Fürst der Unterwelt mit Namen Diablo in den Kampf? Oder fährt Blizzard am Ende gar nur einen pompösen Blaff auf und enthüllt das zweite
Addon zu World of WarCraft. Irgendwie war ja alles möglich, wenn aber oftmals doch der Wunsch der Vater der Gedanken und Hoffnungen war. Teilweise kam es innerhalb der Fangemeinde sogar zu zarten Anfeindungen, denn immerhin wollte jede Fraktion "ihr" Spiel am Samstag enthüllt wissen. Da sieht man mal wieder, dass ich mit meiner Kolumne in der vergangenen Woche nicht ganz Unrecht hatte.

Zusammen sind wir stark: Wie die Heuschrecken fallen hier die Zerg-Einheiten über die Gegner her.

Doch kommen wir zurück zum Thema: Ich könnte mich jetzt natürlich hier hinstellen und eine lässiges "ich habe es ja gleich gewusst" in die Runde schmettern. Die Wahrheit ist jedoch, dass ich keinen blassen Schimmer hatte. Klar, die Anzeichen in den vergangenen Tagen waren eindeutig und ließen eigentlich keinen anderen Rückschluss zu. Korea ist immerhin das Land, in dem StarCraft als Volkssport gilt - ohne Übertreibung. Es gibt dort sogar TV-Sender, die stundenlang Matches zwischen Profispielern übertragen, die übrigens bei den jungen Koreanerinnen den Status von Popstars haben - die Spieler natürlich, nicht die Matches.

Die Präsentation am vergangenen Samstag war gewohnt professionell und mindestens ebenso reißerisch inszeniert. Das geniale Rendervideo mit dem Space Marine aus StarCraft 2 überflutete wenige Minuten nach dem Event bereits die Server dieser Welt und brachte die Leitungen zum Glühen. Kaum liefen die ersten Spielszenen über die große Leinwand, war der Bann bei den größten Zweiflern gebrochen. Terranische Marines liefern sich ebenso heftige wie blutige Feuergefechte mit den Protoss. Aus dem Hintergrund fliegen schwere Kreuzer heran, während die Protoss riesige Kampfläufer an die Front schicken. Wenig später haben auch die Zerg einen kurzen Auftritt. Man fühlte sich sofort ins Jahr 1997 zurückversetzt - damals feierte StarCraft seine Premiere.
StarCraft 2 ist beschlossene Sache und eigentlich müssten die Fans jetzt im siebten Himmel schweben. Denkste! Kaum hatte sich der Staub der Präsentation etwas gelegt, wurden in den Foren dieser Welt die ersten kritischen Stimmen laut. Schnell kamen Vorwürfe auf. Das Spiel sähe ja aus wie der erste Teil nur in 3D; Blizzard wäre faul, denn immerhin gibt es keine vierte Rasse; Interface und Kontrollschemata wären veraltet und Blizzard würde lediglich ein aufpoliertes Remake von StarCraft 1 abliefern. Diese Aussagen wurden wohlgemerkt lediglich aufgrund der bisher veröffentlichten Screenshots und (gestellten) Videos getroffen; zu denen Blizzard noch während der Präsentation erklärt hat, dass sie sich in einem sehr frühen Stadium befinden.

Schon die ersten Artworks zeigen, dass Blizzard die Einheiten aus Teil 1 beibehält, aber dafür erweitern bzw. optisch aufpolieren will.

Mal ganz abgesehen von der offensichtlichen Absurdität, StarCraft 2 anhand dieses Materials bereits jetzt als lustloses Plagiat abzutun, kann ich die Reaktionen durchaus verstehen - zumindest teilweise. Immerhin sieht es bisher tatsächlich so aus, als würde StarCraft 2 das Genre der Echtzeitstrategie nicht gerade revolutionieren. Keine üppig gefüllte Featureliste, die schon beim ersten Überfliegen Herzklopfen im Rhythmus eines Presslufthammers auslöst. Keine DirectX 10-Effekte, die dafür sorgen, das eine Kinnlade nach der anderen herunterklappt. Eigentlich löst hauptsächlich die bloße Nennung des Namens StarCraft 2 den Großteil der Euphorie auf - Reputation ohne Grenzen.
Bei all dieser Kritik, sofern es denn wirklich eine solche sein sollte, muss man jedoch etwas genauer hinschauen: Blizzard war niemals als Innovationsschmiede bekannt. Vielmehr haben es die Kalifornier in der Vergangenheit auf ebenso geschickte wie grandiose Art und Weise verstanden, bereits bekannte Spielmechanismen aufzugreifen und diese zu perfektionieren. Nehmen wir WarCraft: Das grundlegende Prinzip der Echtzeitstrategie mit verschiedenen Völkern war spätestens seit Dune 2 bekannt. Blizzard verpackte diese Aspekte jedoch in eine mitreißende Story samt aufwändiger Rendervideos und glänzte zudem mit einem abwechslungsreichen Missionsdesign. Diablo war ebenfalls keine Ausgeburt an Innovation, sondern bestach vielmehr durch intensive Atmosphäre und leichte Zugänglichkeit. Naja, und über World of WarCraft brauchen wir an dieser Stelle wohl gar nicht erst zu reden, oder? Durch all diese Spiele zieht sich die Arbeitsweise von Blizzard Entertainment wie ein roter Faden: Man nehme bewährte Spielelemente, verfeinere diese und verpacke sie in ein mit Perfektionismus gezimmertes Gewand aus Atmosphäre und Spielspaß. Genau dafür lieben wir sie - allen Kritiken zum Trotz - letztendlich irgendwie doch - Blizzard Entertainment.
29.05.2007 - 10:02 Uhr rts fanatiker
27.05.2007 - 11:00 Uhr oh gott
was soll denn sc2 bitte revolutionieren? das hat teil 1
schon getan, nen strategiespiel braucht strategie,
geschwindigkeit und balance - alles bei Teil 1
vorhanden. und nun wird für die ausserhalb von korea
liegende masse an gamern die grafik aufpoliert und neue
einheiten sowie features eingebaut. Was will man mehr?
absolut perfekt. da braucht es keine verdammten
innovationen sonst wäre starcraft nicht mehr starcraft.
GANZ toller artikel, eventuell sollte man sich mal bei
den richtigen leuten und foren/seiten informieren bevor
man so einen artikel schreibt - grausam
27.05.2007 - 01:22 Uhr Autsch
"Denkste! Kaum hatte sich der Staub der Präsentation
etwas gelegt, wurden in den Foren dieser Welt die
ersten kritischen Stimmen laut. Schnell kamen Vorwürfe
auf. Das Spiel sähe ja aus wie der erste Teil nur in
3D; Blizzard wäre faul, denn immerhin gibt es keine
vierte Rasse; Interface und Kontrollschemata wären
veraltet und Blizzard würde lediglich ein aufpoliertes
Remake von StarCraft 1 abliefern."
Sogut wie die gesamte Broodwar Community hat sich genau
so ein Starcraft2 gewünscht. Und um den E-Sport, gerade
in Korea, nicht zu gefährden, wird sicht natürlich
weitestgehen an den Vorgänger gehalten. Was bei
Starcraft schon immer im Vordergrund stand, war das
Balancing, der Speed, die taktsche Finesse. Blizzard
formt das Spiel nach den Wünschen der Fans. Und das ist
auch gut so.
26.05.2007 - 19:46 Uhr Agent
als würde StarCraft 2 das Genre der Echtzeitstrategie
nicht gerade revolutionieren. Keine üppig gefüllte
Featureliste, die schon beim ersten Überfliegen
Herzklopfen im Rhythmus eines Presslufthammers auslöst.
Keine DirectX 10-Effekte, die dafür sorgen, das eine
Kinnlade nach der anderen herunterklappt."
Rofl, das meint der werte Herr Author doch nicht
ernsthaft, oder?
DirectX 10-Effekte für ein RTS? Und seit wann war
Starcraft 1 zu seiner Releasezeit ein Augenschmaus? Das
war damals schon vergleichsweise veraltet und grafisch
nicht Top.
Über "Innovation" kann man sich streiten. Das ist alles
Interpretationssache ob etwas innovativ ist oder nicht.