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Hinter dem Vorhang - Teil 1

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Einleitend ein paar Zahlen aus verschieden Studien zu dem Medienverhalten unter dem Gesichtspunkt der Raubkopien. Nach der IDC Pirateriestudie ist jede dritte Software in einem deutschen Haushalt oder eine Firma eine illegale Kopie. Dies bedeutet einen Umsatzausfall alleine im vergangenen Jahr von rund 1,7 Milliarden Euro, wenn man davon ausgeht, dass jede Software sonst gekauft worden wäre. Die FFA-Brennerstudie aus dem Jahr 2004 zeigt auf, dass alleine von Januar bis Juni 2004 mehr als 10,3 Millionen Mal Filme illegal aus dem Internet heruntergeladen wurden. Von rund 264 Millionen am Heim-PC gebrannten CDs wurde der Großteil mit Musik bespielt und über 55 Prozent der 45 Millionen gebrannten DVDs mit Spielfilmen. Seit dem 13.09.2003 werden Raubkopierer mit Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bestraft. Zu diesem Zeitpunkt trat die geänderte Fassung des Urheberrechts in Kraft. Rund 45 Prozent aller Bundesbürger sind die Konsequenzen daraus bestens bekannt. Dennoch glaubt nur rund ein Drittel der Bevölkerung, dass dies eine Verminderung der illegalen Kopien zur Folge haben wird.

Wir wollen uns in den kommenden Wochen mit dem Phänomen der Raubkopie näher beschäftigen und werden zahlreiche Interviews zu diesem Thema führen. In einem ersten Interview werden wir mit Georg Herrnleben, dem Regional Manager der Business Software Alliance (BSA) für Zentraleuropa, sprechen. Die BSA ist international tätig und die größte Organisation, die sich für eine gesetzmäßige Internetlandschaft einsetzt. Firmen wie Microsoft, Adobe, Apple, Symantec, McAffee oder Macromedia sind nur einige Wenige der bekannten Unternehmen, die der BSA vertrauen und mit ihr zusammenarbeiten. Da es für die einzelnen Firmen zu aufwendig wäre Ermittlungen oder Kampagnen im Bereich der Urheberrechtsverletzung durchzuführen, übernimmt die BSA die Vertretung der Interessen bei Regierungen und Kunden weltweit.
Alleine im letzten Jahr konnte die Business Software Alliance in Deutschland in rund 400 Fällen erfolgreich mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, die an die BSA herantraten.

Die internationale „Operation Fastlink“, bei der im April 2004 diverse Verteiler- und Vertriebswege des organisierten Raubkopienhandels im Visier der Fahnder standen, war die erfolgreichste Aktion. Über 200 Server und Rechner sowie über 50.000 Raubkopien konnten sichergestellt werden. In dem Interview sprachen wir im Allgemeinen über die BSA, über mögliches Verständnis für Jugendliche, die auf Kopien zurückgreifen, und auch über Kampagnen, die zur Aufklärung der Jugend dienen sollen. Die Möglichkeit des Gesprächs mit Herrn Herrnleben ist jedoch nur einer der Höhepunkte in unserem Special. Wir konnten einen direkt betroffenen Jugendlichen für ein Interview gewinnen, der über seine Vergangenheit, Strafe und Zukunft spricht. Jamal C. (Name durch die Redaktion geändert) geriet im Fall „Liquid FXP“ im Frühjahr 2004 in das Visier der Fahnder.

Er war Teil einer Releasegroup, die zahlreiche Erstveröffentlichungen von Kopien in Deutschland machte, jedoch den Vertrieb lediglich für nichtkommerzielle Zwecke und nur für einen geringen Kreis tätigte. Am 25. Februar wurde das Urteil in dem Strafverfahren gesprochen und wird bei uns erstmals öffentlich gemacht werden. Das Gespräch dürfte sich vor allem durch die Erfahrungen eines jugendlichen Betroffenen als besonders interessant erweisen. Der „Raubkopierer“ bekommt bei uns ein Gesicht und verschwindet nicht in Statistiken.

Ebenfalls hochkarätig wird unser Gespräch mit der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) sein. Diese vertritt große Teile der deutschen Musik- und Film-Industrie. Viele Ermittlungen und Verfahren werden durch die GVU unterstützt und zum Teil erst ermöglicht. Wir werden einen persönlichen Termin in der Zentrale in Hamburg wahrnehmen, um dort über das Thema Raubkopien ausführlich sprechen zu können. Anschließend wird uns die Tätigkeit der Ermittler direkt vor Ort gezeigt werden. Die GVU ermöglicht nur sehr selten einen direkten Einblick in die Arbeit, so dass wir uns über die Zusage sehr freuen. Aus diesem Grund wird es nicht nur ein Interview geben, sondern auch ein Special zur Arbeit und den Zielen der GVU. Der größte Erfolg in einer ganzen Reihe der erfolgreichen Kooperation mit deutschen Behörden dürfte der Fall „FTP-Welt“ sein, denn international für Aufsehen sorgte. Bei der „FTP-Welt“ handelte es sich um ein kostenpflichtiges Angebot für den Download von aktuellen Kinofilmen. Der Schaden soll sich auf eine zweistellige Millionensumme belaufen und rund 45.000 zahlende Kunden befanden sich in der zu großen Teilen sichergestellten Datenbank. Trotz einer umfangreichen rechtlichen Absicherung und Vertuschung der Aktivitäten konnte die Seite ausgehoben werden und die Verflechtungen des Falls führten bis zu einer bekannten Münchener Anwalts-Kanzlei.

Unser Special zu diesem Thema dürfte in Deutschland einzigartig sein. Erstmals lassen wir nicht nur Experten der ermittelnden Behörden zu Wort kommen, sondern auch einen direkt Betroffenen, der über seine Erlebnisse und seine Vergangenheit spricht. Wir versuchen mit diesem Special ebenfalls darauf hinzuweisen, dass sich Raubkopien in keinem Fall lohnen. So entgehen vielen Firmen Einnahmen in Millionen-Höhe, die die Sicherung von Arbeitsplätzen oder sogar das Überleben des Unternehmens sichern könnten. Ebenfalls nachteilig wirkt es sich darauf aus, dass die Vielfalt der angebotenen Medien verringert, da es Neueinsteigern kaum gelingt kostendeckend zu arbeiten, wenn die digitalen Inhalte illegale im Internet vertrieben werden. Wir wollen daher zum Nachdenken über das Medienverhalten anregen.
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