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Aus der Sicht der weiblichen Gamer - Teil 4

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Hype it!

Achtung! In folgendem Text wird polemisiert, auf Klischees herumgeritten und das über etliche Seiten hinweg. Ich verwende böse Wörter, 1337-Speak und Guild-Wars-Fachterminologie. Ironie und Sarkasmus werden nicht durch Smileys oder sonstige Emotes gekennzeichnet, sondern müssen aus dem Kontext erschlossen werden. Ich übernehme keine Verantwortung für Folgeschäden, die durch Lesen dieses Textes entstehen. Fühlt euch ruhig angegriffen, gedemütigt und beleidigt. Alles ist genau so gemeint, wie es hier steht!

Warum spiele ich?
Warum spielst du Guild Wars? Bist du so hässlich?" Der Junge hatte seinen Stimmbruch erst halb hinter sich gelassen, aber erdrückende Weisheit steckte in seinen sokratischen Fragen; Jungs finden "Gaming Girls" seltsam - wobei seltsam nicht unbedingt negativ sein muss. Eigentlich enthält der erste Satz alle wichtigen Emotionen: Neugier, Interesse, Ablehnung, Angst. "Warum ich spiele? Ich bin 120 kg schwer, Mutter von drei Kindern und hässlich wie die Nacht!"  Nun hatte ich Ruhe, um mich seiner geistreichen Frage zu widmen: Warum spiele ich Guild Wars? 

Computerspiele stinken

Als kleines Mädchen tummelte sich Klein-Pherusa in C64 Spielen, aber mit Beginn der Pubertät verflüchtigte sich mein Interesse an Computerspielen -  es gab viele spannendere Beschäftigungen: Partys, Jungs und mein neuer Pentium 133 mit Internetanschluss (1995), aber PC-Games ließen mich kalt und der Versuch einiger Freunde mich für LAN-Partys zu begeistern, scheiterte. Ich hatte zwar riesigen Spaß, aber Jungs, BNC-Kabel, warme Rechner plus Pizzaschachteln in schlecht belüfteten Räumen hatten meine zarte Mädchennase überfordert. Waschen sich Jungs nicht, wenn sie auf LAN-Partys sind? Und warum habe ich nicht einfach geruchsneutrale Online-Spiele gespielt?
1. Die meisten graphischen Spiele konnte man nicht übers Internet spielen.
2. 7 Mark die Stunde war happig.
3. Es gab viele Dinge im Internet, die lehrreicher und herausfordernder waren.
Damals gab es die Frage "Bist du m oder w?" gar nicht. Wenn ich rausrückte, dass ich ein 13-jähriges Mädchen war, hielten mich alle für einen verdammt humorvollen Kerl. Viele gamefreie Jahre verflossen und endeten im Herbst 2005.


Guild Wars - The Beginning

An einem langweiligen Nachmittag schlenderte ich mit meinem Uni-Kollegen durch die Innenstadt. Mein Gehirn war noch völlig durchgebrutzelt von Algorithmen und anderen sinnfreien Uni-Dingen, als er mal wieder anfing von Guild Wars zu erzählen. Ich sah links neben mir einen Spieleladen und mich überkam eine typisch weibliche Verhaltensweise: der Impuls, irgendetwas zu kaufen, um zu kaufen. Das Schicksal zerrte mich in diesen Laden, meine EC-Karte hüpfte auf die Ladentheke, der Verkäufer verstaute die Guild Wars-Schachtel in einer Tüte und nötigte mir diese auf. Ihr seht, ich konnte mich nicht wehren - wenn Frauen einkaufen gehen, sind die nun mal Opfer.


Mylady, dürfte ich Ihre E-Mail-Adresse erfahren?

Aller Anfang ist das PvE, zumindest bei Guild Wars. Im Tutorial lernte ich einen Waldläufer/Mesmer kennen: "Möchtest du mitkommen questen?"  "Warum nicht, besser als Henchmen [1]", dachte ich mir und in meiner leeren Friendslist machte sich der Name auch ganz gut. Smalltalkend lösten wir die Quests, als er plötzlich in den "RPG"-Modus verfiel.

"Mylady, wartet, ich werde euch diese garstigen Untiere vom Halse halten." Bis er das eingetippt und abgeschickt hatte, lag ich schon längst tot am Boden. Das hat mir (mit Betonung auf MIR) schnell gezeigt: Online-RPGs taugen nicht fürs Rollenspiel, so paradox das auch klingen mag. Die Serverzeit läuft weiter, selbst wenn man seinen Spielcharakter ausspielen möchte. Der kreative Teil in mir sträubte sich gegen diese Art des Rollenspiels, denn ich war seit Jahren Würfel, Bücher, Chips und 5 erzählende und beschreibende Freunde gewohnt - ich hakte MMORPGs als Nicht-RPGs ab.



[1] Computergesteuerte Spielfiguren

MMORPGs = langweilig

Für viele Menschen fällt Telefonsex (wer jetzt kichert ist 13) ebenfalls unter Geschlechtsverkehr, ob man das befriedigend findet, ist Ansichtssache. In MMORPGs schafft man keine Geschichten durch Phantasie, man löst Quests und diese lassen sich reduzieren auf: "Gehe nach X", "Töte Y" oder "Hole Z". Natürlich gibt es komplexe und ansprochsvolle Quests in MMORPGs, das bestreite ich nicht. Die sehen dann folgendermaßen aus: "Gehe nach X, töte Y und hole Z."  Eingefleischte MMORPGler möchten mich jetzt bestimmt mit ihrem Mauskabel würgen - ich höre schon die Widersprüche: "Aber ich kann doch meinen CHAARAA spielen! In der Stadt kann ich doch meinen CHAAARA ausspielen!" Man kann sich auch als Counter-Terrorist in die Basis stellen und versuchen mit den Terroristen über die freiwillige Übergabe der Geiseln zu verhandeln: "... aber Geisel 3 ist Vater. Hast du nicht auch Kinder?"


Wenn Männer Frauen spielen…

... muss ich immer lachen. Bei Guild Wars ist es relativ egal, ob die Figur männlich oder weiblich aussieht. Das hat nichts damit zu tun, dass Guild Wars-Spieler transexueller sind als der Rest - im PvP ist es einfach egal, ob die 140 Schaden von einem weiblichen oder einem männlichen Elementaristen kommen. Viele Jungs spielen bei Guild Wars weibliche Charaktere und ich glaube, die Gründe sind relativ einfach: die weibliche Variante sieht immer hübscher aus, als die männliche. Außerdem, welcher Kerl hat schon Lust stundenlang auf einen hässlichen, kantigen Männerhintern zu starren. Was mich jedoch mehr verwirrte, waren weibliche Nicknames von männlichen Spielern, aber man gewöhnt sich schnell daran, "dem Linda" die Flagge zu bringen. Man hätte sich innerhalb der Gilde auch mit Vornamen anreden können, aber bei zwei gleichen Vornamen ist das sehr verwirrend.  Im PvP-Modus sehe ich die Geschlechterfrage der Charaktere also eher pragmatisch.

Anders im RPG-Modus: Jungs haben kein Problem damit in Form von Orks, Elfen oder Cyber-Assasinen durch die Welt zu streifen, aber es ist für sie eine unüberwindbare Hürde eine glaubwürdige weibliche Figur zu erschaffen. Von Männern gespielte Frauen rieche ich über etliche Router hinweg, denn sie sind immer nach dem selben Schema aufgebaut:

1. Die Schlampe

Der häufigste Typus. Kleidung: so nackt wie es geht, also meist ohne Rüstung und fällt durch folgende Bemerkungen auf: "Hey Süßer, wie wärs mit uns?",oder : "Strippe für ein Platin!" Die Schlampe ist berechnend und ewig willig. Sie bezahlt mit ihrem Körper, verschlingt ein Mann nach dem anderen und ist bei jeder "Nackt tanz party am FEUER!!!!!11!!!einseinself" dabei.

2. Das Babe

Kleidung: je pinker, desto besser. Fällt auf durch folgende Kommentare: "Hilfe, meine Fingernägel" oder "Ich hab nen Fleck auf meiner Rüssi" oder "Ihr Kerle benehmt euch unmööööglich". Ein Babe ist dumm und hilfsbedürftig. Sie stolpert über Käfer und verfängt sich mit ihren Haaren in der Rüstung des Ogers.

3. Die Amazone

Kleidung: So wenig Stahl wie möglich. Die Amazone ist die Wahl der Männer die versuchen, eine "politisch" korrekte Frau zu spielen. Verhalten: Vermeidung jeglicher weiblicher Klischees, was zu einer bizarren Spielfigur führt: dem Macho-Weib mit mehr Testosteron im Blut als ein komplettes Regiment Wehrdienstleistender in der Grundausbildung.


Schlampige Tarnung

Aber eines haben alle gemeinsam: Wenn man versucht sie zu enttarnen, werden sie zickig. Männer glauben scheinbar, dass alle Frauen ihre Konflikte keifend lösen und Stutenbissigkeit ein fester Bestandteil davon ist. Ich habe nichts gegen Männer, die gut durchdachte weibliche Figuren spielen und die nötige Distanz wahren können, aber Männer die versuchen so zu tun als wären sie im Reallife Frauen, finde ich befremdlich. Vor meinen Augen erscheint dann immer das Bild eines  vierzehnjährigen Jungen, der seinen sexuellen Frust an anderen männlichen Mitspielern auslässt oder sich an der holden Weiblichkeit rächt, indem er seine Spielfigur erniedrigt: "Okay ich zieh mich aus. Bekomme ich das Schwert?" Enttarnen ist relativ einfach - stell ihnen eine Frage, die sie nicht beantworten können. Beispiel: Wann trägt man Binden, wann trägt man Slipeinlagen? Komplexe Dinge, mit denen sich Männer nicht beschäftigen wollen, Frauen aber in fünf Sekunden beantworten können.

Und das ist der Hauptgrund, weshalb mir der Rollenspielmodus in GW mehr und mehr zuwider war: die Leute spielen keine Rollen, sondern verwenden ihre Spiel-Charaktere als virtuelle Ego-Erweiterung und öffentliche Projektionsfläche ihrer Wunschvorstellungen. Genau das war der Knackpunkt bei meiner ersten RPG-Bekanntschaft: er war auf der Jagd nach einer Freundin - mit seinem Waldläufer/Mesmer. Er bedrängte mich so lange, bis ich meine (Spam-)Mail-Adresse herausrückte und schickte mir Screenshots: wiramstrandkryta.jpg, wirimschnee.jpg und wirvorsonnenuntergang.jpg. Diese Bilder gingen mir richtig nahe, jedoch nicht, weil romantische Stimmung über mich kam, sondern weil es mich vor lauter Abscheu und Mitleid kurz durchschüttelte. Ich versuchte ihn von da an zu ignorieren, aber es war zu spät. Er betrachtete mich als seine Freundin - ich wurde virtuell gestalkt.

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Kommentare

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  • 15.12.2006 - 17:09 Uhr Fredor

    Sehr witzig geschrieben - Kompliment :-)
    Ups, war das ein Flirt: nein keine Angst, kannst den
    Teflonmodus auslassen: schlichte Tatsachenbeschreibung.
    Ja auch das können Männer ... :-)

  • 29.11.2006 - 10:29 Uhr Theo

    sollte mit helfen, in diesem Chaos besser zurecht
    zukommen. Danke

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