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Aus der Sicht der weiblichen Gamer - Teil 2

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Hype it!

Knapp 5 Monate nach meinem Ausstieg als aktive MMORPG Spielerin sitze ich nun hier und will einen kurzen Einblick in mein 1,5-jähriges Leben als Mitglied der Final Fantasy XI-Gemeinschaft geben...

Heiß umkämpft, wild umstritten

Frauen gelten generell, auch wenn ihre Zahl zugenommen hat, noch immer als das seltene Geschlecht bei Computerspielen. Eine Handvoll versucht hierbei ihren Mann in diversen Onlinespielen zu stehen.

Kein Wunder also, wenn so mancher männliche Spielkollege sich Hals über Kopf in seine „süße“ und seltene Mitstreiterin verliebt und bei ihm beinahe alle Sicherungen durchbrennen.
So mancher Mann frisst seiner Angebeteten in MMOGs aus der Hand, liest ihr jeden Wunsch von den virtuellen Augen ab und deckt sie mit diversen teuren Gegenständen als Zeichen seiner Liebe ein. Er mutiert regelrecht zu einem Sklaven, ihrem persönlichen Leibwächter und Helfer. Es gibt viele „Gamegirls“ die eben dieses Verhalten beinhart ausnutzen und den armen Kerl bis aufs letzte Hemd ausziehen.

Das Benehmen mancher Spieler kann dabei eigenwillige Formen annehmen, sobald ein Mädchen zum Beispiel in seiner Party, Gruppe oder auch näheren Umgebung ist. Da wird gebalzt und geworben was das Zeug hält. Man(n) präsentiert sich in seinem besten Equipment und hilft der Lady wo es nur geht, wobei so mancher richtig aufdringlich und nervig werden kann und einfach überall dabei sein will wo auch das Objekt seiner In-Game-Lust hingeht, auch wenn sie es nicht will und ihr seine Präsenz eigentlich egal ist.

Aber hier ist es anscheinend wie im echten Leben, ein „Nein“ wird als Zeichen gesehen, um noch mehr zu balzen und jegliche Ablehnung wird nur als gespielt interpretiert. Wird die Angebetete von einem anderen Gamer „angebaggert“ und flirtet sie dann auch noch mit ihm, ist es mit dem glühenden Verehrer aus und vorbei. Er fordert seinen vermeintlichen Mitbewerber zum Duell heraus. MMOGs bieten dazu die Möglichkeit des PvPs, also die virtuelle Möglichkeit dem anderen eins Auszuwischen und vielleicht so seine Herzensdame zu beeindrucken.

Beides sind sicherlich die Extremvariationen der Geschlechter, dazwischen gibt es noch die, die friedlich koexistieren, einander helfen und sich verhalten wie normale Spieler.


Weiblich, ledig, sucht ... (wirklich weiblich?)

Eigenartigerweise gibt es manche Rassen die besonders gerne von männlichen Vertretern des Genres gespielt werden, auch wenn es sich um eine eindeutlich weibliche Charakterklasse handelt. Im Speziellen bei Final Fantasy XI ist es die Rasse der Mithra, ein Volk welches hauptsächlich aus Frauen besteht und deren Angehörige sich durch ihr katzenartiges Aussehen auszeichnen (katzenartiges Gesicht, Katzenohren und Schweif), die es der Männerwelt scheinbar angetan hat. 
Jedoch gibt es noch eine Schattenseite ... viele Mithras (wenn nicht sogar der Großteil) werden von Männern gespielt. Diese „Crossdresser“ unter den Gamern werden gerne als „Manthra“ bezeichnet, ein Begriff der sich aus „Man“ (für engl. Mann) + dem „thra“ aus Mithra zusammensetzt.
Somit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man als Mann auf eine dieser Manthras stößt wenn man wieder mal versucht sich eine eigentlich weibliche Spielerin anzulachen.


Crossdresser

Auch immer wieder lustig ist es wenn man sich als Mann ganz sicher ist einen Volltreffer gelandet zu haben, und man die Angebetete zu sich auf den Teamspeak-Server einlädt. Nicht selten ist so mancher Mann dann von einer tiefen männlichen Stimme überrascht worden, die so gar nicht zu dieser niedlichen Katzenfrau passt. Oder auch wenn seine Partnerin kurz nach der virtuellen Verlobung gesteht, sie sei ein Mann, nicht schwul und wollte nur etwas Fun.
Extrem ist es dann wenn derjenige mit dem vielleicht sogar teuren Verlobungsgeschenk durchbrennt. War alles schon mal da und ich kenne noch mehr solcher Fälle.


Eifersucht

Anders kann es auch passieren, dass man sich als Frau mit einer Verehrerin des eigenen frischgebackenen virtuellen Gatten in Spe herumschlagen muss, wie es mir passiert ist.

Zwei Tage nach meiner „Verlobung“ wollte mir eine andere Spielerin, die schon sehr lange versucht hat an „meinen“ Mann heranzukommen (wo er mich noch nicht mal kannte), was allerdings nicht gelang. Als ich später versuchte die Situation zu erklärend, wurde ich beschimpft, obwohl ich diejenige nicht einmal kannte. Die Ironie an der ganzen Sache, besagte Spielerin war eigentlich ein Kerl, was ich aber erst viel später erfahren habe.


in-game HUI, real-life PFUI

Anders kann auch eine Frau im Spiel total sexy sein, und im Real Life so gar nicht dem entsprechen was sich ihr Gegenüber erwartet. Viele Jahre älter, äußerlich nicht ansprechend oder extrem ungepflegt.


Frauen spielen anders...

Ein Vorurteil, welches sich schon oft bestätigt hat ist, dass Männer oft dazu neigen sich nach dem (nicht immer bewährten) „Augen zu und durch“-Prinzip sich in manche Dinge hineinzustürzen, dort gehen Frauen eher überlegter an Dinge heran. Sie überlegen sich im Vorhinein Strategien, Techniken und Ausrüstung. Männer hingegen rennen sich erst ein paar mal die Nase an, bevor sie aus diesen „Testläufen“ Konsequenzen ziehen und anfangen zu überlegen wie man es besser oder anders machen könnte.

Jobklassen

Auch in der Wahl der Jobklasse unterscheiden sich Mädchen von den Jungs. Die Gamer bevorzugen Klassen wie den Warrior, Paladin, Dark Knight, also so ziemlich alles was eine Waffe trägt die dazu entwickelt wurde, Schmerzen zuzufügen oder generell Jobs die immer vorne an der Front dabei sind.
Frauen hingegen spielen meistens die Rolle des Supporters, White Mage, Red Mage oder Black Mage. Jene Klassen die einen gewissen Abstand zum Mob haben, also abseits des Kampfgetümmels.

Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich von Vertretern des anderen Geschlechts angebaggert wurde, sobald ich mich als Frau zu erkennen gab (Eigenartigerweise wurde ich vorrangig von Vertretern des Jobs „Dark Knight“ gefragt ob ich denn noch zu haben sei und ob ich nicht mit ihnen gehen wolle). Vielleicht lag es daran, dass ich einen für Mädchen untypischen Job hatte. Ich war ein Warrior der ersten Stunde und sobald ich die Jobklasse Paladin freigespielt hatte, lebte ich nur für diesen Job. Ich habe aber generell immer Schwerter anderen Waffen vorgezogen und Magie war nie so wirklich das meine. Somit war ich auch eher ein halbherziger Heiler und Supporter. Schon in älteren Teilen der Final Fantasy Serie waren meine Mages eher unterentwickelt, während ich alles auf meine Melees gesetzt habe.

Es kann aber auch sein, dass es an meiner eher manchmal männlichen Denkweise liegt. Kunterbunte Knuddelgames waren nie so die meinen, wenn schon, musste es hart auf hart gehen. Somit waren mir auch Ego-Shooter nicht fremd (es ging nichts darüber als einzige Frau im Netzwerk meiner Ex-Schule den Männern eins auszuwischen ... ) und Games wie Metal Gear Solid, Tomb Raider, Resident Evil und Co gehören bis heute in mein Game-Repertoire.


Pimp my Chara ... oder warum Frauen gut aussehen wollen und Männer so tun als ob

Wo immer ich auch in Final Fantasy XI war, fiel mir besonders eine Sache auf, der Großteil der weiblichen Spieler hatte mehrere verschiedene Sets an Ausrüstungen. Eines für die Stadt, eines für den Kampf, und eines welches möglichst süß/sexy aussah. Ich selber war da keine Ausnahme. Ich hatte zusätzlich zu meinem normalen Outfits für das Leveln immer ein Outfit, welches ich in der Stadt oder wenn ich einfach so unterwegs war getragen habe.

Gerade bei diesen Zweitoutfits ist es dann egal wie die Werte der Ausrüstung sind, und wie schlecht das Teil eigentlich ist... Solange es nur gut aussieht. Frauen investieren dort auch mal gerne etwas mehr Geld, sodass es schnell mal passieren kann, dass dieses Equipment mehr wert ist als das eigentliche Battleequipment.

Ein Beispiel in Final Fantasy XI ist das sogenannte „Opaline Dress“, bestehend aus einem kurzen weißen Kleid, hohen Stiefeln, Hot Pants und einer Blume die in den Haaren getragen wird. Schweineteuer, miese Stats ... aber die Mädchen fliegen drauf ... (Das selbe Kleidmodell wird für das „Wedding Dress“ hergenommen, welchen man bekommt wenn man in FFXI heiratet). Dieses Kleid war mein „Verlobungsgeschenk“ und bis zum Schluss mein ganzer Stolz.

Männer sind da anders, ihr Equipment ist entweder stark vernachlässigt, oder so etwas von „pimp“, dass es die Hälfte auch tun würde. Auch tragen Männer gerne Equipment, welches zeigt wie toll sie sind und was sie nicht alles schon erreicht haben, egal wie lächerlich ihr Charakter in dem Outfit wirkt. Das Outfit ist einfach cool, geil und das Beste was es zu haben gibt, basta .. und Widerrede wird nicht geduldet.

Dann gibt es noch die Kerle mit Geschmack, diese sind aber entweder schwul, männliche Charas die von einer Frau gespielt werden, oder eine absolut Ausnahme und sehr schwer zu bekommen, da von weiblichen Spielern umschwärmt wie von Motten das Licht und somit ein Lichtblick am Horizont.


Beziehungen rund um MMOGs

Findet sich nun ein Paar, welches tatsächlich hetero ist und das sich entschließt seinen virtuellen Weg gemeinsam zu gehen , heißt das nun nicht unbedingt das daraus auch noch die große Liebe im echten Leben werden muss. Oftmals stehen dem große Entfernungen, Altersunterschiede usw. als Hindernis entgegen.

Virtuelle Beziehungen unterscheiden sich nur wenig von denen im echten Leben. Es wird geturtelt, man versucht virtuell Körperkontakt zu haben und man will soviel Zeit wie möglich miteinander verbringen. So manches Paar wird ziemlich offenherzig in Emotes, oder sollte ich sagen, freizügig, so dass sich manche Chatlogs dann schon eher lesen wie ein Erotikheft ... von „UserX  verpasst UserinY einen Zungenkuss“ bis „UserA wants to have {long time} {fun} and {excitement} with UserinB at {Mog House}“ war da schon alles dabei. Somit wird auch wirklich dem kompletten Umfeld mitgeteilt das man ein Paar ist. Am besten noch in der in Final Fantasy so beliebten Auto-Translation, welche verwendet wird um bestimmte vordefinierte Wörter vom Englischen in die japanischen Schriftzeichen zu übersetzten (Hier mit {} dargestellt).

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