Seit einigen Wochen gibt es in Japan und in den Vereinigten Staaten Metal Gear Solid 3: Snake Eater. Seit vergangenem Donnerstag endlich auch in Europa und das gleich mit einigen exklusiven Neuerungen. Nachdem wir für euch in Berlin beim Launch-Event zu dem Spiel waren, präsentieren wir euch heute den Test zum Spiel.
Während die Story des zweiten Teiles durch ein wenig eigensinnige Verschwörungstheorien einige Fans abschreckte, präsentiert Hideo Kojima mit Metal Gear Solid 3: Snake Eater wieder einen waschechten MGS-Teil. Zwar wird mit diesem die Trilogie enden, doch schon vorweg sei angemerkt, dass es einen vierten Teil geben wird. Nachdem dies also geklärt ist, können wir uns ganz dem aktuellen Titel hingeben. Dieses Mal verschlägt es unseren charismatischen Protagonisten, der häufig an James Bond erinnert, in den Dschungel. In der fulminanten Introsequenz, die durch den Drehbuchautor Kyle Cooper, der schon für Spiderman und Seven verantwortlich war, geschrieben wurde, werden wir über die Story des Spiels aufgeklärt. Wir schreiben das Jahr 1964 und befinden uns mitten im Kalten Krieg. Mit dem Sprung aus einem Flugzeug landet der Spieler in einer ihm bisher nicht bekannten Umgebung. Auf der Einzelmission sollen wir als Kämpfer der US-Army, in Zeiten wo politische Eskalationen durch geringste Vorkommnisse hervorgerufen werden können, den Wissenschaftler Sokolov aus der geheimen russischen Forschungsstation befreien, damit er nicht mehr gegen seinen Willen an dem Nuklearpanzer Shagohod arbeiten muss, der Millionen Menschen den Tod bringen könnte. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte es sich um einen animierten Agenten-Thriller direkt aus Hollywood handeln, denn die Einführungssequenz ist erstklassig gelungen und sucht ihres Gleichen.
Kinofilm zum Miterleben! Will man mit dem Spiel beginnen, dann sollte man sich viel Zeit nehmen, denn lösen kann man sich so schnell von Metal Gear Solid 3 nicht mehr. Zum einen fesselt die Story den Spieler wie noch nie zuvor und zum anderen unterbrechen die Cutsequenzen das Spiel zu Beginn leider viel zu oft und man geht nur wenige Schritte, bevor ein neues Video beginnt. Zwar erfährt man so große Teile der Story schon zu Beginn und kann sich in die Geschichte hineinversetzen, doch will man vor allem zu Anfang eines neuen Titels eben diesen selbst spielen und nicht nur als Zuschauen fungieren. Insgesamt beherrscht die Passivität das Spiel, denn von rund 15 Stunden gesamter Spielzeit, sind sage und schreibe fast sechs Stunden auf Cut-Sequenzen beruhend. Wer sich aber die Zeit nimmt und sich richtig in das Spiel einlebt, der wird doppelt und dreifach dafür entlohnt. In der Videospielgeschichte gab es vermutlich noch nie eine dermaßen komplexe und gut durchdachte Geschichte, die nicht für Langeweile sorgt. Und wer sich ganz besonders für eine Sequenz interessiert oder im nachhinein eine Szene nochmals anschauen möchte, der kann dies exklusiv in der europäischen Version im Demo-Theater tun. Man darf sicherlich gespannt sein, wann Hollywood in Japan klingelt, um einen entsprechenden Kinofilm nach der spielerischen Vorlage zu drehen. Leider wurden die Dialoge nicht neu synchronisiert, doch das englische Original gefällt so gut, dass man darüber hinwegsehen kann. Man hat sich alle Mühe gegeben, um engagierte und passende Stimmen zu finden. Auch die musikalische Untermalung ist erstklassig gelungen. Grund dafür ist, dass man auch hier keine Kosten und Mühen gescheut hat, um bekannte Experten in das Boot zu holen. So war kein geringerer als Harry Gregson Williams, der schon für Armageddon und Staatsfeind Nr. 1 den orchestralen Soundtrack komponierte, für die musikalische Umsetzung in Metal Gear Solid 3 verantwortlich. Wem der Soundtrack so gut gefällt, dass er ihn auch zwischendurch hören möchte, der kann sich diesen im Einzelhandel
kaufen.
Landesfarben in das Gesicht gepinselt und ab in den Matsch! Im Dschungel ist jeder Schritt verräterisch, denn raschelndes Laub und Gras sowie unter den Füßen zerbrechende Äste verraten den Protagonisten schnell und um so wichtiger ist die Tarnung, die nicht nur einen modischen Aspekt hat. Der Spieler hat exklusiv in der europäischen Version die Möglichkeit seine Landesfarben als Tarnung für das Gesicht zu nehmen. Ob Tarnfarben im Stile Frankreichs oder Deutschlands hat jedoch keinen Einfluss auf den Tarn-Index, der eine Neuerung im Spielablauf ist. Stets wird eine Anzeige eingeblendet, die dem Spieler anzeigt wie schwer es für die Gegner ist, ihn im Dickicht oder Unterholz zu finden. Diese Anzeige gilt is im Auge zu halten, um je nach Situation die Kleidung und damit die effektivste Tarnung zu wechseln. Im Kellergewölbe ist Flecktarn schnell erkannt und blau-graue Outfits verraten den Spieler sehr viel später.
Doch es handelt sich nicht um einen reinen Schleich-Titel. Daher ist man dem Versagen nicht unbedingt nah, auch wenn man aufgeflogen ist. Durch den Nahkampf kann man Gegner in Gefangenschaft nehmen, um anschließend von diesen Informationen zu erpressen. Sollte man dabei überrascht werden, kann man die Gegner auch als menschliche Schutzschilde nutzen, um sich vor den Kugeln der Feinde zu schützen. Wer sich wie in den ersten Teilen auf ein Gegnerradar verlassen möchte, der wird überrascht sein, dass dieses auf dem Bildschirm nicht mehr vorzufinden ist. Im Kalten Krieg hilft man sich mit Bewegungsmeldern und zahlreichen anderen technischen Finessen weiter, wenn man die Gegner möglichst unauffällig aufspüren und ausschalten möchte. Insgesamt stehen dem Spieler über 25 unterschiedliche Waffen aus den 60er Jahren zur Verfügung, die wie das Katana unterschiedliche Fähigkeiten erfordern. Wie oft man zur Waffe greifen muss hängt im dritten Teil sehr viel stärker vom Spieler selbst ab, denn je besser die Tarnung, desto einfacher ist es auch die Feinde einfach zu umgehen.
Der Realismus feiert Einzug im Spiel! In fast allen Bereichen der Spielebranche wird mittlerweile auf die Komplexität in der Umsetzung von Elementen aus der Realität geachtet. Immer mehr Käufer wollen so möglichst viele Elemente wie nur irgendwie möglich aus ihrem eigenen Leben im Spiel wieder finden. So muss der Spieler im Dschungel seine Wunden so schnell wie möglich selbst verarzten und auch die Diagnose selbst stellen. Mittels der Röntgenaufnahmen wird man so schnell zum Allgemeinmediziner. Und auch das Essen muss selbst besorgt werden, wenn man keinen entkräfteten und kampfmüden Protagonisten haben möchte. Es kann die gesamte Flora und Fauna als Grundlage des Essens genommen werden, doch wie im wahren Leben gilt auch hier die größtmöglichste Vorsicht. Nicht alles was lecker aussieht, ist auch genießbar! Wer die falsche Frucht isst wird zwar nicht aus dem Paradies verbannt, doch mit Übelkeit gestraft, denn selbst ein Einzelkämpfer der US-Army kann krank werden.
Exkate Bewegungsabläufe im Nahkampf! Vor allem im neuen Close Quartes Combat (Nahkampf) wird deutlich, dass die Entwickler viel Zeit in das Motion-Capturing gesteckt haben, um die Bewegungen so realistisch wie nur irgendwie möglich aussehen zu lassen. Mit Rat und Tat stand dabei der japanische Nahkampfexperte Motosada Mori beiseite, der mit seinem Fachwissen und Können dafür sorgte, dass die militärischen Kampfarten exakt im Spiel zu sehen sind. Um die Umsetzung noch besser hinzubekommen verzichtete man auf herkömmliche Trampoline und verwendete Absprungmatten mit Druckluft für die Aufnahme der Bewegungen mittels Motion-Capturing. So ist es eine wahre Augenweide, wenn man sich die Kämpfe im Spiel anschauen kann. Wenn man gegen „The Boss“ im Nahkampf antreten muss, wird die Perfektion besonders deutlich, da hier über einige Zeit im Nahkampf mit den unterschiedlichen Griff- und Wurftechniken gekämpft werden muss.
Mittlerweile ist die Hardware der PlayStation 2 längst veraltet und wird durch einige Spiele vollkommen ausgereizt, doch Metal Gear Solid 3 setzt noch einmal eine Entwicklungsstufe obendrauf und reizt die Konsole bis auf den letzten Chip komplett aus. Nahezu jeder Grashalm bewegt sich mit dem Wind oder knickt ein, wenn ein Fuß drauf’ tritt. Noch mehr grafische Qualität kann die PlayStation 2 vermutlich gar nicht mehr darstellen. Die Gegner und auch der Protagonist überzeugen durch detailverliebte Umsetzungen. Die Zwischensequenzen sind an Qualität auf der Konsole kaum noch zu übertreffen. Bei der Umsetzung der soundtechnischen Aspekte wurde ebenfalls auf Klasse statt Masse gesetzt. Der Soundtrack wurde durch einen Hollywood-Spezialisten inszeniert und die Dialoge von erstklassigen Synchronsprechern gesprochen, auch wenn diese leider nicht in deutsch vertont wurden, was man durch die erstklassigen US-Stimmen aber verschmerzen kann. Auch bei den Soundeffekten bewegt sich Metal Gear Solid 3 auf höchstem Niveau und so passt sich dieses Segment des Spiels allen anderen mit dem Wort „fulminant“ an!