Alexander Glup Mein Name ist Jason Bourne und ich habe mein Gedächtnis verloren. Zum Glück gibt es ein spannendes Spiel, das diese klaffenden Lücken füllt - und ich möchte mich schließlich an das Bourne Komplott erinnern!
Bourne kämpft dreckiger als James Bond, ist tödlicher als der Hitman und cooler als Mr. und Mrs. Smith. Autor Robert Ludlum beschert uns mit den Büchern und Filmen einen heiden Spaß und ganz viel Story.
Drei Filme: rund eine Milliarde Dollar Einspielergebnis; die Bücher: eins wie das andere jeweils Millionenseller; ein passendes Videospiel: Fehlanzeige. Zumindest bis heute. Neben James Bond dürfte Jason Bourne zu den bekanntesten Agenten gehören. Verwunderlich also, dass die Lizenz bisher nicht auf dem üblichen Weg ausgeschlachtet wurde. Das Bourne Komplott basiert allerdings nicht auf der filmischen Trilogie, sondern auf der Bücherreihe des Erfolgsautors Robert Ludlum. Eines vorweg: Zu viel solltet ihr von der Story nicht erwarten, ist das Spiel doch spürbar auf Action, nicht auf erzählerische Tiefe ausgelegt. Es wird erstaunlich wenig gesprochen - die Aufgabe erledigen Kugeln und Fäuste. Schade eigentlich. Denn wer Buch und Film nicht kennt, dürfte die schnellen Zusammenschnitte der Szenen nicht wirklich vollends verstehen.
Die Boxkämpfe sind spannend und die Gegner schwer zu besiegen.
Vor allem die weichen Animationen stechen ins Auge und sind eine Wonne für verwöhnte Actionspieler. Erledigte Feinde stürzen theatralisch und schreiend vom Dach, verabschieden sich mit einem Seufzer über die Reling oder gehen in die Knie und sacken langsam zusammen. Die Nahkämpfe gehen leicht von der Hand und sind im Wesentlichen auf drei Tasten beschränkt. Ihr teilt Tritte und Schläge aus, bezwingt mit einer mächtigen Kombo selbst den stärksten Bären. Für gute Treffer steigt die Finishing-Move-Anzeige - das Sahne-Tüpfelchen auf dem Latte Macchiato sozusagen. Überschreitet die Leiste erst einmal ihren kritischen Punkt, packt Bourne sein ganzes Können in die Schläge. Vor allem wer die Filme gesehen hat, wird wissen, wie dreckig effektiv der Held kämpft. Da tritt er dem Gegner erst in die Kronjuwelen, nur um ihn anschließend mit dem Knie auszuknocken. Und wenn er nach einem kernigen Judowurf Bekanntschaft mit zerbrechlichen Möbelstücken macht, gehen etwa Glastische krachend zu Bruch. Das ist übrigens nur ein kleiner Einblick in Bournes kleines Tötungs-ABC. Aber nicht immer ist es ratsam, laut
ballernd durch die detailreichen Szenarios zu laufen. Manchmal scheint es sinnvoller, leise und mit Bedacht vorzugehen. Die hellhörigen Gegner könnt ihr auch durch Anschleichen mit anschließendem Finishing-Move ins Jenseits schicken. Dadurch spart ihr nicht nur Munition, sondern verhindert auch, dass eventuelle Lauscher aufgeschreckt werden und Hilfe holen.
Gehirn aus, Action ein - damit sich nicht das fiese Gefühl von Überforderung breit macht, sind alle Abschnitte vollkommen linear aufgebaut. Niemals werdet ihr in die Gelegenheit kommen, euch zu fragen, ob nun der linke oder rechte Weg der richtige ist. Aber gerade in einem Spiel, in dem man wahlweise auch klamm-heimlich vorgehen kann, wäre zumindest etwas mehr Freiheit willkommen gewesen. Natürlich schlägt sich dieses Manko auch auf die Wiederspielbarkeit wieder. Wer möchte schon die gleichen Strecken nochmals ablaufen? Wenige Wege sind aber noch lange nicht gleichbedeutend mit Langweile. Genauso wie in den Filmen reist Jason quer über die Weltkugel, um seine Aufträge zu erledigen bzw. sein Gedächtnis wiederzufinden. Egal ob ein gemütliches Café im nächtlichen Madrid, das geradezu zum Café Latte einlädt, oder die Pracht des vom Schnee bedeckten Zürich - die Schauplätze sind mit vielen Details gespickt und äußerst abwechslungsreich gestaltet. Selbst in der dreckigsten Gasse stehen überquellende Mülltonnen, hängen Feuerleitern von den Häusern, und Laternen verbreiten ein schummriges Licht.
Ein gezielter Schuss auf den Benzintank und der Hubschrauber sagt: "Goodbye!"
Viele Details können sich aber auch auf die Übersicht auswirken. Solltet ihr wirklich nicht wissen, wo gerade euer Ziel steckt, aktiviert ihr einfach euren so genannten Bourne-Instinkt, der besondere Gegenstände farblich hervorhebt. Auch versteckte Gegner sind direkt erkennbar, und sofern ihr bereits in deren Nähe gezielt habt, verschiebt sich das Fadenkreuz auf Kopfhöhe - besonders auf weite Entfernung eine gute Zielhilfe. Der Bourne-Instinkt kann zwar jederzeit eingesetzt werden, aber damit diese nette Funktion nicht zu mächtig wird, hält sie nur wenige Sekunden an.
Der Schwierigkeitsgrad schwankt stark und reicht von "Da brat' ich mir nebenher noch ein Ei" bis hin zu "Warum spiele ich hier jetzt eigentlich weiter?". Besonders die Bosskämpfe sind teilweise äußerst fordernd, da die Feinde übermäßig viel einstecken. Und Jason natürlich verhältnismäßig wenig. Deswegen müsst ihr regelmäßig euer fingerakrobatisches Können beweisen. Manche Szenen verlangen einen sofortigen Knopfdruck, um zum Beispiel gerade noch in Deckung zu springen oder sich durch eine just schließende Tür zu quetschen. Seid ihr zu langsam, könnt ihr entweder euer eigenes Grab ausheben oder ihr werdet verhaftet. Auf jeden Fall heißt es an dieser Stelle schlicht und einfach: "Game Over". Dafür sind die Speicherpunkte in der Regel sehr fair verteilt, nur selten müssen größere Abschnitte erneut gespielt werden.
Obwohl das Bourne Komplott auf der Buchlizenz des Erfolgsautors Robert Ludlum basiert, sind deutliche Parallelen zum Film zu erkennen. Weibliche Fans müssen ganz, ganz stark sein, denn Jason Bournes Antlitz wurde nicht dem von Matt Damon nachempfunden. Schweinerei! Immerhin: einige Szenen - zum Beispiel die Kampfeinlage in Zürich, als Jason zwei Polizisten vermöbelt - wurden fast 1:1 dem Film entnommen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Entwicklern jeweils das Beste aus Film und Buch entnommen haben.