Mit Warhammer: Mark of Chaos servierte der Entwickler Black Hole Entertainment ein durchaus interessantes Strategiespiel im Fantasy-Gewand des Warhammer-Universums. Das Addon Battle March soll das Spielgeschehen intensivieren und vor allem die Schlachten spannender gestalten. Gelingt dieses Unterfangen?
Wer das Strategiespiel Warhammer: Mark of Chaos kennt, dem wird beim Blick auf den Kalender recht schnell auffallen, dass seit dessen Veröffentlichung bereits anderthalb Jahre ins Land gezogen sind. Das scheint die Jungs von Black Hole Entertainment allerdings wenig zu stören, denn ansonsten würden sie jetzt mit Battle March nicht noch ein
Addon nachschieben. An der Spielmechanik soll sich trotz Erweiterungs-Pack nichts ändern: Nach wie vor verteilt man vor jeder Schlacht seine Truppen auf dem Gelände, ehe man per Mausklick in den Echtzeitmodus wechselt. Anders als beim Großteil der Genrekonkurrenz muss man sich jedoch nicht um jede einzelne Einheit kümmern, sondern steuert diese stets in einem Verband. Da die Gefechte oftmals mit Hundertschaften von Soldaten ausgetragen werden, dient diese Funktion vor allem Übersicht. Neben gebräuchlichem Taktieren (welche Truppen schicke ich gegen welche Feindgruppe in den Kampf?) sollte man zudem stets einen Blick auf die Moral der Mannen haben. Sinkt diese aufgrund von Rückschlägen, Niederlagen oder anderen schlimmen Ereignissen zu stark nach unten, lässt die Kampfkraft nach; im schlimmsten Fall treten die Soldaten sogar die Flucht an.

Die Belagerungsschlachten gehören zu den tollen Momenten der neuen Solokampagne.

Frisches Blut auf dem SchlachtfeldSo viel an dieser Stelle zum Spielprinzip von Mark of Chaos - zum groben Verständnis der Umgebung, in der das
Addon eingebettet wurde. Battle March bietet eine neue Solokampagne, die wie schon im Vorgänger sehr linear aufgebaut ist. Auf einer Übersichtskarte rückt man von einer Position zur nächsten, rüstet zwischendurch seine Armee auf beziehungsweise rekrutiert neue Einheiten und wirft sich

wenig später ins nächste Gefechte. Die Qualität der Missionen schwankt leider etwas zu stark, um vollends überzeugen zu können. Einerseits gibt es einige wirklich spannend inszenierte Einsätze, in denen man unter anderem einer Belagerungsschlacht beiwohnt oder Riesen mit übermenschlichen Kräften stellen muss. In diesen Momenten kommt immer wieder eine intensive Kampfatmosphäre auf, die teilweise von den passablen Zwischensequenzen weitergetragen wird. Allerdings gibt es dann auch wieder völlig belanglose 08/15-Missionen, die nicht mehr vom Spieler fordern, als eine Feindesgruppe nach der anderen aus dem Weg zu räumen. Es macht fast den Anschein, als hätten die Designer entweder zu wenig Zeit oder zu wenig Lust gehabt, um ein gleichbleibendes Niveau bieten zu können.
Schade eigentlich, denn schon allein aufgrund der beiden neu eingeführten Völker ist genügend Potenzial für mitreißende Missionen gegeben. Ja, richtig gelesen: Zwei zusätzliche Fraktionen mischen ab sofort bei den Konflikten in Mark of Chaos mit. Da wären einerseits die grünhäutigen Orks, die sich furchtlos auf jeden noch so stark wirkenden Gegner stürzen. Die im Nahkampf gefürchteten Schwarzorks sowie die aus der Distanz agierenden Speerwerfer sind gefährliche Widersacher im Kampf. Weniger grobschlächtig aber nicht minder tödlich gehen die Dunkelelfen zu Werke. Diese schicken Zauberkundige und Echsenritter in den Kampf, greifen oftmals zu perfiden Tricks. Ähnlich unterschiedlich präsentieren sich auch die entsprechenden Helden der beiden Fraktionen. Während der Orkanführer Gorbash mit einem riesigen Zweihänder die Köpfe seiner Gegner spaltet, greift die Hexe der Dunkelelfen auf hinterhältige Gedankenkontrolle zurück. Schon diese wenigen Beispiele machen deutlich, dass die beiden neuen Völker frischen Wind in Spielgeschehen bringen - vor allem in den nach wie vor unterhaltsamen Multiplayer-Partien. Zwar kommandiert man auch innerhalb der Solokampagne beide Fraktionen, doch das volle Potenzial entfalten diese erst im Netzwerk respektive dem Internet.

Beim Anblick dieser Horde wütender Orks sollten selbst erfahrene Strategen die Beine in die Hand nehmen.

Beobachte und lerneDie Kapitelüberschrift sollte man allen Entwickler von Black Hole Entertainment eigentlich an die Monitor heften - denn sie haben genau das nicht getan. Denn wenn doch, hätten sie aus den Fehlern des Hauptspiels gelernt und diese beseitigt. So ärgert man sich nach wie vor über die teilweise ziemlich dämlich agierende
KI. Diese marschiert beispielsweise auf dem Weg zu einem Helden mitten durch eine komplette Feindesgruppe und lässt sich ohne jede Gegenwehr abschlachten. Hinzu kommt die mäßige Wegfindung, die noch immer einige Probleme mit dem Gelände hat.
Apropos Gelände: An der Präsentation hat sich im Vergleich zum Hauptspiel ebenfalls so gut wie nichts verändert. Orks und Dunkelelfen wurden thematisch passend in Szene gesetzt und passen sich nahtlos ins bestehende Fantasy-Gefüge ein. Auch die Zaubereffekte machen nach wie vor einen guten Eindruck und sind stellenweise sehr beeindruckend. Dem gegenüber stehen allerdings die nach wie vor etwas hakeligen Animationen der Figuren sowie detailarme Boden- und Gebäudetexturen. Diesbezüglich war schon vor anderthalb Jahren Luft nach oben, was sich bis zum heutigen Tag natürlich nicht geändert hat - das Gegenteil ist der Fall. Seltsamerweise wurden die Systemanforderungen dennoch etwas nach oben geschraubt. Warum dem so ist, wissen wohl einzig und alleine nur die Entwickler.
19.06.2008 - 18:20 Uhr princenussi