Daedalic Entertainment konnte sich als Publisher von Ankh und Experience 112 bereits einen Namen im Adventure-Genre machen. Nun holen die Hamburger zum nächsten Streich aus und schicken euch in die Klapsmühle.
Selbstverständlich zu Unrecht, denn Edna, euer schwarzhaariges Alter Ego, fühlt sich pudelwohl. Ein wenig benommen vielleicht. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn man ohne Gedächtnis in der Gummizelle aufwacht. Wenigstens seid ihr nicht allein, denn Stoffhase Harvey steht euch mit Rat und Tat zur Seite. Das blaue Plüschknäuel gibt nämlich zu jedem Objekt seinen Senf dazu. Dabei hilft euch das freche Plappermaul, sowohl eure Erinnerung wiederzufinden als auch bei der Flucht aus dem Sanatorium. Anstaltsleiter Dr. Marcel ist natürlich alles andere als angetan von euren Ausbruchsbemühungen. Aber nicht nur seine Sorgfaltspflicht gegenüber den Patienten treibt den hinterhältigen Mann an. Offenbar will er auch ein paar geheime Machenschaften vertraulich behandelt wissen.

Die Grafik ist gewöhnungsbedürftig. Wer mit dem Comic-Look zurecht kommt, kann sich auf ein interessantes Adventure freuen.
Die Story verspricht also spannend zu werden und mit wachsender Begeisterung lege ich die DVD ins Laufwerk. Das 2D-Point&Click-Adventure verspricht Abenteuerspaß der alten Schule. Kein schnörkeliges User-Interface mit Laptop oder Notizbuch. Keine unnützen Innovationen, die alles nur komplizierter machen. Ein Inventar und ein paar Verben - mehr gibt es nicht, mehr braucht es nicht. Die LucasArts-Klassiker lassen grüßen. Knapp sieben GigaByte waren vor 20 Jahren allerdings nicht nötig, und je näher sich die fast halbstündige Installation dem Ende nähert, desto größer wird meine Vorfreude. Nachdem ich das Spiel gestartet habe, merke ich, mit welcher enormen Erwartungshaltung ich an Edna bricht aus herangegangen bin; nach den ersten Spielminuten macht sich Ernüchterung breit. Der Grund? Die Grafik!
Ich bin wirklich alles andere als ein Anhänger überzogener Effektorgien, aber mit dem präsentierten Stil kann ich mich überhaupt nicht anfreunden. Die dicken schwarzen Outlines, die krakelige Linienführung und der Mangel an Animation stoßen mich regelrecht ab. Man hat das Gefühl, als betrachtete man einen billigen Comic aus einer Tageszeitung. Alles wirkt statisch, im Augenblick verhaftet,

einfach langweilig. Die Charaktere sind gleichermaßen stark vereinfacht gehalten und dazu noch ziemlich hölzern animiert. Das ist wirklich schade, denn ein Großteil des Spiels verkörpert die Tugenden, die ein Adventure ausmachen. Allen voran die fantastischen Rätsel. Ihr müsst stets eure grauen Zellen bemühen, ohne dass euch willkürlich Steine in den Weg gelegt werden. Einfallsreichtum und Kreativität werden belohnt. So gilt es zum Beispiel euren schwatzhaften und arroganten Wächter in eine Abstellkammer zu locken, über den Dachsims zu entkommen, um ihn dann schließlich von der anderen Seite mit Hilfe einer selbstgebauten Vorrichtung einzuschließen. Wenn man es nach einigen erfolglosen Versuchen dann endlich schafft, stellt sich auch ein angenehmes Hochgefühl ein. Ihr braucht euch auch keine Sorgen zu machen, dass ihr durch falsche Entscheidungen frühzeitig euer Leben aushaucht. Wer Fehler begeht, wird lediglich ein paar Räume zurückgeworfen und kann ohne lästigen Ladevorgang weitermachen.

Auf dem stillen Örtchen, gibt es nicht viel zu tun.
Im Verlauf eurer Flucht trefft ihr auf zahlreiche Mitmenschen, die sich ebenfalls in psychiatrischer Behandlung befinden. Kurzum: ihr seid von Bekloppten umgeben. Bienenmann, Aluman, Juppi Juppsen und all die anderen Insassen haben den Aufenthalt in der Nervenheilanstalt wahrlich nötig, direkt komisch sind sie aber nicht. Leider sind alle Charaktere so überzeichnet, dass sie austauschbar werden. Die Dialoge verblassen so zur sinnfreien Suche nach dem nächsten Kalauer. Dabei werdet ihr selten in schallendes Gelächter ausbrechen. Den einen oder anderen Schmunzler ließ ich mir aber dennoch entlocken. Auch die umfangreichen Kommentare zu den Objekten sind teilweise ganz witzig. So findet Edna z.B. nach der Aufforderung, den Lichtschalter mitzunehmen, dass dies eine gute Idee wäre, da man ja dann schließlich überall Licht ins Dunkel bringen könnte. Bewundern muss man an dieser Stelle die Ausdauer und Vehemenz, die investiert wurde, um sicherzustellen, dass wirklich jede Aktion und jede Kombination der Gegenstände mit einer eindeutigen und passenden Bemerkung bedacht wird. Dabei offenbart sich allerdings ein Problem. Von der Furcht getrieben, ich könnte irgendeinen witzigen Spruch verpassen, kombiniere ich wahllos alles mit allem und komme nur langsam voran.

Unterhaltungen mit Insassen können durchaus komisch sein. Durchgeknallt sind sie alle.
Die vom beständigen Zupfen einer Basssaite beherrschte Musik und die störenden Ladepausen beim Raumwechsel verstärken den zähen Eindruck. An der Sprachausgabe hingegen gibt es nichts zu deuteln. Im Gegensatz zu ihrem schlichten Äußeren hat Edna nämlich eine sehr sympathische Stimme verpasst bekommen. Auch Harvey punktet mit einem reichen Repertoire an Lautäußerungen, wobei der Frottee-Geselle sowohl eloquente als auch anarchistische, narzisstische oder martialische Sprüche vom Stapel lässt. Wenn ihr genügend Ausdauer mitbringt, dann könnt ihr seine Anmerkungen auch lange Zeit genießen, denn das Spiel ist mit über 120 Räumen ziemlich umfangreich. In Kombination mit den kniffeligen Rätseln ist lange Spieldauer also garantiert.