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76
Hype it!
Release: PS3: 1. Quartal 2008
Status: Released
Plattformen: PS3
Publisher: Ubisoft
Entwickler: Free Radical
Genre: Shooter
Off. Seite: hazegame.uk.ubi.com
Fansite: keine Angabe

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20
Hype it!
Ich traue meinen müden Augen nicht. Kann das wahr sein? Ist das wirklich die ultraschnelle Playstation 3, diese gemeinhin als Bump-Map-Shading-Explosionsgewitterorgie bekannte Kiste, die eine neue Grafikgeneration einläuten sollte? Und diese schwarze Technikwalküre richtet in meinem TV-Schrank gerade ihre glühenden Schaltkreise zugrunde? Kann ich irgendwie nicht glauben. Oder ruht sie sich nur mal kurz aus? Gibt es vielleicht ein verstecktes Grafikmenü, in dem ich ein paar Schieberegler schubsen kann? Vergeblich. In der ersten Stunde Haze muss ich meine Augen mehrfach vom Geschehen abwenden, um mich zu vergewissern, dass da nicht aus Versehen die Vorgängerin läuft. Tut sie nicht. Es ist tatsächlich Sonys düsteres Kraftpaket, das mit Ratchet & Clank oder Uncharted seine technikverliebten Zähne fletschen ließ.

Dieser Dschnungel sieht landschaftlich nicht unbedingt hässlich aus, krankt aber an massiven Schwächen im Detail.

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Ich bin beileibe kein Fan ungezügelter 3D-Power, kann mich auch ohne Probleme mit weniger Details, weniger Effekten, einfach weniger
von allem abfinden. Aber was Ubisoft und Free Radical im Jahr 2008 mit Haze abliefern, riecht nicht nach Next-Gen; es müffelt stark nach einem gnadenlos überforderten Grafikmotor, der sich auf zwei Zylindern abquält. Ohne jetzt unnötig lange mit technischen Fakten zu hantieren, bleibt festzuhalten: das Bild, sämtliche Übergänge zwischen Objekten, einfach alles wirkt verwaschen und matt. Hinzu kommt die kraftlose Farbgebung, die jeden Schauplatz - egal ob Canyon, Fabrikhalle oder Urwald - mit einer blassen Bildpampe überzieht. Okay, es gibt ein paar nette Orte, die landschaftlich durchaus ansehnlich sind. Zum Beispiel der Dschungel, in dem die erste Mission startet. Aber auch hier müssen zunächst erstaunte Blicke dank starr animierter Vegetation, erkennbaren Übergängen zwischen Bodentexturen und sehr wenigen lebendigen Details schnell der Ernüchterung weichen. Kein Vergleich zum herrlich detailverliebten, in idyllische Dschungelabenteuer lockenden Crysis. Und dieses Niveau schlängelt sich wie eine Anakonda durchs ganze Spiel. Lediglich der in nächtlichen Nebelschwaden erstickende Sumpf mit seinen Baumstümpfen und Sträuchern, Echos und Lichtspielen kann eine leicht bedrückende Atmosphäre einfangen.

Einige Abschnitte zwängen euch in Fahrzeuge, mit denen ihr etwa durch grafisch biedere Canyons heizt.

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Immerhin gibt es keine Ladebildschirme. Am Ende jedes Abschnitts werdet ihr im Helikopter abgeholt, um zum nächsten Schauplatz zu gelangen. Diese Stellen nutzt Free Radical, um einen mühselig voranschleichenden Ladebalken mit Dialogen zu kaschieren. Das ist eine klasse Idee und würde wahrscheinlich auch funktionieren. Wenn es richtig gute Dialoge gäbe, die von einer straffen Regie zusammengehalten werden. Gibt's aber kaum. Stattdessen rauscht man schon nach wenigen Minuten mit dem prolligen Unterton der eigenen Kameraden zusammen. Der eine oder andere mag es lustig finden, wenn jemand "Scheißkeks und Achselschweiß" zum Mittag erwartet, wenn ein dummer Spruch auf den nächsten folgt. Aber diese aufgezwungene Lockerheit, die die Qualität der Dialoge zuweilen fast auf RTL2-Niveau befördert, sorgt bestenfalls für bemitleidendes Gelächter. Auch die Sprecher bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm. Zwar merkt man, dass hier Profis vors Mikro gezerrt wurden; aber kaum jemand von ihnen ist wirklich hervorzuheben. Sie machen einfach ihren Job. Manchmal ganz ordentlich, nicht selten jedoch auch sehr lethargisch oder gelangweilt. Immerhin erträgt man sie. Nicht mehr, nicht weniger.

Das ist besonders deswegen schade, weil der Hintergrund genug Stoff für eine spannende Kriegsparabel hergibt. In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft werden Schlachten mit Söldnern ausgefochten; im konkreten Fall ist das die Mantel Corporation, die einen Kampf gegen organisiert agierende Rebellen entfacht. Wegen des Nektars. Nein, die weltweiten Onkel Dittmeyer-Vorräte sind nicht in Gefahr. Es geht hier um eine ... nennen wir es die Realität verschleiernde Substanz, die die Söldner nicht nur schneller und widerstandsfähiger, sondern auch unempfindlich gegenüber den Schrecken des Krieges macht.
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