Sammlungen vollgepackt mit alten Klassikern sind bereits seit einiger Zeit sehr beliebt - zumindest bei den älteren Fans. Atari will ein Stück vom Kuchen des Erfolges abschneiden und schickt mit Namco Museum Remix ebenfalls eine Compilation ins Rennen.
Sind wir doch mal ehrlich: Natürlich erinnern sich vor allem ältere Spielefans an die schönen Stunden zurück, die sie vor vielen Jahren mit Klassikern wie Dig Dug, Pac Man oder Space Invaders verbracht haben. Schnell kommen Gefühle voller Nostalgie auf, gepaart mit kleinen Hasskanonaden in Richtung des heutigen Massenmarkts. Doch setzt man sich vor einen der besagten Klassiker, fällt schnell ein Schleier der Verklärung von den Augen; plötzlich sind die in Gedanken so geliebten Spieleperlen nicht mehr so hübsch und unterhaltsam wie gedacht. Warum dieses weitschweifende Vorwort? Weil genau dieses Gefühl der Ernüchterung auch bei Namco Museum Remix eintritt.

Kult hin oder her: Die Klassiker befriedigen lediglich Nostalgiebedürfnisse - mehr nicht.
Klassiker im neuen GewandDabei unternimmt Bandai Namco eigentlich durchaus einige Bemühungen, um euch eine möglichst gefällige Kombination aus Nostalgie und Moderne zu bieten. Auf der Wii-CD befinden sich insgesamt 14 Spiele - fünf davon im namengebenden Remix-Gewand. Genau diesem gilt zunächst unsere volle Aufmerksamkeit. Bei der besagten Remix-Version handelt es sich um grafisch aufgepeppte Variationen bereits bekannter Spielmechaniken aus alten Tagen. In all diesen Spielen schlüpft man in die Rolle des gelben Pillenfressers Pac Man und stellt sich verschiedenen Herausforderungen. In

Pac-Motos gilt es zum Beispiel, Gegner von einer Plattform zu schubsen, Power-Ups einzusammeln und gleichzeitig aufzupassen, dass man nicht selbst vom Spielfeld plumpst. Oder wie wäre es mit einer Runde Pac'n Roll, wo man sich durch im Stil von Irrgarten angelegte Levels rollt, Kugeln einsammelt (na, wem dämmert es?) und weitere Levels freischaltet? Die Remix-Spiele sind allesamt recht charmant inszeniert und machen zudem Gebrauch von der Wiimote-Steuerung. Diese kommt jedoch unterschiedlich intensiv zum Einsatz und hat stellenweise arg mit der Präzision zu kämpfen. Vor allem in den etwas hektischen Gator Panic-Partien (kennt man aus der Spielhalle) werden die Bewegungen nicht immer korrekt erkannt beziehungsweise gar nicht ausgeführt. Das ist ebenso frustrierend wie ärgerlich. Manchmal ist es eben besser, komplett auf die Wiimote zu verzichten, anstatt sie halbgar und zwanghaft in eine Spiel einzubauen.
So unterhaltsam einige der Remix-Titel auch sein mögen, sie können auf Dauer nicht vom mangelnden Tiefgang ablenken. Vor allem Solospieler haben sich schnell "satt gespielt" und verlangen nach mehr Abwechslung - vergeblich. Zum Glück gibt es einen Multiplayer-Modus für bis zu vier Teilnehmer, der fast jedem Spiel zu etwas mehr Pepp verhilft. Wenn man sich beispielsweise mit drei Freunden über eine Plattform schubst oder durch enge Gänge rollt, kommen Partylaune und Schadenfreude nicht zu kurz - wenn auch nur für eine gewisse Zeit. Mehr als besagten Partyspiel-Charakter haben die Remix-Titel nicht. Zudem weiß die Optik nicht wirklich zu gefallen. Zwar haben die Entwickler den Spielen ein 3D-Gewand mit einem gewissen Charme verpasst, doch insgesamt hinkt die Optik dem aktuellen Standard meilenweit hinterher. Detailarme Texturen, eckige Modelle und teilweise ärgert man sich sogar über Slowdowns - woraus diese auch immer resultieren mögen.

Im Multiplayer-Modus machen die Remix-Titel durchaus Spaß und sorgen für Schadenfreude.
Der Zahn der Zeit ist gnadenlos Knallharte Retro-Fans geben sich wahrscheinlich gar nicht erst mit dem Remix-Kram ab und stürzen sich stattdessen umgehend auf die anderen neun Spiele. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger bekannte Klassiker der Vergangenheit, die sowohl optisch als auch spieltechnisch im Originalzustand belassen wurden. So ballert man sich wahlweise durch das mittlerweile fast 20 Jahre alte Galaxian, buddelt sich in Dig Dug durch das Erdreich oder lässt im Arcade-Shooter Xevious die Rohre glühen. Mappy, Pac&Pal, Cutie-Q, Super Pac-Man, Gaplus und Pac-Mania runden das Angebot der Klassikersammlung ab. Nun, über den Inhalt der Spiele braucht man an dieser Stelle eigentlich nicht mehr allzu viel zu sagen. Da an der Spielmechanik nichts verändert wurde, stellt sich schnell das bekannte Gefühl beim Zocken ein. Das ist gleichzeitig Fluch und Segen für diese Compilation: Auch wenn einige der Titel zurecht Kultstatus genießen, können sie aktuellen Spielen in keiner Weise das Wasser reichen. Nur beinharte Fans halten sich länger als eine halbe Stunde mit den einzelnen Versionen auf, die sowohl grafisch als auch soundtechnisch so gut wie nichts zu bieten haben. Vor allem jüngere Spieler werden sicherlich die Nase rümpfen und die CD schnell wieder aus der Wii fischen.