Alexander Glup Der Ausflug in die fiktive russische Stadt Lasria gefiel mir, besonders die fordernden Bosskämpfe wussten das Actionspielerherz zu erfreuen. Leider gibt es dann doch einige Kleinigkeit wie die aufgesetzt wirkende Story und das stupide Gameplay, die eine Topwertung verhindern.
Die Jungs von Entwickler Digital Extreme konnten bereits mit Unreal Tournament 2004 und ihrem ersten eigenen großen Projekt, dem leider nur durchschnittlichen Pariah, Erfahrung sammeln. Mit Dark Sector möchte man nun den endgültigen Durchbruch im Shootersektor schaffen. Ob das Team mit dem beinharten Spielprinzip Erfolg hat?
In der russischen Großstadt Lasria wurde ein Virus freigesetzt, der die menschliche Bevölkerung zu Zombies mutieren ließ. Die Russen riegelten die Großstadt ab, um eine Epidemie zu verhindern. Wie es das Schicksal so möchte, gibt es genügend geisteskranke Individuen, die an einer Aussetzung der kleinen süßen Krankheitserreger großes Interesse hätten. Das dürft ihr natürlich nicht zulassen und der Held wird als Einzelkämpfer hinter feindlichen Linien abgesetzt - nicht ahnend, dass euer Arbeitgeber euch ein ganz anderen "Verwendungszweck" zukommen lassen wird. Und wie ihr vielleicht bereits vermutet, geht die Mission augenscheinlich in die Hose und ihr werdet mit dem todbringenden Erreger infiziert.
Da fliegt das Schwert und der Gegner ist im nächsten Moment einen Kopf kürzer.
Ein Virus, der normale Menschen zu Zombies mutieren lässt? Nicht ohne Grund erinnert die Storyline von Dark Sector an die bekannte Survival-Horror-Reihe von Capcom; und auch andere spielerische Features haben die Entwickler abgekupfert. Auch der Stil, in dem die Geschichte erzählt wird, erinnert stark an Resident Evil. Zum einen wäre da die Kameraführung in Zwischensequenzen. Sofern Charaktere in Dialogen in Szene gesetzt werden, bewegt sich die Linse nur langsam und beruhigend; in Actionszenen fliegt sie wild hin und her und bringt eine gehörige Portion Dynamik ins Geschehen. Zum anderen sind die Dialoge auf Coolness getrimmt, aber mitunter äußerst nichts sagend - was wunderbar zu den mysteriösen Charakteren passt. Klingt alles soweit gut, im Detail wirken die Dialoge aber eher aufgesetzt und mit Absicht zu mysteriös, so dass es schwer fällt, der wirren Story zu folgen. Als zusätzlicher Atmosphäretöter kommt noch die miese Synchronisation bei den Lippenbewegungen der Charaktere hinzu.
Dafür stimmt zumindest die Action: zu Beginn läuft der Held noch völlig uninfiziert mit Maschinengewehren, Shotguns und Pistolen durch die Gegend. Aber bereits im Prolog werdet ihr von einer infizierten Person angesteckt und der Virus nimmt langsam, aber sicher euren Körper in Besitz. Bevor ihr euch ins Nirwana verabschiedet... oder auch nicht! Dürft ihr euch noch durch die herunterkommende Stadt ballern? Oder
sollte man lieber "metzeln" sagen? Die Infizierung hat den hässlichen aber praktischen Nebeneffekt, dass ihr übernatürliche Kräfte und ein Schwert erhaltet. Letzteres ist nichts anderes als ein Diskus mit drei ziemlich scharfen Klingen, der - nachdem ihr ihn geworfen habt - wie ein Bumerang zu euch zurück kommt. Explizite Gewaltdarstellung gehört bei Dark Sector zur Tagesordnung; es handelt sich dabei aber nicht um perfide Verherrlichung wie bei The Club, sondern vielmehr um ein Stilelement, das das Horror-Feeling unterstreicht. Gezielte Würfe mit dem Schwert können auf Anhieb töten, meist verlieren die Gegner dabei sogar Beine, Arme oder fallen kopflos auf den dreckigen Boden. Zugegeben, das ist sicherlich nicht für zartere Spielernaturen geeignet. Die verliehenen übernatürlichen Fähigkeiten verleihen dem scharfen Gegenstand mit drei Klingen weitere Durchschlagskraft. Besitzt ihr zu Beginn erst mal nur die Möglichkeit, das Tötungsinstrument mit besonders viel Elan zu schleudern und Feinde mit einen Wurf zu töten, könnt ihr die Diskus später sogar mit dem rechten Stick direkt steuern und Gegner auch hinter Deckungsmöglichkeiten überraschen.
Die Infizierung hat aber nicht nur positive Effekte, denn neben der einstigen Schönheit wird euch auch die Fähigkeit entzogen, jede x-beliebge Waffe vom Boden aufzulesen. Die modernen Projektilwerfer von heute sind nämlich mit einem Sender ausgestattet, der das verseuchte Fleisch sofort erkennt und nach kurzer Zeit in die Luft geht. Woher also die Schießprügel beziehen? Auch hier haben die Entwickler in Richtung Resident Evil geschielt. In den Levels findet ihr regelmäßig Rubel, die ihr auf dem Schwarzmarkt - durch Gullideckel betreten - in hartes Metall umtauscht. Der illegale Shop gibt euch auch die Möglichkeit, eure Eisen zu pimpen. Mit Erweiterungen, die ebenfalls in der Landschaft verstreut liegen, verbessert ihr so die Größe des Magazins oder erhöht die Feuerrate.
Findet ihr eine etwas brennbares, dann entzündet doch einfach euer Schwert und äschert ein paar Gegner ein.
Wildes Drauflosballern mag bei den manchmal recht dümmlich agierenden Feinden viel Sinn haben, aber die Bossgegner lassen sich nicht so einfach abspeisen. Hier ist List und Tücke gefragt, denn es gilt herauszufinden, wo der Schwachpunkt der oberbösen Jungs und Mutanten liegt. Als Beispiel dient der Kampf gegen den zweiten Jackal - ein großes Roboterungetüm mit Raketenwerfer und Minigun. Mit normaler Pistole oder brachialer Shotgun kommt ihr hier nicht weit. Auf dem Kampfplatz steht aber ein Truck mit entflammbarer Ladung, ein gezielter Schuss bringt den Wagen zur Explosion. Mit dem entstanden Feuer wird das Schwert aufgeladen und gegen die schleimige Substanz geworfen, die uns den Weg zu einem Funken sprühenden Trafokasten öffnet. Hier wird schnell die scharfe Klinge aufgeladen und auf das rot leuchtende Auge des Riesen geworfen. Dann noch geschickt an dem Vieh vorbeigelaufen und den Piloten ausgeschaltet. Auch sonst gilt es hier und dort einige Denksportaufgaben zu lösen; unter anderem müssen Fackeln entzündet und Türen unter Strom gestellt werden. Die Rätsel sind zwar nicht allesamt so schwierig und herausfordernd wie die Bossgegner, aber benötigen schon ausreichend Aufmerksamkeit - denn manchmal verstecken sich Elemente an schwer erreichbaren Stellen.
Grau ist die Farbe, die in der russischen Stadt Lasria vorherrscht. Natürlich gab es im ehemaligen Ostblock nur eine geringe Auswahl an Farben und die billigen Wohnhäuser sowie öffentlichen Gebäude sind in der Regel nur langweilige Betonklötze gewesen. Aber ein paar Farbkleckse hätten sicherlich nicht geschadet. Immerhin kommt in den Außenabschnitten dank Himmel und Wasser etwas mehr Buntes hinzu. Einige Werbeschilder oder farbliche Tapeten wären nicht nur dem Auge, sondern auch der Abwechslung zugute gekommen. Ebenso trist und linear präsentiert sich das Leveldesign: die Kämpfe finden auf Hinterhöfen, in engen Gängen oder mit Kisten vollgestopften Räumen statt. Dabei beweisen die Entwickler zwischendurch immer wieder, dass sie durchaus in der Lage sind, schöne Schauplätze aus dem Hut zu zaubern. Sei dies nun die versiffte Kirche oder die klaustrophobische Enge des Krankenhauses.