Tiefer, schneller, breiter und fertig ist der Rennbolide für das illegale Straßenrennen. In Need for Speed: Underground sagt man sich von den Luxuskarossen ab und steigt auf Mittelklassewagen des normalen Lebens um. Um herauszufinden, ob Electronic Arts die Adoption des Kinofilms The Fast and the Furious gelungen ist, muss man als aller erstes alle Tuningteile entfernen und auf die Grundkarosserie schauen.
Illegale Straßenrennen und TuningteileFür den mittlerweile siebten Teil der mit Abstand erfolgreichsten Rennserie haben sich die Entwickler endlich wieder etwas Neues einfallen lassen. Weder dreht man seine Runden auf absteckten Pisten, noch fährt man auf Landstraßen Rennen gegen die Polizei. In Need for Speed: Underground ruht der Fokus auf den Straßenrennen. Spätestens seit dem Erfolg des Kinofilms The Fast and the Furious sind zahlreiche Entwicklerstudios auf das Thema dieser illegalen Rennen und des Tuning-Sektors aufmerksam geworden. Kein Wunder, dass in immer mehr Spielen aus dem Racing-Genre Tuningteile zum Einsatz kommen. Dementsprechend hoch ist die Messlatte für den neuesten Teil der Need for Speed Reihe. Wer erwartet, dass Electronic Arts nur einen einzigen Spielmodus parat hat, der wenig Abwechslung bietet, der wird von dem Einfallsreichtum der Entwickler überrascht sein.
Tuning-Fetischisten willkommenDer Anfang im Underground-Modus ist der Traum eines jeden Tuning-Fetischisten, denn mit einem erstklassig getunten Wagen rasen wir durch die Nacht einer Großstadt. Leider holt das Spiel einen sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, denn bevor man selber mit einem Fahrzeug der Oberklasse unsere Rennen absolvieren dürfen, müssen der Spieler mit einem Kleinwagen an den Start gehen. Doch nicht verzagen, sondern den Tuning-Champ fragen. Mit jedem Rennen verdienen wir uns hart das Geld,das wir sofort in neue Teile für unseren Rennboliden stecken, damit man auch in den kommenden Rennen als Sieger hervorgehen. Wer jetzt erwartet, dass man in dem Spiel lediglich auf bestimmten Strecken fährt, der wird überrascht sein, dass Need for Speed: Underground neben dem Modus Circuit noch zahlreiche weitere Spielemodi parat hält. Neben dem Free Run, auch bekannt als Trainingsrennen, kann der Spieler sein Können auch in Knock-Out-Rennen unter Beweis stellen. In diesem Modus scheiden an bestimmten Stellen immer mehr Wagen aus, bis am Ende der Gewinner feststeht. Eine erstklassige Neuheit sind die Drag-Rennen, denn hier werden dem Fahrer keine groben Fahrfehler zum Verhängnis, sondern nur das falsche Schalten. Damit man sich aber nicht auf sein Gehör oder auf den Drehzahlmesser verlassen muss, wurde eine optische Anzeige eingebaut, die dem Spieler den jeweils besten Schaltpunkt anzeigt. Wer glaubt, dass dieser Modus dadurch ziemlich einfach ist, der wird überrascht sein, wie schwer es doch ist exakt zu schalten und gleichzeitig auf die

Strecke und die drei Kontrahenten zu achten.
Innovative Spielemodi
Ebenso neu ist der Drift-Modus. In diesem liegt der Fokus nicht auf die Platzierungensondern auf dem richtigen Driften in den Kurven. Entscheidend dabei ist, dass man dabei Kupplung und Bremse richtig ausbalanciert, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Im Sprint-Modus war man leider nicht so einfallsreich, denn ein Unterschied zum Circuit-Modus ist fast nicht zu erkennen. Lediglich die Tatsache, dass nicht Runden, sondern eine Strecke gefahren wird, unterscheidet die beiden Modi. Die Streckenführung ist allgemein ein großes Manko am Spiel, denn durch die Tatsache, dass alle Rennen in der Nacht stattfinden hat man große Teile immer wieder eingebaut. Zwar ist dies ein optischer Nachteil, dennoch bringt dieser scheinbare
Nachteil auch einen Vorteil mit sich, denn sich wiederholende Teilstücke kann man sich besonders gut einprägen und dann bereits in der ersten Runde sicher durchfahren.
Keine Luxuskarossen, sondern Mittelklassewagen
Das Hauptaugenmerk im Spiel liegt natürlich auf den Wagen, die man in Need for Speed: Underground zur Verfügung gestellt bekommt. Durfte man in früheren Teilen der Reihe die teuersten und besten Wagen der Welt fahren, steigt man nun auf Mittelklassewagen um. Doch keineswegs ist dies minder spannend, denn ein getunter Golf kann auf jeden Fall optisch mit einem Ferrari mithalten. Während man am Anfang noch im Serienmodel seine Runden drehen muss, kann man durch gewonnene Rennen immer mehr Geld gewinnen und dieses in Tuningteile investieren. Natürlich gibt es nicht nur Ersatzteile, die die Leistung steigern, sondern auch optisches Zubehör von der Neonröhre bis zum Aufkleber für die Heckscheibe. Obwohl die Wagen alle im dreistelligen PS-Zahlenbereich liegen, sollte man nicht zu stark in der Kurve auf die Bremse treten. So schön ein Drift in einer Kurve auch aussehen mag, im normalen Rundenrennen führt er zu einem eklatanten Geschwindigkeitsverlust, der in den ersten Rennen zwar noch leicht aufzuholen ist, gegen Ende des Spiels jedoch den Sieg kosten kann. Die Steuerung der Rennboliden ist denkbar einfach und selbst für Anfänger kein Hindernis. In Bezug auf Profi-Spieler hat diese einfache Steuerung jedoch einen Nachteil, denn Besitzer eines Lenkrads können dies zwar im Spiel anwählen und mit diesem auch recht passabel fahren, jedoch ist es nicht mit der Umsetzung in anderen Rennspielen zu vergleichen. Schade ist, dass die Umsetzung im Spiel nicht so direkt ist wie bei den Vorgängern, denn man jagt mit einigen hundert Kilometern pro Stunde durch zum Teil dicht befahrene Straßen und hat nur wenig Zeit, um auszuweichen. Kollisionen sind aus diesem Grund leider vorprogrammiert. Zwar bekommt man dieses Problem mit einiger Übung in den Griff, dennoch hätte man sich bei der Programmierung deutlich mehr Mühe geben können, um den guten Eindruck abzurunden.
Der Aufstieg in den Olymp der Tuner
Das Gefühl der Geschwindigkeit wird im Spiel dadurch untermalt, das wie in dem Motorrad-Rennspiel Moto GP, die Sicht leicht verwischt dargestellt wird. In Verbindung mit dem erstklassigen Sound, der es sogar ermöglicht, dass man hört wie man an Straßenzügen, Autos und Fußgängern vorbeirauscht, wird in Need for Speed: Underground eine Soundkulisse geschaffen, die nahezu einzigartig ist. Kommen noch die passenden Musikstücke dazu, fühlt man sich in der Rolle des Straßenrennfahrers wohl. Zwar sollte man am Start das Gaspedal von Anfang an durchdrücken, um einen möglichst schnellen Start hinzulegen, jedoch ist es viel schöner das Gaspedal wippen zu lassen, um den satten Bass der Motoren erklingen zu lassen. Das Spiel ist der Traum eines jeden Hubraumfetischisten, der nicht das nötige Kleingeld hat, um seinen Wagen in den Olymp der Tuner zu bringen.
War man in den früheren Teilen enttäuscht, dass man nicht über eine Online-Plattform spielen konnte und lediglich in Netzwerkpartien gegen seine Freunde antreten konnte, ist dies bei Need for Speed: Underground leider genau andersrum. Electronic Arts setzt auf die Macht des Internets und lässt die Netzwerkspieler im Regen stehen. Zwar wird man dadurch gnädig gestimmt, dass man mit seinem selbst getunten Wagen im Online-Spiel Eindruck schinden kann, jedoch wird der Modus schnell langweilig, wenn man lediglich im Circuit-Modus seine Runden drehen darf.