Und noch ein Gehirntrainer, der um die Gunst der Käufer buhlt, und sich kaum von seinen Kollegen unterscheidet. Ein Reinfall ist Gamelofts Graue-Zellen-Hantel deswegen sicherlich nicht, aber es bleibt die Frage, wozu die Welt noch ein Programm dieser Art braucht.
Was hat uns Dr. Kawashima da nur angetan? Dank des berühmten
Nintendo DS- Knobelspiels meinen nun viele, sie würden durch das Spielen so genannter Gehirntrainer schlauer. Dabei wird man höchstens schneller und vermag solche Logikaufgaben in höherer Geschwindigkeit zu meistern. Aber das ist ja auch schonmal was, denn auch Schnelligkeit ist ein Faktor, der Intelligenz ausmacht. Schaut man auf die Evolution, so war es wahrscheinlich schon immer wichtiger, möglichst schnell zu kapieren, dass man sich in Gefahr befindet, als ausrechnen zu können, wie hoch die Überlebenschancen tatsächlich sind. Ob ihr dieses hochwissenschafliche Argument auch verwenden könnt, um den Kauf des X-ten Gehirntrainers vor eurem Lebenspartner zu legitimieren, sei mal dahingestellt.
Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass das freiwillige Foltern der grauen Zellen schwer in Mode zu kommen scheint. Schließlich hat man so auch eine plausible Erklärung für den Fall, wenn man mal in der Vorlesung mit einem
Nintendo DS erwischt wird, oder einen die hochnäsigen Kommilitonen als Daddelfreak entlarven. "Ach quatsch, ich spiele doch nicht, ich trainiere mein Gehirn." Allerdings sollte man das Super Mario-Modul in dem Fall lieber gut verstecken...

Für welchen Gehirntrainer ihr euch entscheidet, ist allerdings ziemlich zweitrangig, da alle auf ein sehr ähnliches Lernprinzip setzen. So auch Gehirntraining von Gameloft, das im englischsprachigen Raum als Brain Challenge bekannt ist, und von Ubisoft vertrieben wird. Wie seine Kollegen setzt auch dieses Modul auf einen Mix aus visuellen und kognitiven Logikaufgaben, die ohne viele Schnörkel präsentiert werden. In acht Kategorien könnt ihr dabei euer Aufnahmevermögen testen und durch wiederholtes Üben verbessern.
So sortiert ihr zum Beispiel einmal diverse Gegenstände nach ihrem Gewicht, wobei euch jedoch keine numerischen Angaben helfen, sondern nur die Gewichtsverhältnisse der unterschiedlichen Objekte zueinander. Ein Andermal müsst ihr in einem Wimpernschlag erkennen, welcher Ballon auf dem Screen am höchsten springt bzw. welcher als einziger von vielen eine andere Farbe hat. Auch eure Multitasking-Fähigkeiten werden hin und wieder strapaziert, wenn es z.B. gilt, gleichzeitig zu rechnen und auf dem oberen Screen kleine Autos vor dem Absturz zu retten.
Allerdings gibt es bei Gehirntraining nichts, was ihr nicht in abgewandelter Form auch bei anderen Vertretern dieses Sub-Genres finden könntet. Aufgaben wie das Lösen arithmetischer Rechenaufgaben, das Zuteilen geometrischer Formen oder das Erkennen von Folgen und kombinatorischer Logik sind jedenfalls nichts Neues. Auch die Eingabe der Lösungen über den Touchscreen überrascht nicht, wobei die Erkennung handschriftlich eingetragener Ziffern bei Gamelofts Gehirntrainer-Variante sicherlich nicht die Beste ist. Gerade mit den Zahlen 7 und 1 scheint es oft Probleme zu geben, selbst wenn man besonders deutlich schreibt. Leider fehlt eine Möglichkeit, die eigene Schrift analysieren zu lassen, bzw. Handschriftmuster zu speichern. Zudem gibt es nur sehr wenige Einstiegshilfen für die Aufgaben, so dass man manche erst nach ein paar Runden Trial & Error wirklich kapiert hat. Abgesehen von diesem minimalen Qualitätsunterschied gibt es jedoch so gut wie nichts zu berichten, was eine größere Ausführung rechtfertigen könnte.
Weder das minimalistische, leicht sterile Design, noch die grundsätzliche Aufteilung der Aufgaben in einfache Übungen und Stresstraining unter Zeitdruck können als Vor-oder Nachteil zur Konkurrenz gewertet werden, da alle Brain-Trainer versuchen, auf unnötigen Schnickschnack zu verzichten. Dementsprechend gleichgültig kann es euch sein, ob euch Dr. Kawachimas eckiges Konterfei im Menü entgegengrinst, oder eine ebenso nebensächliche fiktive Person in weißem Kittel. Somit stellt GameLofts Gehirntraining nur ein Produkt unter vielen dar, das nicht im geringsten herauszustechen vermag, aber deswegen auch nicht unbedingt schlecht ist. Wer eine Xbox 360 Zuhause angeschlossen hat, kann vor dem Kauf einfach mal in die Xbox-Live Arcade Demo hineinschnuppern, die eine sehr ähnliche Umsetzung ist, sofern man von der Joypad-Steuerung einmal absieht.