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9
Hype it!
Release: keine Angabe
Status: Released
Plattformen: NDS, Wii
Publisher: Atari
Entwickler: Atomic Planet Entertainment
Genre: Anderes
Off. Seite: atari.com
Fansite: keine Angabe

Vertikal-Mikado

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3
Hype it!
Der familiäre Brettspielabend, der noch in den Achtzigern und Neunzigern angesagt war, ist irgendwie aus der Mode gekommen. Mitunter weil Videospiele mit weit komplexeren Zusammenhängen bei vielen Jugendlichen einen festen Platz im Alltag eingenommen haben. Der Versuch, den Bock zum Gärtner zu machen, ist den klassischen Entwicklern von Gesellschaftsspielen aber bisher nicht geglückt, obwohl es schon seit 8-Bit Tagen unzählige Computer- und Videospiele-Adaptionen diverser Klassiker gibt. Am Bildschirm fehlt einfach die gesellige Stimmung und die Interaktion mit den Spielelementen. Genau aus diesem Grund ging ich mit einer gehörigen Portion Skepsis an den Test von Jenga World Tour für Wii heran.Schließlich geht es bei diesem Spiel darum, kleine Holzklötzchen, die zu einem Turm aufgestapelt wurden, zu bewegen, ohne dass die Konstruktion zusammenfällt. Ziel ist es, in jeder Runde einen Stein aus dem unteren Teil des Turms zu entwenden und auf der Spitze des Klötzchenbaus zu platzieren. Dafür ist natürlich viel Fingerspitzengefühl von Nöten, was Jenga gerade auf einem feucht-fröhlichen Familienabend zu einer nervlichen Zerreißprobe macht. Jedenfalls wenn man das Original spielt. Die Videospiel-Umsetzung kann leider in vielen Belangen einfach nicht mithalten. Zugegeben, ein wenig neugierig war ich sicherlich, denn ich wollte wissen, ob Atari die Kluft zwischen Bildschirmaktionen und physikalischer Fingerfertigkeit mit Hilfe der Wii-Remote überbrücken konnte. Dem ist jedoch leider ist nicht so.

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Die Grundregeln sind natürlich beibehalten worden. Egal ob ihr in der World Tour gegen eine Reihe immer stärker werdender Computergegner spielt, oder euch dem Time-Attack widmet, es geht immer darum, Klötzchen umzuverlegen und den Turm höher werden zu lassen, ohne ihn umzustoßen. Derjenige der das zittrige Händchen hatte, verliert. Die Steuerung ist an sich durchdacht und versucht euch die Klötzchenschieberei so gut es geht zu erleichtern. Per Wiimote und Nunchuck könnt ihr das Gebilde frei umrunden bzw. per Zeigefunktion eure Auswahl treffen. Das Antippen von Klötzen ist genauso möglich, wie das Festklammern zweier umliegender Steine. Obendrein visualisiert Jenga World Tour anhand von Farbmarkierungen, welche Fragmente beweglich sind und welche nicht. Allerdings nützt das alles nichts, wenn das Ziehen der Blöcke so bockig schwer ist, dass es euch beinahe in den Wahnsinn treibt.
Jenga ist ein Geduldsspiel, doch so viel Geduld wie ihr für die Wii-Fassung braucht, könnt ihr gar nicht aufbringen. Nicht nur, weil das Bewegen der Fragmente aus physikalischer Sicht ähnlich knifflig ist, wie bei der handfesten Version, sondern weil die Justierung der Richtung und der verwendeten Kräfte einem Glücksspiel gleicht. Um einen Block zu bewegen, sollt ihr ihn erst markieren und anschließend per Ausrichtung der Wii-Remote bestimmen, in welche Richtung ihr ihn zieht. Das funktioniert allerdings nicht analog. Stattdessen werden euch Winkel und Kraft über eine Linie zwischen Klotz und Cursor visualisiert. Ähnlich wie in der Realität nützt es natürlich nichts, wie wild am Holz zu reißen. Stattdessen führen meist sanfte Bewegungen zum Ziel. Um so ärgerlicher scheint es, dass der Cursor meist die Bewegung der Remote nicht richtig umsetzt. Ihr könnt drei Mal hintereinander die gleiche Bewegung ausführen und das Spiel wird sie jedes Mal anders interpretieren. Das macht es beinahe unmöglich, gezielt zu arbeiten. Speziell beim Versuch, einen gezogenen Stein auf der Spitze des Turms zu platzieren, ist man oft der Verzweiflung nahe. Mal muss man die Remote nur wenige Millimeter nach unten bewegen, um den Klotz aufliegen zu lassen, bei anderer Gelegenheit fuchtelt man dagegen planlos mit dem Arm in der Luft herum.

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Ein weiteres Problem besteht bei der Optik, denn Fernsehbild simuliert nur dann einen 3D-Effekt, wenn es in Bewegung ist. Da die Klötze bei Jenga World Tour jedoch in alle drei Dimensionen bewegt und durch Drehung der Wiimote auch gekippt werden können, führt ein falsch interpretierter Winkel oft zum Zusammensturz des Turms. Aus diesem Grund ist es unverständlich, warum Atari keine Nahaufnahme des zu bewegenden Steins mit vorgegebenen, festen Blickwinkeln anbietet. Mit ein paar optischen Hilfestellungen hätte man die Richtung des Blocks besser im Griff. Zwar könnt ihr mit der Kamera frei um den Turm herumfahren und auch näher heranzuzoomen, doch kommt ihr nie nah genug ran, um die Auswirkungen eurer Bewegung auch wirklich erkennen zu können. Meist registriert ihr einen ungeschickten Zug erst, wenn der Turm bereits am Fallen ist.

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Diese beiden Faktoren führen dazu, dass man sich meist selbst im Weg steht. Während der von der Konsole gesteuerte Kontrahent lässig Klötzchen verschiebt, werdet ihr ein ums andere Mal selbst die stabilsten Konstruktionen umstoßen, weil weder Steuerung noch Optik optimal sind. Daher werden selbst Zwei-Spieler-Partien unbeabsichtigt relativ kurz ausfallen und mehr Frust als Lust bereiten. Daran ändern selbst die unterschiedlichen Phantasie-Settings nichts, die sich freischalten lassen und sich auf die Physik eurer Steine sowie andere Regeln des Spielablaufs auswirken. Sicherlich mag die Grafik für Wii-Verhältnisse nett anzusehen sein und die Gameplay-Details waren gut gemeint, doch können weder Eisfragmente vor einem Gebirgszug, noch heiße Steine in vulkanischer Umgebung wirklich für Stimmung sorgen, wenn das Basisspiel schon nicht einwandfrei vonstatten geht.Einzig der Arcade-Modus, der solitär angegangen wird, fällt minimal besser aus, da in diesem mehrere dieser Eigenschaften über kurzweilige Power-Ups zum Einsatz kommen. Durch das Einfrieren von Blöcken oder eine witzige Telekinese-Funktion fällt das Umbauen des Turms zeitweise etwas leichter. Leider gibt es aber auch negative Extras wie Erdbeben, die euch den Spaß schnell wieder verderben.
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