Nervenzerreißende Spannung, dunkle Vorahnung, ständige Bedrohung und schleichender Wahnsinn sind die Zutaten eines jeden guten Horrortitels. Ob auch Penumbra: Black Plague euch eiskalte Schauer über den Rücken jagen kann?
Philip, ein dreißig Jahre alter Physiker, hat einen Fehler gemacht - einen schweren Fehler, der ihn sogar das Leben kosten könnte. Dabei fing doch alles so gut an. Ein Lebenszeichen vom lange tot geglaubten Vater war eingetroffen - ein handschriftlicher Brief; zweifellos echt. Wer hätte ahnen können, dass diese Spur in die Einöde Grönlands führen würde? Wer hätte den Schneesturm vorhersagen können, der ihn zu der schicksalhaften Luke führte? Aber es ist zu spät - der Krug ist zerbrochen, die Milch verschüttet. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Black Plague setzt da ein, wo Overture aufhörte.

Die Grafik wirkt zwar recht altbacken, erschafft aber durch den gekonnten Einsatz von Licht (und vor allem Schatten) eine schaurige Grundstimmung.
Ihr erwacht unsanft auf der total verdreckten Matratze eines zur Zelle umfunktionierten Büros. Euer Nachbar hat noch größere Probleme als ihr. Durch die Wand könnt ihr den armen Teufel um sein Leben betteln hören und vernehmt auch, dass er damit keinen Erfolg zu haben scheint. Seine Schreie sind euer Weckruf. Ihr müsst fliehen - raus aus diesem Gefängnis, raus aus diesem unterirdischen Komplex, in dem seltsame Dinge vorgehen und geheime Experimente durchgeführt werden. Auf eurer Flucht findet ihr Briefe, Notizen und Tonbänder - Zeugnisse des Grauens und gleichzeitig die einzige Hoffnung, euren Vater zu finden und diesen "The Shelter" genannten Katakomben zu entkommen. Dabei müsst ihr starke Nerven beweisen, denn wer der Eingangsempfehlung von Frictional Games folgt und das Spiel im Dunkeln zockt, der sollte sich besser auf viele gruselige Momente einstellen. Der real gewordene Albtraum manifestiert sich in Schritten, die hinter euch erklingen, unverkennbarem Gemurmel, das euch treibt und entfernten Schreien, die ihr nicht zuordnen könnt. Kaum hat man sich an die Soundkulisse gewöhnt, folgt der nächste Schockeffekt. Während ich den Schalter zu der großen Tür untersuche, die mir den Weg versperrt, rennt von der anderen Seite etwas mit voller Wucht dagegen. Mir schlägt das Herz bis zum Hals und ich bin mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob ich die Tür wirklich aufmachen will. Zum Glück finde ich eine andere, aber ich bin vorgewarnt und werde vorsichtiger. Jede Tür wird zum potentiellen Risiko, jeder neue Raum zur Herausforderung. Das Beste daran: Obwohl die Gefahr allgegenwärtig ist, bleibt sie subtil. Hier springen euch kein Dutzend Spinnen ins Gesicht und es liegen auch keine abgehackten Gliedmaßen in der Gegend herum. Penumbra versteht es mit den eigenen Ängsten zu spielen, ohne allzu oft konkret zu werden.

Gezockt wird aus der Ich-Perspektive und obwohl die Steuerung an eingängige Shooter angelehnt ist, geht man Feinden besser aus dem Weg. Wehren kann man sich ohnehin nur mehr schlecht als recht. Völlig unbewaffnet macht man sich in dunklen Ecken klein und hässlich, immer in der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden. Die Bedrohung umfasst aber nicht nur die seltenen Gegner, sondern auch miese Fallen wie einstürzende Schächte und an Sprengstoff gekoppelte Lichtschranken. Oft müsst ihr in solchen Fällen herumliegende Kisten stapeln oder aus Balken behelfsmäßige Brücken bauen. Diese könnt ihr mit der Maus bewegen, wobei die Physik-Engine die Schwerkraft simuliert und das Ergebnis ziemlich real wirkt. Ihr müsst also an der richtigen Stelle anpacken, um die Gegenstände in die richtige Position bugsieren zu können. Das wird teilweise auch ziemlich umständlich und ein wenig Geduld ist gefragt. Dass das Bild jedes Mal einfriert, wenn ich etwas betrachte und ich ein zweites Mal die Maustaste drücken muss, um mich wieder frei bewegen zu können, ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Ansonsten gibt sich die Steuerung keine Blößen. Das Inventar kann bequem über die Tabulator-Taste aufgerufen werden und auch das über die N-Taste zu erreichende Notizbuch wirft keine Fragen auf.

Der Tod kann hinter jeder Tür lauern.
Die Rätsel sind logisch und bestehen zu einem großen Teil aus dem Überbrücken von Hindernissen durch die richtige Positionierung und Anordnung der beweglichen Gegenstände. Das klingt zwar recht fad, ist aber von Situation zu Situation unterschiedlich und wird dadurch nicht langweilig. Dazu kommen ein paar Kombinations- und Schalterrätsel, wirkliche Kopfnüsse sind nicht dabei. Selbst in den (Alb)Traumsequenzen, in denen nicht klar ist, worum es eigentlich geht, bleiben die Puzzles dank ausreichender Hinweise stets lösbar. Grafisch kann Black Plague mit der Konkurrenz im Shooter-Genre nicht mithalten. Die Umgebung ist einfach gehalten und bietet nicht viel Abwechslung. Aber auch ohne Effektfeuerwerke kann das Spiel die Dramatik der Situation ansprechend rüberbringen. Stoßt ihr beispielsweise mit dem Kopf an eine von der Decke hängende Lampe, verändert sich der Schattenverlauf der Umgebung dynamisch und erweckt die dunklen Kammern bedrohlich zum Leben. Auch der Bewegungsunschärfefilter sorgt für Anspannung. Bewegt ihr die Maus schnell und hektisch, um euch vielleicht nach der urplötzlich auftauchenden Stimme umzudrehen, verschwimmt das Bild. Die Wirkung ist phänomenal und die Beklommenheit spürbar.

In den Albtraumsequenzen geht es mächtig surreal zu. Ihr schwimmt z.B. durch Blut und opfert tote Hunde.
Wenn ihr euch für längere Zeit in eine dunkle Ecke setzt, dann passen sich eure Augen an die Dunkelheit an und ihr könnt besser sehen. Allerdings solltet ihr tunlichst darauf achten, eure Feinde nicht zu fixieren, denn dadurch geratet ihr in Panik und verratet euch. Solltet ihr entdeckt werden, bleibt euch nur die Flucht, denn die Kämpfe gestalten sich schwierig und enden meist tödlich. Für das Genre des Survival-Horrors typisch, gibt es auch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sein Spielerleben auszuhauchen - Vorsicht ist also angesagt. Unangenehm fällt in diesem Zusammenhang die Speicherfunktion auf. Zwar sichert das Spiel automatisch an bestimmten Spielpunkten, aber manuelles Speichern zu jeder Zeit ist nicht möglich. Die Soundkulisse bietet das, was man von einem Horrorspiel erwarten kann. Schrille Töne durchdringen immer wieder die Stille. Auch getragene, bedrohliche Stücke gibt es zu vernehmen. Die Musik spielt sich aber nie in den Vordergrund, sondern untermauert lediglich das Geschehen auf dem Bildschirm. Die Sprachausgabe ist hervorragend, aber leider nur in Englisch.