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Hype it!
Release: XBox 360: Februar 2008
Status: Released
Plattformen: XBox 360
Publisher: Microsoft
Entwickler: Mist Walker
Genre: Rollenspiel
Off. Seite: keine Angabe
Fansite: keine Angabe

Lost Fantasy?! Final Odyssey?!

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Hype it!
Es war klar, dass ein Neustart nicht einfach werden würde. Hironobu Sakaguchi und einige wichtige Mitglieder seines Teams verließen 2001 die Softwareschmiede Square, um in der aus der Taufe gehobenen Firma Mistwalker einen Neubeginn zu wagen. Mit Schuld daran war sicherlich die Misere des Final Fantasy-Films, der hauptsächlich Sakaguchis Baby war. Aber auch die zunehmende Verwässerung des Final Fantasy RPG-Franchise, den er von Grund auf mitgestaltet hatte, dürfte ein Motivator für diese Umorientierung gewesen sein. Dank finanzieller Unterstützung von Microsoft nahm Mistwalker 2004 endlich die Arbeit auf, doch waren die Mittel natürlich weit begrenzter als damals bei Square. Das merkt man vor allem daran, dass die beiden großen Nippon- Rollenspiele Blue Dragon und Lost Odyssey zwar an sich ihre Erwartungen erfüllen, aber leider an Feinschliff vermissen lassen.

Wie sehr das ins Gewicht fallen kann, sieht man besonders bei Lost Odyssey, dessen Titel nicht zufällig eine ähnliche Phonetik wie Final Fantasy hat. Das komplette Spiel, sei es Grafikstil, Musik, Kampfsystem oder Storykern, wurde nach genau diesem Rezept geschaffen, das in den ersten neun Teilen der japanischen RPG-Serie entwickelt wurde - mit zwei gewaltigen Unterschieden. Erstens: Lost Odyssey ist deutlich ernster und erwachsener. Hier gibt es keine blauäugigen Jugendhelden, die ahnungslos in die Welt ziehen, um ihr Abenteuer zu erleben. Stattdessen lernen wir gezeichnete Helden kennen, die mit ihrem Schicksal ein schweres Los gezogen haben. Zweitens: Es macht spielerisch einen gewaltigen Sprung zurück ins Jahr 1987 und verzichtet somit auf jegliche Fortentwicklung, die Final Fantasy nach dem allerersten Teil errungen hat. Zu erwarten wäre also ein pompöses Unreal-Engine-3-RPG mit neuer Story und anderem Namen auf der Xbox 360, bei dem in Sachen Gameplay der Reset-Knopf betätigt wurde. Ich kann euch versichern, grundsätzlich stellt Lost Odyssey auch genau das dar.

Dank der UT Engine 3 überzeugen vor allem die Cut-Scenes mit vielen Details und schönen Animationen. Wenn auch bei weitem nicht durchgängig.

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Wer schon auf die Wertung geschielt hat, wird sich nun natürlich fragen, warum das Spiel nicht in der 90er-Region gelandet ist. Nun, das bedarf einer ausführlichen Erklärung und kann keinesfalls mit zwei Sätzen beantwortet werden. Es sind einfach zu viele ambivalente Faktoren, die dazu führen.

Final Odyssey

Schon beim Aufbau der Story scheiden sich die Geister, auch wenn die Rahmenhandlung letztendlich auf sehr bewährte Kost setzt. Ihr startet das Spiel mit Kaim Argonar, einem von fünf unsterblichen Kriegern, der sich als Söldner durchschlägt. Er ist schon tausend Jahre alt, doch er verlor vor rund drei Jahrzehnten sein Gedächtnis und irrt seitdem ziellos auf den Schlachtfeldern der Welt umher, um den Sinn seines Daseins und seine Erinnerung wiederzufinden. Wann seine Amnesie
einsetzte, weiß er natürlich nicht, doch ist es kein Zufall, dass er und drei andere Unsterbliche etwa zeitgleich mit der magisch-industriellen Revolution von diesem Gedächtnisschwund befallen wurden. Das wird ihm erst bewusst, als er die anderen Unsterblichen trifft und merkt, dass sein Leiden kein Einzelfall ist. Wie nicht anders bei einem J-RPG zu erwarten, entwickelt sich aus diesen Gegebenheiten ein riesiges Storykonstrukt, das zum Ende hin das Schicksal der ganzen Welt in Frage stellt.

Kaim ist unsterblich, hat aber sein Gedächtnis verloren.

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Seit diesem Ereignis hat sich in der Fantasywelt von Lost Odyssey einiges getan. Auch wenn niemand weiß, wie die Macht der Zauberei plötzlich entfesselt wurde, haben sich die drei großen Nationen Uhra, Numara und Gohtsa die "magische Energie" zunutze gemacht und ihre Gesellschaft darauf aufgebaut. So versorgen "magische Motoren" die Bewohner mit Energie, die nicht nur zum Betreiben von technischen Geräten verwendet wird, sondern auch den Alltagsgebrauch von Zauberei möglich macht. Vor allem der Staat Uhra macht erhebliche Fortschritte und konnte unter der Anweisung des großen Magiers Gongora den größten aller magischen Motoren fertig stellen: "Grand Staff", der große Stab. Da die Zauberei jüngst auch im Krieg verwendet wird, werden die Spannungen zwischen den Völkern aber immer größer. Und mit der Installation weiterer Grand Staffs spitzt sich die Situation weiter zu. Es riecht nach einem großen Krieg. Doch scheint ein Konflikt dieser Größenordnung nur einer einzigen Person wirklich von Nutzen zu sein....

Das klingt nach gewöhnlichem J-RPG-Stoff, der wie üblich auf das Maximum an Pathetik und schwarz-weißer Rollenverteilung aufgeblasen wurde und über viele Cutscenes sowie vorgerenderte Clips präsentiert wird. Der Schein trügt nicht, sofern man die Rahmenhandlung betrachtet, die sich übrigens ungeniert bei bekannten Fantasy-Stoffen wie Der Herr der Ringe, Highlander und weiteren Klassikern bedient, aber für J-RPG-Fans äußerst unterhaltsam ist. Der Stein des Anstoßes ist vielmehr die Darstellung der Nebenstränge.

In Lost Odyssey gibt es nicht nur tiefe Einblicke in Kaims Leben sondern auch in die Dekoltes seiner Gefährtinnen.

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Soweit sich Kaim zurückerinnern kann, wird er nämlich von Alpträumen seiner Vergangenheit heimgesucht, was sicherlich auch ein Grund für sein wortkarges und seelisch ausgemergeltes Erscheinen ist. Zudem trifft er im Laufe des Abenteuers immer wieder auf Personen und Ereignisse, die ein Déjà-vu-Erlebnis in ihm auslösen und eine vergessene Erinnerung zurückholen. Diese Rückblenden bekommt man als Spieler jedoch nicht in Form von Videos oder Cutscenes zu Gesicht, sondern als Text, der mit stimmungsvoller Musik und hörspielartigen Soundeffekten unterlegt wurde.

Ohne Lesen kein Spaß

Die sehr emotionalen, wenn auch oft etwas pathetischen Kurzgeschichten, die euch in Kaims vergessene Vergangenheit einführen, stammen aus der Feder des japanischen Schriftstellers Kiyoshi Shigematsu und beschreiben meist das Schicksal einer Person, die Kaim oder einer seiner unsterblichen Begleiter vor vielen Jahren einmal getroffen hat. In der Regel geht es um Einzelschicksale, die versuchen, mit einem philosophischen Touch auf das Thema "Leben und Tod" einzugehen. Wer auch sonst gerne mal ein Buch in die Hand nimmt und die Muße aufbringt, jede Geschichte zu lesen, bekommt somit ein sehr tiefgründiges Bild von Kaim und seinen Begleitern. Triefender Japano-Kitsch oder der altbekannte Holzhammer bleiben aber in der Mottenkiste. Dieses Rollenspiel vermittelt ein sehr ernstes Ambiente. Man möchte fast sagen, etwas für "reifere" Personen, auch wenn das sicherlich eine sehr ungerechte Eingrenzung wäre.

Der Punkt ist einfach folgender: Noch bevor ich auch nur ein Wort über das Gameplay fallen lassen kann, muss ich allen Lesemuffeln vom Kauf dieses RPGs abraten. Wer nicht die Geduld aufbringt, sich durch mehr als 30 aufwändig geschriebene, z.T. mehr als viertelstündige Erzählungen zu lesen, verpasst viele ergreifende Geschichten, bei denen man durchaus feststellen kann, wie nahe man wirklich am Wasser gebaut ist.
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