Zurück in die Zukunft! Geometry Wars: Galaxies beweist uns, dass man auch ohne komplexes Spielsystem und bildschirmfüllende Obermotze in High-End-Grafik jede Menge Ballerspaß haben kann. Erfahrt in unserem Test, warum sich die Anschaffung der Nintendo DS-Fassung sogar noch eher lohnt, als die Heimversion für Wii.
Irgendwie schön, zu sehen, dass es noch Spiele gibt, deren Sinn sich auf drei Seiten Spielanleitung festhalten lässt. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Geometry Wars: Retro Evolved ist jedenfalls ein moderner "Instant Classic", den Xbox 360-Jünger schon seit einiger Zeit genießen, obwohl der Titel inhaltlich gut und gerne aus dem Jahr 1982 stammen könnte. Das tut er ja im Grunde auch. Denn letztendlich bedient sich Geometry Wars in Sachen
Gameplay stark beim Arcade-Klassiker "Robotron 2084", bei dem man als kleines Männchen durch einen begrenzten Raum lief, um alle nach und nach auftauchenden Roboter-Fieslinge mit ein paar Salven aus der Laserkanone zu Altblech zu verarbeite. Der besondere Kniff dabei war der zweite Joystick, mit dem man in jede beliebige Richtung ballern konnte, während man mit dem ersten das Heldensprite nach allen Seiten bewegte.
Krieg der VektorenGeometry Wars funktioniert auf die gleiche Weise, nur dass weder Roboter noch irgendetwas Anderes auf dem Screen zu erkennen sind. Der Name des Spiels ist Programm, denn euer schießfreudiges Avatar ist nichts weiter als ein undefinierbares, geometrisch geformtes Etwas, und auch eure Gegner werden nur als Rauten, Kreise und andere vieleckige Objekte dargestellt, die in leuchtstarker Vektorgrafik verwirklich wurden. Trotz des suggerierten Weltraumthemas und vielen farbreichen Partikeleffekten braucht man also viel Fantasie, um in der abstrakten, zweidimensionalen Darstellung Raumschiffe oder etwas Anderes zu erkennen, doch tut das dem Spaß keinen Abbruch. Auch erübrigt sich dadurch eine Story, denn einem Krieg der Vektoren lässt sich wohl kaum eine spannende Erzählung unterjubeln. Braucht ja auch keiner, denn letztendlich geht es nur ums Ballern, und ein anderes Spielziel als eine möglichst beeindruckende Highscore zu erreichen, gibt es schließlich nicht.

Mensch, was ist denn hier auf dem Screen los? Ham' die denn alle kein Zuhause? (Wii)

Geometry Wars: Retro Evolved ist also dank des einfachen Rezepts ein sehr unkomplizierter Ballerspaß für den kleinen Zockerhunger. Allerdings steht uns mit Geometry Wars Galaxies ein offizieller Nachfolger ins Haus, der jüngst für Wii sowie
Nintendo DS erschienen ist, und ein Vollpreisprodukt darstellt, das für viele Stunden unterhalten

soll. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Jungs von Kuju Entertainment den Spielablauf etwas aufgeblasen und um ein paar Features erweitert.
Angefangen damit, dass es nun mehr als eine Spielumgebung gibt. Statt mit jedem Anlauf im selben rechteckigen Spielfeld zu landen, dürft ihr euch nun in einer Galaxiekarte diverse Planeten aussuchen, auf denen unterschiedliche Highscores zu erreichen und mannigfaltige Grundbedingungen anzutreffen sind. Gravierende Unterschiede zum Original-
Gameplay sind auf den ersten Blick aber nicht auszumachen. Nach wie vor sind die Spielfelder kaum größer als ein Screen, auch wenn es diesmal variable Größen gibt. Und bis auf eine leicht erweiterte Feindeschar mit neuen Verhaltensmustern scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Nun ja, nicht ganz, denn dieses Mal werdet ihr von einem kleinen Sidekick unterstützt, der kräftig mitballert oder sich als Schutzschild in die Bresche schlägt. Acht verschiedene Funktionen hat der kleine Helfer auf Lager, doch müsst ihr euch vor dem Levelstart für eine entscheiden. Zudem müsst ihr die diversen Verhaltensmuster eurer Drohne erst mal freischalten, womit wir zur zweiten großen Neuerung kommen: Den Geoms.
SammeltriebBallert ihr einen Gegner über den Haufen, so hinterlässt er nun ein Geom. Das ist ein kleines gelbes Symbol, das sich aufsammeln lässt und eine Art Währung darstellt, mit der ihr weitere Planeten sowie Funktionen für euren Sidekick freischalten könnt. Doch haben sie noch eine zweite Aufgabe, die sich sehr positiv auf das
Gameplay auswirkt, denn sie erhöhen den Punktemultiplikator. Sprich: Mit jedem eingesammelten Geom erhöht sich auch die Belohnung für abgeschossene Widersacher. Zumindest so lange ihr nicht eines eurer drei Leben durch Feindkontakt verliert, denn in diesem Fall wird der Multiplikator wieder auf Null gesetzt. Somit ist es deutlich leichter als beim Vorgänger, eine hohe Punktzahl zu erreichen. Jeder Gegnertyp spendiert euch unterschiedlich viele Geoms, und wer am Ball bleibt, kann im Handumdrehen eine Vervielfachung um den Faktor 50 oder höher erreichen, wobei das Maximum bei 150 liegt. Die anfangs exorbitant wirkenden Vorgaben von mehreren Millionen Punkten für das Lösen einer Spielstufe verwandeln sich somit in realistische Spielziele, die auch Einsteiger mit etwas Übung erreichen können. Kenner und Könner kommen dabei aber zum Glück nicht zu kurz: Zum Lösen einer Spielstufe müsst ihr lediglich das Bronze-Level erreichen, während sich die Cracks daran versuchen können, die Silber- oder Gold-Highscore zu knacken, die in der Regel um ein Vielfaches höher liegt.

Auch im Westentaschenformat wird geballert bis der Stylus glüht. (NDS)

Die Grenzen sind natürlich nach oben hin offen. Ihr kämpft so lange in einer Spielstufe, bis ihr alle eure Leben verloren habt. Wer das lange genug hinauszögern kann, wird auch die Gold-Highscore weit überbieten können. Der Schlagabtausch der Geometry Wars-Halbgötter findet dann nur noch über die implementierte Online-Highscore-Liste statt. Anfänger dümpeln dagegen gerade am Anfang durch jede Aufgabe, in der Hoffnung, die nötige Punktzahl zum Absolvieren des Levels zu erreichen. Nur in diesem Fall werden euch genug Bonus-Geoms spendiert, um die nächsten Planeten- und Sonnensysteme freischalten zu können. Je nach Kontostand könnt ihr diese aber in beliebiger Reihenfolge angehen, so dass ihr nie in einer Spielstufe festsitzen werdet. Das ist auch gut so, denn so mancher Planet weist einige fiese Fallen, wie bewegliche Hindernisse, Gravitationsstrudel oder besonders große, zu zerlegende Gegner auf, die euch das Vorankommen erschweren können. Auf anderen Himmelskörpern steht euch hingegen nur ein einziges Leben zur Verfügung, so dass ihr schon beim ersten Feindkontakt von vorne beginnen müsst. Sonst bleibt aber alles beim Alten. Waffenupgrades werden euch also wie üblich sporadisch spendiert, während drei Smart-Bombs als Notbremse dienen, wenn's mal auf dem Bildschirm zu voll wird. Gerade in diesem Bereich wäre viel Freiraum zum Aufwerten des Spielablaufs gewesen, doch hat sich Kuju Entertainment offenbar dazu entschieden, den Waffenbereich unangetastet zu lassen, um das Flair des Originals zu wahren.