"Durchgeladen und abgeschossen" lautete das Motto von Painkiller. Keine Kompromisse, nur knallharte Action ohne Pause verzückten zu damaliger Zeit die Spieler. Kann das gleiche Prinzip heute immer noch fesseln oder fällt es durch das engmaschige Raster? Wir verraten euch die Stärken und Schwächen des Nachfolgers im Test.
Die Mannen bei Valve haben vor einigen Jahren damit angefangen, ambitionierte Modprojekte unter ihre Fittiche zu nehmen. Letztlich eine gute Idee, denn Ausgaben für Projektplanung und Umsetzung fielen somit fast komplett flach, da Fans bereits die Vorarbeit geleistet haben. Der Erfolg gab dem Entwickler und Publisher aus Bellevue in Washington recht. Warum sollte es nun auch nicht bei anderen Spielen, Entwicklern und Publishern - neben Valve mit Blockbuster Half-Life - klappen? Die Antwort ist mehr als simpel: Fehlende Innovation und mangelnder Spielwitz.
Engel führen kein einfaches Leben, ständig müssen sie mit der Versuchung des Bösen leben. Belial ist eines dieser himmlischen Wesen, dem dieses Kunststück nicht gelang. Durch einige unglückliche Zufälle gerät der gefallene Flügelmann ins Gefängnis Luzifers und erleidet dort, im wahrsten Sinne des Wortes, Höllenqualen. Nebenbei werden auch seine hübschen weißen Flügel verstümmelt, so dass ein nettes Herumflattern in der Pampa der Höllendimensionen vorerst nicht mehr möglich ist. Außerdem stören ihn auch die flammenden Gitterstäbe beim täglichen Auf- und Abgehen in der mehr als kleinen Zelle. Durch eine "göttliche" Wendung kann sich der Gefallene jedoch aus seinen Fesseln befreien und möchte sich nun bei seinen Peinigern mit durchschlagender Waffenpower bedanken.

Wow, ist der groß! Viele Zwischengegner nehmen gerne den ganzen Bildschirm in Anspruch aber mit genug Waffenpower ist so ziemlich jedes gehörnte Wesen klein zu bekommen.

Das Spielprinzip hat sich zum indirekten Vorgänger kaum verändert. Betrete ihr einen Raum oder ein Außenreal, erheben sich um euch

herum zahlreiche fiese Spießgesellen, die euch ans Leder wollen. Ihr sammelt Waffen und Munition ein und kurz darauf spuckt eure Wumme die kleinen Todbringer aus. Früher oder später sind alle Feinde erlegt, eine Tür zum nächsten Levelabschnitt öffnet sich und der oben beschriebene Waffentanz beginnt von vorn.
"Wo bleibt da die Abwechslung?", mag der eine oder andere von euch berechtigterweise fragen. Eine Antwort werdet ihr nur schwer finden können, denn mehr als dumpfe Massenkeilereien mit gefährlichen Wummen bietet gehirnlose Actionkost wie Painkiller leider nicht. Rätsel oder gar eine wirklich interessante Story könnt ihr mit der Lupe suchen. Obwohl das Intro einige Anreize bietet, wird auf den durchaus interessanten Hintergrund nicht mehr weiter eingegangen.
Vielleicht findet sich die Abwechslung ja im Detail? Und tatsächlich: Einige Sachen fördern durchaus den Spielspaß. Das Sortiment an Waffen ist erstaunlich, viele davon könnten dem Zweck dienen, der Fernsehsendung "Schöner Wohnen" etwas mehr Pepp einzutrichtern. Der Dämonenschädel - die Anfangswaffe - wäre zum Beispiel nicht nur ein schöner Staubfänger, sondern könnte dank des üblen Mundgeruchs, der selbst riesige Gegner in wenigen Sekunden zu Fall bringt, die böse Schwiegermutter vertreiben. Mit der Armbrust werden unliebsame Staubsaugervertreter einfach an die Wand geheftet und das abgebrochene Schwert eignet sich wunderbar als Kochlöffel für diverse Suppen.
Natürlich ist eine derartige Anwendung nicht sonderlich sinnig. Stellt euch nur den Schweinkram vor, der bei diesen Anwendungen entstehen könnte - überkochte Suppe! Wer wischt das alles weg?
Zum Glück stehen hierfür die 40 verschiedenen Gegnertypen gerade, deren Gestalten und Aussehen von erschreckend bis lächerlich reichen. Hier geben sich japanische Samurais mit riesigen gebogenen Schwertern und verstümmelte Soldaten in abgefahrenen Uniformen die Klinke in die Hand. Während diese Bösewichter aber noch im handlichen Format ihr Unwesen treiben und mit ein bis zwei Schüssen aus der Shotgun erledigt sind, gibt es auch Bildschirm füllende Dämonen, die wesentlich mehr aushalten als ihre vergleichsweise winzigen Kumpanen. List, Tücke und Gehirnschmalz braucht ihr an diesen Stellen nicht; mit genug Munition und ein wenig Fingerakrobatik, um den mächtigen Projektilen auszuweichen, ist so ziemlich jeder Gegner kleinzukriegen.

Das Gegnerdesign ist abegfahren und regt zum gelegentlichen schmunzeln an.

Overdose wurde als
Mod zu Painkiller geboren, entsprechend setzen die Entwickler auf die drei Jahre (ur)alte Grafikengine. Natürlich wurde sie hier und dort etwas aufgebohrt, aber bereits damals wirkten vor allem die Texturen und Details nicht mehr ganz taufrisch. Somit fällt der heutige Eindruck deutlich schwächer aus: Verwaschene Texturen und teilweise detailarme Abschnitte bestimmten das Spielgeschehen.
Hintergrundkulisse und Sounds präsentieren sich ebenfalls etwas mau und bringen wenig Atmosphäre aus den Lautsprechern. Die Musik überzeugt mit deftigen Tönen und orientiert sich hierbei am Vorgänger mit seinen Heavy Metal-Klängen.
Im Mehrspielermodus treten bis zu 16 Spieler gegeneinander an. Mit acht
Modi ist dieser Part äußerst üppig ausgefallen, die Zahl relativiert sich aber, weil es sich hauptsächlich um verschiedene
Deathmatch-Varianten handelt. Die zwölf Maps sind dafür aber schön und fair gestaltet. Als zusätzliches Feature ist es möglich, auch gegen Besitzer des Ur-Painkiller anzutreten, die den Nachfolger Overdose nicht besitzen - Kompatibilität sei Dank.