Der erste Teil sucht bis heute seinesgleichen, der zweite war zwar etwas schwächer auf der Brust, konnte die Fans aber trotz allem entzücken. Schafft nun auch der Dritte im Bunde dieses Wunder?
War es damals nicht schön? Als Echtzeitstrategiespiele noch eine Story hatten, sich auf historische Fakten beriefen oder tolle Handlungsbögen vorweisen konnten? Als ihr mit den Figuren gezittert habt und spannende Missionsziele erfüllen musstet? Armeen mit einer Vergangenheit in die Schlacht geführt und glorreiche Siege errungen habt? Diese wunderschöne Vergangenheit ist vorbei, zumindest in der Empire Earth-Reihe. Story? Wer braucht die schon! Historische Hintergründe? Ist doch nur was für Geschichtsfanatiker! Glorreiche Siege? Ist ohne Anspruch wohl kaum zu bewerkstelligen! Empire Earth III räumt auf mit den positiven Spielinhalten.
"Früher war alles besser!" - denn "früher" gab es weit mehr als zehn spielbare Völker mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Heute dürft ihr nur zwischen drei Fraktionen wählen. Sumerer, Babylonier oder gar Trojaner sind Traumtänzer "früherer" Tage. Stattdessen stehen "Der Westen", der "Mittlere Osten" und "Fernost" zur Auswahl. Alle Fraktionen haben ihre Stärken und Schwächen, die sich aber nur allzu typisch äußern. Der "Westen" setzt auf schweres Geschütz in Form von High-Tech, diese Bauweise verschlingt allerdings eine nicht zu verachtende Anzahl an Ressourcen. Der "Mittlere Osten" setzt auf Tarnung, hat mobile Gebäude und hinterhältige Einheiten, während man sich bei "Fernost" das Motto "Masse statt Klasse" auf die Fahnen geschrieben hat. So weit, so einschläfernd - Innovation ist ein Fremdwort, das im Wortschatz von Mad Doc Software anscheinend noch nicht einmal mit einer Lupe zu finden ist.

Treffen der Generationen. Pfeil und Bogen gegen Stahl, wer mag hier wohl gewinnen?

Vielleicht findet sich ja die Rettung auf dem Schlachtfeld. "Früher", da ist wieder dieses Wort, mit dem so viel Schönes verbunden ist, gab es noch abwechslungsreiche und hintergründige Missionen voll mit knisternder Spannung und taktischem Anspruch. In Empire Earth III ist davon nicht mehr viel zu sehen. Außer "Vernichte alle Gegner" gibt es nur noch ab und zu immer gleiche Nebenaufgaben - zum Beispiel "Rette die holde Prinzessin aus den Klauen eines anderen Stammes". Es ist wirklich verwunderlich, wie viele Eingeborenen-Stämme auf die Idee kommen, die Jungfrauen anderer Völker zu entführen.
Intelligenz, taktische Finesse und geschicktes Umgehen von Verteidigungsanlagen sind all die Merkmale, die der künstlichen Intelligenz fehlen. "Früher" hatte zwar das eine oder andere Strategiespiel ähnliche Probleme, aber in Zuge des Fortschritts der Computerspiele-Industrie - gerade im Sektor der künstlichen Intelligenz - sollte man doch meinen, dass größere Aussetzer der Vergangenheit angehören. Leider hat die Zukunft bei Mad Doc Software noch nicht Einzug gehalten. Das Pathfinding ist für die Katz und kann getrost in die Tonne getreten werden - viel zu oft bleiben die eigenen Truppen an Ecken und Kanten hängen. Noch schlimmer sieht es bei der Cleverness der Feinde aus: Mehr als "Ich baue ein bis zwei Gebäude und dazu noch eine Hand voll Einheiten" ist nicht drin. Gegenwehr ist ein Fremdwort. Sollte tatsächlich ein Angriff zustande kommen, ist dieser meist völlig ungefährlich und kann mit einer geringen Anzahl eigener Truppen zurückgeschlagen werden.

In Reih und Glied bewegen sich die Einheiten gen Gegner, eine gute Sortierung sorgt dafür, dass an der Spitze die stark gepanzerten sowie berittenen Einheiten und hinten die schweren Katapulte stehen. Sobald der Kampf ausbricht, spielt eine anständige Reihenfolge aber keine großartige Rolle mehr, denn Feind und Freund vermischen sich zu einem kaum durchschaubaren Knäuel. Da hilft auch das Schere-Stein-Papier-Prinzip recht wenig. Denn die einzelnen Einheiten sind nur schwierig herauszupicken - da eh kaum Gegenwehr durch den Computerspieler vorhanden ist, erweist sich dieses Problem als nicht weiter schlimm. Im Mehrspielermodus kann eine schlechte Übersicht aber für den schnellen Tod sorgen.
Die Verschlackung hat auch vor dem Ressourcen-Management nicht Halt gemacht und streicht die vormals zahlreichen Rohstoffe auf drei Arten zusammen. Wurden "früher" Holz, Stein, Gold etc. abgebaut, gibt es heute nur noch Material, Wohlstand und Forschung. Das Bevölkerungslimit gibt vor, wie viele Truppen auf dem Bildschirm wuseln dürfen, mit Hilfe von Häusern wird die maximale Anzahl erhöht.
Ziel ist es, anhand der drei Rohstoffe möglichst schnell vom Altertum in die futuristische Welt aufzusteigen, um Mechs und High-Tech-Panzer in die Schlacht zu werfen. Gab es "früher" noch sehr viele Epochen, wurde die Anzahl in Empire Earth III auf fünf Zeitabschnitte zusammengestaucht. Sehr schade, denn gerade im Skirmish-Modus erreicht ihr den letzten Technologieschritt viel zu schnell.
Die Kampagne schickt euch nicht mehr starr von Mission zu Mission, das Spielprinzip erinnert nun stark an das bekannte Brettspiel "Risiko". Spontan mag dem einen oder anderen unter euch einfallen: "Tolle Idee!". Leider scheitert es aber an der finalen Umsetzung. Viele Features, die diese Art von Kampagne unterstützt, fallen einfach unter den Tisch. Es gibt keine einfallsreichen Missionen und auch Zufallsereignisse werden schmerzlich vermisst. Darüber können auch augenscheinliche Aufgaben wie "Nimm Land XYZ in einer vorgegeben Rundenzeit ein" nicht hinwegtäuschen. Hier hätte man sich lieber ein Beispiel an Medieval nehmen sollen, wo ihr immer wieder durch zufällige Ereignisse überrascht werdet und euch historische Missionen erwarten.

Die Weltkarte erinnert an die UFO-Reihe, aber ihr führt ganz weltliche Kriege.

Knallig bunt und im Comiclook versucht euch die Grafikengine in den Bann zu ziehen. Welcher Fan möchte nun auch noch den "früheren" und deutlich schöneren Look der Vorgängertitel wieder auf seinem heimischen Bildschirm begrüßen wollen? Grundsätzlich sieht Empire Earth III nicht unbedingt hässlich aus, zumindest in den ersten Spielminuten. Sobald aber circa 30 davon vergangen sind, verabschiedet sich der Arbeitsspeicher und sagt: "Ich habe keine Lust mehr und bin voll". Das schlaue Spiel gibt euch eine kurze Warnmeldung, die verkündet, dass der Arbeitsspeicher komplett zugemüllt wurde und schaltet auf eine Nummer hässlicher. Texturen werden matschig, Animationen hölzern und überhaupt versprüht das Spiel keinen Funken Charme mehr. Da stellt sich doch spontan die Frage: "Warum laufen Grafikungeheuer wie Rainbow Six Vegas oder auch UT 3 völlig flüssig, während das recht moderate Empire Earth III mit dem vorgegebenen Speicher nicht zurecht kommt?" Eine Antwort auf diese Frage wird uns der Entwickler wohl schuldig bleiben.
Zum schlechten Gesamtbild gesellt sich auch noch eine selten dämliche Sprachausgabe hinzu. Anstatt sich die Figuren mit einem zackigen "Ja, Sir!" oder "Ich bin auf dem Weg!" melden - wie man es von Strategiespielen gewohnt ist - geben die Einheiten dümmliche Kommentare von sich. Dies mag zwar den einen oder anderen unter euch erheitern, aber spätestens nach zwei bis drei Stunden ist es nicht nur total öde, sondern geht euch auch ziemlich auf die Nerven.

Bang, Boom, Bang - schillernde Farben aber nur solang bis der Speicher voll ist.

Im Mehrspielermodus tretet ihr gegen bis zu sieben Gegenspieler an, besondere Spielmodi gibt es keine. Dafür sind die Maps gerecht entworfen, was aber keine sonderlich große Rolle spielt. Denn jedes Gefecht zwischen menschlichen Kontrahenten läuft ziemlich gleich ab: Basis bauen, Rohstoffe sichern, Ressourcen für Aufstieg in die Zukunft benutzen, Einheiten horten. Und wer zuerst fertig ist, hat gewonnen. Weit weg von "früheren" Mehrspielerpartien der beiden Vorgänger, in denen hauptsächlich ausgebuffte Taktiken eine Rolle gespielt haben.