Auf deutschen Wasserstraßen gilt ähnliches wie auf den betonierten - wer zu schnell unterwegs ist, wird bestrafft. Welch Glück, dass Publisher wie EA mit Spielen wie NFS dem Drang nach Geschwindigkeit nachkommen, doch was tun hiesige Skipper, wenn sie mal richtig die Bootsschrauben rotieren lassen wollen? Hier springt Aquadelic GT in die Presche.
Zunächst lässt schon eine Zahl während des Installationsprozesses Schlimmes erwarten - 1 Gigabyte. So viel Platz verlangt Aquadelic GT von der Festplatte für eine Vollinstallation. Und tatsächlich, nehmt ihr den Datenträger aus dem Laufwerk, wird euch ein aus früheren Tagen bekannter Schriftzug entgegenleuchten - Compact Disc.
Im ersten Menü hält sich die böse Vorahnung. Bevor ihr euer Profil anlegt, könnt ihr getrost die Maus beiseite schieben, sie wird im weiteren Verlauf nicht mehr benötigt. Dann sucht ihr euch eins von ganzen fünf äußert verwaschenen Konterfeis aus, mit dem ihr euch am ehesten identifizieren könnt, gebt dem Kind einen Namen und dann ab ins Renngeschehen. Im schnellen Rennen werden euch alle Entscheidungen hinsichtlich Strecke und Boot abgenommen und ihr werdet direkt aufs Wasser geschickt. Nach ein bis zwei Ründchen habt ihr den Bogen raus und seid bereit für mehr, eine Karriere in der Aquadelic GT wird anvisiert.

Der Tunnelblick-Effekt ist bei niedrigen Geschwindigkeit etwas übertrieben - aber dennoch gelungen.
Zu Beginn eurer Laufbahn hockt ihr auf einem Kahn, um den euch nicht mal Popeye beneiden würde, und schwingt in den Wogen eines Flusses irgendwo in der russischen Pampa geschmeidig auf und ab. An dieser Stelle scheinen alle schlechten Eindrücke des Spiels wie weggeschlagen. Eine milde Brise treibt kleine feine Wellen über die leicht trübe Wasseroberfläche. Das gleißende Sonnenlicht glitzert auf den Scheiteln der Wellen, wird funkelnd reflektiert und in tausend Strahlen in alle Richtungen geworfen. Der blaue Himmel ist von Kumuluswolken gesäumt, in der Ferne erhascht das Auge mit Wäldern bedeckte Berge. Auf den ersten Blick ist die Optik des Spiels ein zart geflüstertes Kompliment an das Sehzentrum. Wechselt ihr die Kamera auf die Vogelperspektive, erlebt ihr noch mehr des absolut traumhaft strukturierten Wassers, vor allem im Mittelmeer und in der Karibik sind Schattierungen, Sandbänke und Äquivalentes wunderbar eingefangen. Am liebsten möchte man den Photoapparat herausholen, ein paar Aufnahmen knipsen, um sie als Urlaubsbilder zu proklamieren und damit vor Bekannten zu prahlen.

Das Wasserflugzeug kommt an zwei Passagen zum Einsatz. Die Steuerung ist allerdings so präzise wie eine Zwei-Wochen- Wettervorhersage.
Von der graphischen Pracht beglückt, wird der Gashebel nach vorn bewegt, um mehr von der Natur zu erfahren. Knatternd nimmt das Boot Fahrt auf und das verdrängte Wasser formt sich zu einer kleinen Bugwelle. Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Objekte fällt auf, dass nicht überall auf solch große Detailverliebtheit gesetzte wurde, wie bei der Gestaltung des kühlen Nasses. Euer Avatar sitzt steif hinterm Ruder und ohne jede Regung nimmt er Überschläge, Sprünge oder scharf geschnittene Kurven zur Kenntnis. Die Boote, vor allem die
NPC-Boote, könnten ein paar weniger eckige Formen und mehr Einzelheiten vertragen.
Von der stümperhaften Gestaltung graphischer Details auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, entdeckt ihr eine Minimap in der linken

unteren Bildschirmecke, welche euch zu den Rennen, Trockendocks, Sponsoren und anderen Sehenswürdigkeiten der Umgebung führt - NFS Underground lässt grüßen. Zieht ihr den PDA, welcher stark an ein kürzlich von Apple veröffentlichtes Handy erinnert, aus der Tasche, könnt ihr alle wichtigen Informationen zur Umgebung, zum Spielstand und E-Mails der Sponsoren usw. abrufen. Als Jukebox spuckt der PDA alle Musikstücke aus. Passend zum karibischen, mediterranen oder slawischen Ambiente präsentiert sich der Soundtrack als weiterer Glanzpunkt. Mir unbekannte, aber lizenzierte Künstler spendierten Aquadelic GT ein stimmiges musikalisches Spektrum. Von rockig über latino-temperamentvoll bis "loungig" ist für jedermanns Ohr etwas dabei.

Azurbalues Meer und entlegene Inseln gilt es, in der Karibik zu genießen. Die Wasserspiegelungen sind ebenfalls ganz phantastisch.
Zwanzig lumpige Dollar, das reicht nicht mal für neue Köder, doch mehr gibt eure Kasse zu Beginn nicht her. Geld wird in Aquadelic GT auf drei Wege verdient: Erstens durch erfolgreiches Abschließen von Rennen, zweitens durch Taxi-Fahrten und drittens mit dem Abwurf von Überlebenspaketen aus dem Flugzeug. Auf jeder der acht Karten finden sich ein oder mehrere Taxistände, an denen Fahrgäste auf euch warten. Für eine einfache Tour flattern schon mal 250 Dollar ins Portemonnaie. Verlangt es der Kunde, und das tut er immer, könnt ihr mit Sprüngen über Rampen Extra-Taler dazu verdienen. Zu unermesslichen Reichtümern gelangt ihr so aber nicht, also geht es ab zum ersten Rennen. Fahnen auf der Map kennzeichnen die Treffpunkte der Speedbootszene, hier starten die Wettkämpfe. Dabei ist es völlig unerheblich, welche der Fahnen ihr ansteuert, alle in einer Umgebung verfügbaren Rennen können von jeder Fahne aus begonnen werden.

Langweilig und überflüssig sind die Ausflüge mit den sehr lahmen Segelyachten, bei denen ihr Schätze in Form von Münzen einsammeln könnt.
Schon nach den ersten Metern des Rennens werdet ihr bemerken, dass euer getreues Schiff nicht mit den anderen mithalten kann. Wehleidig röchelt der Motor bei voller Fahrt aus dem Heck. Doch Rettung ist bereits in Gestalt von roten Nitro- und gelben Power-Up-Kisten in Sicht. Diese dümpeln etwas abseits der Idealline und halten Explosives in Form von Seeminen, -Bomben, Torpedos und Fröschen bereit. Losgelassen suchen sich die grünen Amphibien den nächstplatzierten Gegner und explodieren in seiner Nähe - sehr effektiv. Natürlich können auch die Kontrahenten Power-Ups einsammeln und gebrauchen. Das tun sie teilweise sehr exzessiv, was sehr frustrierend sein kann. Steckt ihr mitten im Positionskampf des Hauptfeldes, kann es passieren, dass zwei bis drei Attacken direkt aufeinander folgen, euer Boot manövrierunfähig durch die Luft wirbelt und wertvolle Sekunden verstreichen, bis ihr wieder Kurs nehmen dürft. Schafft es nun der Erstplatzierte, sich ein wenig abzusetzen, ist es selbst mit Hilfe des Nitros, der vielen Überholmöglichkeiten auf den schmalen Strecken zwischen kleinen Inseln mit engen Kehren und Highspeed-Abschnitten, kaum möglich, ihn einzuholen.
Hie und da bietet eine Rampe ihre Dienste für kleine Flugeinlagen an, diese werden auch prompt in Slow-Mo und aus unterschiedlichen Blickwinkeln präsentiert. Richtig anspruchsvoll ist keiner der Kurse, nur selten müsst ihr das Gas drosseln, um alle Kurven zu meistern. Mit sanft dosierten Lenkeinschlägen meistert ihr jede noch so knappe Ecke. Es sei denn, ihr habt beim Katamaran aufgesattelt. Bockig und störrisch galoppiert er auf die eine Kehre zu, um sich bei zu abrupter Lenkbewegung sofort zu überschlagen. Ihn zu bändigen und eine Runde komplett ohne Korkenzieherbewegung zu bewältigen, ist fast so wahrscheinlich wie der Bankrott Microsofts.

Eine unspäktakülare E-Mail weist auf den erfolgreichen Abschluss des ebenso glanzlosen Karriere-Modus hin.
Dennoch dürfte es auch den unerfahrenen Skippern gelingen, Rennen um Rennen für sich zu entscheiden. Mit voranschreitendem Erfolg interessieren sich finanzkräftigere Sponsoren für euch. Die verdiente Kohle wird bei Händlern für eines der etwa ein Dutzend Boote, die zur Verfügung stehen, oder beim Tuner ausgegeben. Bei den Tuningmöglichkeiten war allerdings Schmalhans Smutje. Ihr könnt lediglich die Hupe, die Lackierung, die Nitrofächer, den Motor sowie das Ruder aufmotzen, die letzten beiden sogar nur einstufig. Gefällt euch eine Gegend richtig gut, steht ein Eigenheim zum Einzug bereit. Das ist aber meist recht teuer und bringt euch, abgesehen vom kostenlosen Speichern, rein gar nichts.