Sven "cobra79" Hollunder Nostradamus ist wirklich nur etwas für Adventure-Fans. Genreübergreifende Anziehungskraft wird das Spiel wohl kaum versprühen können. Dafür trüben einfach zu viele Kleinigkeiten den Gesamteindruck.
Michel de Nostredame, besser bekannt unter dem Namen Nostradamus, polarisiert. Für die einen ein Weissager, dessen Schriften selbst heute noch Bedeutung haben, für die anderen ein mittelalterlicher Esoterik-Spinner. Wer erfahren will, ob das neue Adventure mit gleichem Namen begeistern kann, der muss nicht in den Sternen lesen - unser Review genügt.
Europa in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist für einen Großteil der Bevölkerung kein angenehmes Pflaster. Hunger und Krieg gehören zum Alltag. Leichter lässt es sich da leben, wenn man die Gunst der französischen Königin Katharina von Medici genießt. Als ein Fluch der stämmigen Dame aufs Gemüt zu schlagen droht, wendet sich diese vertrauensvoll an den selbsternannten Propheten, um das üble Geschick abzuwenden.Jeden Tag sterben Menschen in ihrer Umgebung und sobald das Dutzend voll wird, ist ein Mitglied der königlichen Familie dran - so zumindest verkündet es ein vierzeiliger Vers. Eure Aufgabe ist es nun, herauszufinden, was an der Geschichte dran ist. Geht es hier wirklich um Schicksal oder sind die Todesursachen vielleicht doch eher irdischer Natur?
Nach dem kurzen und schwach präsentierten Intro übernehmt ihr die Kontrolle über Madeleine, Tochter des alten und von Gicht geplagten Astrologen. Der sieht sich nämlich nicht mehr in der Lage, selbst zu helfen. Weil es aber in jener Zeit überaus unklug wäre, sich als Frau mit Mystik und Okkultem zu befassen, müsst ihr zunächst einmal in die Rolle eures Bruders César schlüpfen. Dazu sucht ihr euch die passenden Klamotten, fertigt eine Perücke an, verstellt eure Stimme und dunkelt schließlich eure Haut mit Hilfe einer selbst zubereiteten Tönungscreme ab.
Die Umgebungsgrafik ist wirklich schön, aber leider nicht frei zu erkunden.
Gespielt wird das Ganze dabei aus der Ich-Perspektive, wobei ihr euch leider nicht frei bewegen könnt, sondern immer nur abschnittsweise vorankommt. In jedem Abschnitt könnt ihr euch dann um 360° drehen, immer in der Hoffnung, dass ihr keinen Gegenstand von Interesse überseht. Das ist auch leichter gesagt als getan, denn obwohl sich der Cursor bei jedem Objekt, mit dem ihr interagieren könnt, verändert, fällt es schwer, wirklich alles Wichtige auf den ersten Blick zu erfassen. Das Problem: oft deutet praktisch nichts darauf hin, dass ein bestimmter Bereich des Bildschirms eurer Aufmerksamkeit bedarf. So stellt sich die Itemsuche als ein langwieriges Abklappern des Bildschirms heraus, wobei ihr die Maus geduldig und aufmerksam immer wieder zeilenweise über den Bildschirm wandern lassen müsst.
Hat man das erst einmal akzeptiert, füllt sich das Inventar rapide. Dabei sammelt ihr nicht nur Nützliches. Nein, auch unnützen Ballast könnt ihr mit euch rumschleppen. Die Mülltonne zum Entsorgen unwichtiger Dinge habt ihr denn auch immer dabei. Angst davor, etwas wegzuwerfen, was später noch von Bedeutung ist, braucht ihr nicht zu haben. Im schlimmsten Fall muss man einfach wieder ein paar Abschnitte zurückgehen, um sich z.B. weggeworfene Kräuter oder Wasser erneut zu besorgen.