Nach dem sehr kampflastigen fünften Teil der Siedler-Serie und dem gelungenen Remake der zweiten Episode serviert uns Blue Byte jetzt einen komplett neuen Ableger. Kehrt Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs tatsächlich zu den Wurzeln und somit dem alten Charme zurück?
Skepsis prägte meine Gedanken, als ich damals davon Wind bekam, dass Ubisoft zusammen mit Blue Byte an der sechsten Episode der Siedler-Serie arbeitet. Die Versprechungen waren groß: Zurück zu den Wurzeln lautet das groß angepriesene Motto. Allem Anschein nach hat die Kritik am direkten Vorgänger, die aus den Reihen der Fangemeinde und der Fachpresse kam, Wirkung gezeigt. Doch halten die Entwickler ihr Wort? Mit etwas zittrigen Händen halte ich die Testversion von Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs in Händen. Die Stunde der Wahrheit naht. Also, rasch die DVD eingelegt, die Installation ablaufen und sich selbst gemütlich in den Bürostuhl fallen lassen.

Übersichtlich und ohne SchnickSchnack: Die Einführung in eine Mission.

Nettes Intro, da gibt es nichts zu meckern. Eifrige Siedler laufen umher, gehen ihrem Tagwerk nach und erfüllen die hübsche Stadt mit Leben. Sofort kommen nostalgische Gefühle auf, die Gedanken schweifen in Vergangenheit und den beiden ersten Episode der mittlerweile

erwachsenen Serie. Lassen wir das, denn jetzt gilt mein Blick dem Hier und Jetzt. Immerhin sind mittlerweile einige Jahre seit Siedler 2 vergangen und die sechste Episode muss sich mit einigen Konkurrenten messen. Nichts wie rein in die Kampagne.
Och, wie schick: Anstatt einem schnöden Missionsbriefing in Textform erwarten mich zwei Ritter in einer geräumigen Halle. Sie erklären mir, was mich in der ersten Mission der Kampagne erwartet und stellen mich nun sogar vor eine schwere Wahl. Ich muss mich entscheiden, wen ich von ihnen an meine Seite stelle. Hmmm, keine leichte Entscheidung. Marcus gewährt mir einen Nachlass bei der Rekrutierung von Soldaten, während Alandra kranke Siedler heilen kann. Im weiteren Spielverlauf erwarten mich insgesamt sechs dieser Heldencharaktere, die allesamt über Spezialfähigkeiten verfügen. Das sorgt für taktische Tiefe (welchen Ritter für welche Mission) und Abwechslung. Meine Wahl fällt auf Alandra und wenige Augenblicke später finde ich mich inmitten einer ansehnlichen Stadt wieder. Moment mal, kein Aufbau? Ach doch, der Weg führt mich zu einem unscheinbaren Marktplatz. Dort soll ich eine neue Siedlung gründen, um die bestehenden Handelswege sicherer zu machen. Müsste zu schaffen sein. Ah, Alandra gibt mir einige Tipps für die Steuerung und den Aufbau der Siedlung. Nun gut, hätte ich jetzt nicht wirklich gebraucht, doch für Einsteiger ist diese Art des Tutorials samt praktischer Aufgaben ideal. Spätestens jetzt werde ich mir bewusst, dass die Sprachausgabe ziemlich gut gelungen ist. Zusammen mit dem orchestralen Soundtrack ergibt sich ein wohltuender Klangteppich, der mich direkt in die Welt von Die Siedler zerrt - prima. Obwohl, so einiges lerne ich dann doch, denn im Vergleich zu den Ursprüngen der Serie haben sich einige Elemente verändert.

Die Qual der Wahl: Für einen dieser edlen Helden muss man sich entscheiden.

So werden Rohstoffsammler wie der Holzfäller oder der Jäger am Rand der aufstrebenden Siedlung platziert, während Produktionsstätten in der Nähe der Markplatzes entstehen sollten. Wenig später sehe ich auch, warum dem so ist: Metzger, Bäcker oder Gerber holen sich ihre Güter direkt aus dem Lagerhaus - Träger wie früher wurden also wegrationalisiert. Soll mir recht sein. Gleichzeitig fällt mir auf, dass der Warenkreislauf vereinfacht wurde. Weizen verwandelt sich automatisch zu Mehl für den Bäcker, so dass der Zwischenaufenthalt in der Mühle - und diese als solche ebenfalls - entfällt. Förster für die Baumpflegen suche ich ebenso vergeblich wie das geliebte Sägewerk. Allem Anschein nach richtet sich Die Siedler: Aufstieg eines Königreichs wohl eher an die breite Masse - daher die Vereinfachung in diesem Bereich. Ärgerlich, aber eigentlich halb so wild. Doch wer hat diese Menüs gebaut? Ok, alles wird anhand von Symbolen erklärt, doch ein Schubkarren deutet für mich auf Waren hin. Warum verstecken sich dahinter jetzt auch Fischerhütten? Gewöhnungssache, stimmt schon, aber für mich im ersten Moment etwas verwirrend. Ebenso die Menüs für Produktionsübersicht und andere Unterpunkte - nicht ganz elegant gelöst.