Vögel zwitschern, Eichhörnchen klettern auf den Bäumen herum, vereinzelt sieht man auch schon morgendliche Jogger durch den Central Park laufen, Manhattan scheint eine einzige Idylle zu sein. Doch der Schein trügt: Bei der morgendlichen Leerung der Mülleimer entdeckt ein Parkarbeiter eine leblose Frau im Gebüsch. Die Polizei und der Krankenwagen werden sofort gerufen, der Tatort binnen Minuten total abgeriegelt. Diese Szene stammt nicht etwa aus einer Gerichtsserie eines TV-Senders, sondern aus Legacy Interactives „neuem“ Spiel Law & Order: Mord im Central Park.
Nach dieser kleinen Zwischensequenz schlüpft der Spieler gleich in die Rolle zweier Detektive und macht sich auf, den Fall schnellstmöglich zu klären. Dazu darf man Anfangs zwei von vier speziellen Eigenschaften wählen, die das Spiel erleichtern sollen. So erhält man mit „Teamarbeit“ regelmäßig vom Chef höchstpersönlich Hinweise, wenn Hausdurchsuchungen oder Ähnliches leicht erhältlich sind. Mit „Effizienz“ werden Labortests, Untersuchungen, psychiatrische Tests und Überwachungen schneller beendet. „Verhör“ verhilft bei Befragungen von Personen und streicht immer eine falsche von drei Fragen weg und mit „Beschaffung von Beweismaterial“ erhält man eine Lupe als Mauscursor, welche die Beweismittelsuche erheblich vereinfacht.
Nach dieser Auswahl kreist man durch 360°-drehbare Schauplätze und bewegt sich a là Myst mit Pfeilen und Karte weiter. Schon geht freudig die Suche nach Indizien am Tatort los. Doch das ist leichter als getan: Schon am Anfang macht einem die extrem verwaschene und
zudem noch hoffnungslos veraltete Grafik das Detektivleben schwer, da wichtige Gegenstände oder gar ganze Räume erst nach mehrmaligem Hinschauen erkannt werden. Die auf diese Weise schließlich doch erhaltenen Gegenstände, Untersuchungsergebnisse, Laborproben und Verhörnotizen werden fein säuberlich im Aktenkoffer verstaut. Da dieser aber ziemlich schnell überfüllt ist, muss man sich von unwichtigen Beweisstücken trennen – ohne zu wissen, was wichtig und was uninteressant ist. So bringt Law „ den Spieler bei falschen Handlungen sehr schnell in eine Sackgasse und man darf wieder von neuem beginnen. Durch die Beschränkung wird erzwungen, dass einfach alle Materialien auf gut Glück in das Labor bzw. Untersuchung eingesendet werden und die Detektive somit erfahren, was in die Mülltonne gehört. Leider dauert es viel zu lange, aus den zunächst unbrauchbaren Gegenständen brauchbare Beweise zu machen. So artet ein großer Teil von Law „ Order in elendiges Warten auf einen Handyanruf, der das Ende der Warterei ankündigt, aus. Dabei zieht der immense Zeitdruck aber einen Strich durch die Rechnung, denn der Verdächtige muss innerhalb von sieben virtuellen Tagen einen Haftbefehl erhalten haben. Leider wird einem auch hier die Arbeit erschwert, da die Uhrzeit sehr unregelmäßig voranschreitet.
Doch nicht nur die Beschaffung von Indizien, sondern auch das Verhör von Zeugen und Verdächtigen gehört zur Vorgehensweise unserer Detektive. Dabei gilt es aus drei möglichen Fragen die richtige zu finden, die schließlich die Handlung vorantreibt. Bei den beiden anderen erhält man lediglich unwichtige Informationen. Schade, denn hierbei hätten die Programmierer viele Möglichkeiten gehabt, alternative Lösungen des Falles einzubauen. Somit kann man im zweiten Teil des Spiels einen zu unrecht Verdächtigten nicht mehr hinter Gitter bringen, die Anklage wird bloß abgewiesen. Hat man erst einmal einen Haftbefehl für den Hauptverdächtigen in der Tasche ist das Spiel nicht etwa sofort vorbei; danach schlüpft man in die Rolle der Staatsanwaltschaft und schafft weitere Indizien heran, um auch das Gericht von der Schuld des Angeklagten zu überzeugen.
Die oben kritisierte Grafik ist nicht der einzige Schnitzer in Law „. Legacy Interactive hat sich nicht gescheut, weitere Spielspaßbremsen einzubauen. So wird man etwa schon beim Installierbildschirm mit den freundlichen Worten „Sie werden gleich die Welt von Law and Order zu betreten“ begrüßt. Die Übersetzer sollte man auf schnellstmöglichsten Weg wieder zurück in die Grundschule schicken, bei Computerspielen hat so etwas nichts verloren. Doch damit nicht genug: Alle Charaktere im Spiel sind vertont worden; eigentlich nichts Schlechtes, doch Law – hat es geschafft, auch diesen Pluspunkt gänzlich zu neutralisieren. Sämtliche Texte wurden nämlich in den Vereinigten Staaten lokalisiert und hören sich demnach auch entsprechend an. Der Hauptheld klingt so, als ob er die letzte Nacht einen drauf gemacht hätte – und zwar nicht zu wenig. Auch diverse andere Spielfiguren lassen es auch dem tolerantesten Spieler regelmäßig eiskalt den Rücken hinunter laufen, Englische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln wie in GTA wäre sicherlich eine bessere Wahl gewesen. Da hilft es auch nicht mehr, dass die gleichnamige TV-Serie in den USA relativ erfolgreich ist.