Rund ein Jahr ist es her, als Max Payne die Verschwörung um die Droge Valkyr aufgedeckt hat. Senator Wooden hat Wort gehalten und Max kam straffrei davon. Aber anstatt beim DEA weiterzuarbeiten ließ er sich wieder zum normalen Dienst des NYPD versetzen, als Detective der Mordkommission. Er wohnt jetzt in irgendeiner Bruchhütte mitten in New York, den Tot seiner Frau und seines Babys noch immer nicht überwunden.
Alte BekannteBei einem Einsatz wird er zu einem Lagerhaus von seinen alten Kollegen Vladimir Lem gerufen. Dort trifft er auf Reinigungspersonal, welches ihren Job wohl etwas missverstanden hat. Er kämpft sich durch die Gegnerhorden, um schließlich eine alte, längst tot geglaubte, Bekannte zu treffen, Mona Sax. Von nun an wird er in einen Strudel von Gangsterkrieg und politischer Verschwörung hineingezogen aus dem es kaum ein Entkommen gibt.
Der Aufbau der Story ist, wie auch bereits beim ersten Teil etwas verwirrend und erinnert stark an die Filme von Quentin Tarantino. So beginnt das Spiel mit dem Ende, danach zurück etwa zur Mitte des Games und erst dann beginnt die Geschichte von Anfang. Je weiter die Story jedoch erzählt wird, desto mehr Sinn ergibt sie. Und zum Schluss läuft der Handlungsfaden zusammen. Anders als im ersten Teil setzen die Entwickler nicht nur auf die Comicstrips um die Geschichte weiter fort zu spinnen, sondern bringen Actioneinlagen per Zwischensequenz auf den Bildschirm.
Max ist nicht alleinIn Max Payne 2 gibt es nun eine zweite Hauptfigur, Mona Sax. Beide Storys laufen zum Teil parallel und zum anderen Teil getrennt ab. Im getrennten Teil steuert man Mona genau so, wie den guten alten Max Payne. So hat man immer die Handlungsübersicht über beide Hauptcharaktere. Spielerisch unterscheiden sich die beiden Spielfiguren aber überhaupt nicht voneinander. Sowohl Mona, als auch Max können gleich weit springen und laufen, beide haben auch die Vorteile der Bullet-Time.
Apropos Bullet-Time, dieses nicht mehr ganz so einzigartige Feature hat sich zum ersten Teil etwas geändert. Der Zeitlupeneffekt, der auf Knopfdruck aktiviert wird, wurde natürlich auf der einen Seite grafisch etwas imposanter in Szene gesetzt, auf der anderen Seite auch etwas entschärft. Zum einen lädt sich die Bullet-Time nicht nur dann auf, wenn man Gegner ins Nirvana schickt, sondern auch nach einiger Zeit selbstständig. Zum anderen reagieren die Gegner auch etwas schneller als es noch zu alten Zeiten war, sodass die beiden Charaktere schneller das zeitliche segnen, wenn sie sich zu weit aus der Deckung wagen. Alles in allem ist die Bullet-Time immer noch ein entscheidender Vorteil des Games. Ohne sie hätte es der gute alte Max oder die etwas frischere Mona schwieriger.
An der Bewaffnung haben die Entwickler nicht gespart. Das Waffenarsenal reicht von einer einfachen Beretta, über die MP5 bis hin zur ausgewachsenen Kalaschnikow, natürlich ist das, durch und durch, beliebte Scharfschützengewehr mit von der Partie. Für größere Gegnerhorden eignen sich die Handgranaten und Molotow Cocktails wunderbar. Auf extra Nahkampfwaffen, wie im ersten Teil, wurde fast komplett verzichtet, Max und Mona können nur mit ihren Waffenkolben

im Nahkampf angreifen. Der Granatwerfer wurde ebenfalls aus dem Waffenarsenal genommen.
Realitätsnahes Leichen purzeln
Die wirklich große Neuerung an der Liebes-Krimigeschichte ist die Havok's Physic Engine. Diese erlaubt es Objekte, wie z.B. Gegner, Gegenstände etc. physikalisch gerecht zu berechnen. So fällt ein Stuhl, gegen den Max rennt, korrekt berechnet um. Wird ein Gegner an einer Treppe abgeschossen, kullert er ebenfalls glaubwürdig runter. Besonders Spaß macht es, wenn man eine Granate in einen Stuhlhaufen schmeißt und zuschauen kann, wie die Stühle durch den Raum fliegen und alle auf unterschiedliche Art landen bzw. auseinanderfallen. Ein weiterer Vorteil ist, dass jede Explosion andere Auswirkungen auf die Umgebung hat. Dies verleiht dem Spiel eine viel höhere Glaubwürdigkeit.
Extra Spielmodis
Wie bereits im ersten Max Payne, wird auch in Max Payne 2 der Spieler, mit extra Spielmodi verwöhnt. So werden nach einmaligen durchspielen des ersten Spielmodi, Detektive, drei neue Spielmodelle freigeschaltet. So gibt es unter anderem die Möglichkeit das Spiel im Hard Boiled-Modus durchzuspielen. Dabei sind die Gegner noch härter zu knacken, als in der Detektive-Variante. Im "New York in One Minute"-Modus, hat man für jedes Level nur eine Minute Zeit, um es abzuschließen, allerdings erhält man mit jedem erledigten Feind weitere Minuten hinzu. Ein weiterer Modus, der nach einmaligen durchspielen freigeschaltet wird, ist die Dead Man Walking Spielvariante, dieser ist vergleichbar mit dem Deathmatch in einen typischen Multiplayerspiel, nur das hier die Gegnerhorden vom Computer gesteuert werden. Für die ganz Harten, die dann immer noch nicht genug haben und mit dem Hard Boiled Modi ebenfalls keine Probleme hatten, eröffnet sich mit Dead on Arrival der härteste Schwierigkeitsgrad für den Spieler.
Wunderschön
Das finnische Entwicklerteam hat die alte hauseigne Max-FX Engine noch mal richtig aufpoliert, so bietet jedes Level viel mehr Details, die Texturen sind hochauflösender und die Gesichter wirken noch lebensechter. Dies liegt aber auch vor allem daran, dass die Entwickler auf echte Schauspieler zurückgegriffen und dessen Gesichter eingescannt haben. So lieh der Schauspieler Timothy Gibbs, welcher in einigen Independent Filmen mitspielte und Gastauftritte in Sex and the City hatte, Max sein Gesicht. Für die Texturen haben die Entwickler ebenfalls auf echte Vorlagen und Fotos zurückgegriffen, sodass alle Orte sehr real wirken. Für die Animation der Protagonisten hat Remedy ebenfalls keine Kosten und Mühen gescheut und teure Motion Capturing-Aufnahmen verwendet.
Max Payne 2 ist aber nicht nur etwas für grafikverwöhnte Zocker. Auch für die Ohren gibt es Sound und Musik im Hochgenuss. Die Entwickler benutzen zwar viele Stücke aus dem ersten Teil, jedoch passen die Songs trotzdem perfekt zur Atmosphäre des Games. Die Soundkulisse ist ein einzigartiger Genuss für sich. Zu großen Teilen hat man wirklich das Gefühl, in einer Gasse innerhalb der New Yorker Slums zu stehen während um ein herum ein Gewitter tobt. Sobald die erstem Kungeln fliegen, schaut man schon einmal aus dem Fenster, um sich zu vergewissern, ob nicht jemand draußen Sylvester in den Oktober vorgezogen hat. Besonders Spieler mit Dolby 5.1 oder besseren Soundsystem kommen doppelt auf ihre Kosten.
Von dummen Gegnern
Zwei Kritikpunkte gibt es jedoch an Max Payne 2, zum einen ist es wieder einmal die schlechte künstliche Intelligenz der Gegner. Sie gehen zwar ab und zu in Deckung oder flüchten, um Verstärkung zu holen. Bei mehrmaligen durchspielen merkt man allerdings, dass die Sequenzen gescriptet sind. An Stellen, wo dies nicht vom Programm vorgegeben ist, stürmen die Massen meist nur dumpf auf einen zu und man kann sie mit der Bullet-Time leicht ausschalten. Sehr Schade, da hätte Remedy wirklich noch mal nachbesseren können. Der zweite Punkt bezieht sich auch auf die extrem geringe Spielzeit, so sieht ein geübter Spieler bereits nach mindestens zehn Stunden den Endcomic Strip. Das ist für ein Vollpreisspiel einfach zu gering, auch wenn es eine hohe Widerspielbarkeitsgrad hat.
Max Payne 2 ist eindeutig kein Game für die jüngernen Spieler. Nicht nur durch die übermäßige Gewalt. Max legt in den ersten 20 Minuten des Spiels mehr Gegner um, als John McClane in den Teilen der Stirb Langsam Trilogie. Auch die oft derbe amerikanische Straßensprache und der gehörigen Portion "Sex", macht Max Payne 2 ungeeignet für Kinderhände. Somit geht die USK Alterfreigabe ohne Jugendfreigabe in Ordnung.