Die 70er locken mit heißen Karren und actionreichen Missionen, aber kann Driver 76 die Serie auf der Playstation Portable wieder zu neuem Ruhm führen?
Als vor einigen Jahren der erste Teil der Driver-Reihe für den Computer angekündigt wurde, waren die Magazine voll mit den Berichten und ein jeder war gierig nach Screenshots und ersten bewegten Bildern. Driver selbst konnte beim Erscheinen den zahlreichen Vorschusslorbeeren nur knapp gerecht werden. Darauf folgte ein immer weiterer Abstieg des Franchise und auch der mittlerweile vierte Teil, der schon eine Weile für Konsole und PC erhältlich ist, konnte Driver nicht zur alten Stärke zurückbringen. UbiSoft übernahm vor einiger Zeit die Rechte an der Videospielserie von Atari und bringt Driver 4: Parallel Lines nicht nur für
Nintendo Wii, sondern in diesen Tagen mit Driver 76 auch einen gänzlich neuen Ableger der Serie für die
Playstation Portable. Die ersten Eindrücke sahen gut aus und die Erwartungen stiegen erneut in die Höhe - kann das Spiel aber das erfüllen, was von ihm erwartet wird?

Zwar wird spielerisch auf Dauer kaum Abwechslung geboten, dennoch kann die Handlung überzeugen und macht in vielen Passagen richtig Spaß.

Im Schatten von GTA: Liberty City und Vice City Stories zu stehen, ist nicht einfach und so muss sich Driver 76 erst beweisen, um in den Olymp des Genres auf der
Playstation Portable aufsteigen zu können. Zwei Jahre vor den Ereignissen in Driver: Parallel Lines steigt das Spiel ein und verschlägt einen damit tief in die 70er Jahre. Die Kleinganoven Ray und Slick sind dabei bereits bestens bekannt und

als Serienfan erhält man noch mehr Einblicke in die Hintergründe der Serie. Klar, dass die beiden keine Musterknaben sind. Eher im Gegenteil, sie sind für so manche Gaunerei zu haben, doch in was sie nun schlittern, ist auch für ihre Kragenweiten ein ganzes Stück zu groß. Der gute Ray hat sich eine Herzensdame auserkoren, die eine Nummer zu groß ist, denn das Mädchen, nach dem es ihm sinnt, ist die Tochter des mächtigsten Triadenbosses von New York City.
Schnell beginnt ein actionreiches Abenteuer, bei dem über 27 Missionen auf den Spieler warten. Auf einer Karte der Stadt sind die einzelnen Aufgaben eingezeichnet und können nach und nach abgeschlossen werden. Meistens ist es eine gute Hand voll, die zeitgleich zur Verfügung steht. Sind diese Missionen erfüllt, kommt die nächste Handlungsstufe und damit auch die nächsten Markierungen, an denen die neuen Aufgaben bereits warten. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei sehr leicht ausgefallen, es gehört nicht übermäßiges Können dazu, um sich durch die Welt zu schlagen und erfolgreich Rennen zu gewinnen oder Schurken zu erledigen. Schade auch, dass die Abwechslung zu wünschen übrig lässt. Zumeist heißt es das Gaspedal der Karossen durchdrücken, schneller sein als alle anderen oder zumindest auf gleicher Höhe des Verfolgten zu bleiben.
Ein wenig mehr Tiefgang wäre vor allem in den späteren Missionen erfreulich gewesen, schließlich bietet das recht frei gestaltete Spieldesign viele Ansätze, um auch Elemente mit höherem Anspruch einzubauen. Wer schnell ist, kann die Verfolgungsjagden mit der Polizei, das Auslöschen von Feinden, das Gewinnen von Rennen oder das Stehlen von Fahrzeugen in wenigen Stunden erleben und wird recht enttäuscht sein, dass nur so kurzweiliger Spaß geboten wird. Wer aber abseits des starren Missionssystems auch noch Tokens einsammelt, um besondere Objekte zu erhalten, wird schon länger mit Driver 76 unterhalten werden. Die mit den Token ersammelten Items sind aber nicht mehr als nette Gimmicks, denn einen Einfluss auf das Spiel haben sie leider nicht. Doppelte Gegenstände dürfen dafür per Ad-Hoc getauscht werden - was aber eigentlich eher überflüssig ist.

Nervig sind die extremen Ladezeiten, denn bis zu einer Minute muss gewartet werden, damit der Spielspaß endlich beginnen kann.

Schon interessanter sind die Nebenmissionen, die die Entwickler eingebaut haben. Hier darf sich schon mal als Taxifahrer betätigt werden, im schnellen Motorradrennen die Geschwindigkeit erlebt oder im Destruction-Derby die Karre zerlegt werden. All dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es an Tiefgang fehlt - war der erste Teil der Serie noch zu anspruchsvoll und damit teils frustrierend, fehlt es Driver 76 an dem Schwierigkeitsgrad, der einen fordert. Zwar werden auf Dauer die zu erfüllenden Zeiten knapper, ist es ansonsten zu leicht, erfolgreich zu sein. Erfreulich ist es hingegen, dass über 40 Fahrzeuge zur Verfügung stehen, die aber nicht einfach gestohlen werden können. In Driver 76 heißt es sich den fahrbaren Untersatz zu verdienen. Wer will schon zu sehr auffallen und die Polizei auf sich aufmerksam machen? Als besonderer Bonus können alle Autos und Motorräder auch noch individuell angepasst werden. Dies beginnt bei Speziallackierungen für die Karosse, setzt sich mit Tuning-Kits für den Motor und Styling wie getönten Scheiben fort.