Es ist schnell, es ist actiongeladen - Pure ist das erste Next-Gen-Offroad-Rennspiel, das grafisch so richtig auf den Putz haut. Anspielen durften wir den Hoffnungsträger von Blackrock und Disney zwar noch nicht, doch was wir in der Vorab-Präsentation zu sehen bekamen, ließ nur wenige Zweifel daran, dass Pure ein gelungener Arcade-Racer wird.
Neben der totalen Absurdität der Stunteinlagen und dem damit verstärkten "Ex und Hop"-Arcade-
Gameplay sind in der Luft ausgeführte "Christ Air" und andere Akrobatikeinlagen die Grundlage für den zweiten Vertigo-Garant: Die Geschwindigkeit. Mit jedem erfolgreich ausgeführten Stunt erhält man Treibstoff für den auf Knopfdruck auslösbaren Boost, der in drei Stufen aufgefüllt werden kann und für einen weiteren Adrenalinschub sorgt. Schließlich sind die Strecken teilweise sehr eng, äußerst kurvig und mit vielen Gabelungen und alternativen Wegen versehen, so dass man sich bei einer irren Geschwindigkeit ständig auf neue Herausforderungen einstellen muss. Die von den Entwicklern als "dreidimensionale Rennspuren" deklarierten Pfade gabeln sich nämlich nicht nur horizontal, sondern verlaufen auch über- bzw. untereinander und erlauben bei geschickten Manövern sogar Abkürzungen. Zumindest sieht es bislang so aus. Selbst anspielen konnten wir Pure leider noch nicht, daher lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum abschätzen, ob die Steuerung auch das hält, was uns die Optik verspricht.

Auf den holprigen Strecken bleibt keine Zeit für große Gedankengänge - hier sind Reflexe gefragt.

Schon auf den Screenshots dürfte zu erkennen sein, dass Pure ein echtes Actionpaket wird, das sehr schmackhaft verpackt wurde. Knackscharfe, mehrschichtige Texturen, die ohne Mip-Mapping-Mogeleien auf die äußerst umsichtig modellierte Umwelt tapeziert wurden, lassen die Grafik recht authentisch wirken, während beim geometrischen Design der Umgebungen darauf geachtet wurde, möglichst keine ebenen und kantigen Flächen zu hinterlassen. Somit wirkt jede der sieben Rennschauplätze, die vom graubraunen Steppenkurs in New Mexico bis zu einer an den Gardasee-Umkreis angelehnten, saftig grünen Berglandschaft jede Farb- und Geländekombination ausnutzen, sehr rund und natürlich. Dabei bietet jede Umgebung mehrere Strecken an und überzeugt mit einer umwerfenden Weitsicht. Die Draw-Distance wurde mit rund 20 virtuellen Kilometern angegeben, was wir dem Blackrock-Team locker abkaufen. Angesichts der Fülle an Details sind die angepeilten 30 Bilder pro Sekunde bei 720p auf den Konsolen somit eine hervorragende Leistung. In Pure findet ihr keine drehenden Pflanzen-Sprites, keine ermogelten Schatten und auch sonst keine technischen Patzer, die den hervorragenden Eindruck trüben. Und das, obwohl der Titel keineswegs fertig gestellt wurde. Da man nicht die Quads, sondern die Piloten steuert, wirken sogar die Fahreranimationen trotz aller Over-the-Top-Mentalität recht glaubwürdig, was sich übrigens auch in deren Interaktion mit dem Fahrzeug widerspiegelt. Was lediglich noch fehlte, waren ein paar

lebhaftere Effekte beim Aufwühlen des Bodens. Generell hätte das aus Sega Rally bekannte Spurrillen-System auch Pure gut gestanden, denn bisher hinterlassen die Reifen nur oberflächliche Spuren, die kaum dem sichtbaren Zeugnis eines Quadrennens mit 16 Teilnehmern gleichen. Das Szenario aus der Einleitung dieses Artikels findet somit nur begrenzt Platz im Spiel. Man kann eben nicht alles haben.
Das soll aber nicht heißen, dass auf der Strecke wenig los wäre. Bei 15 Kontrahenten, die online wie offline auf euch warten und in 50 Renn-Events in zehn Touren bezwungen werden wollen, ist die Strecke ruckzuck ganz schön dicht. Karambolagen und Stürze dürften jedenfalls schon für genug Ablenkung sorgen. Körperliche Angriffe (Stichwort Road Rage) oder auflesbare Extrawaffen wird es allerdings nicht geben. Es geht nur um das reine Fahren, das ihr perfektionieren könnt, indem ihr euch einen von sieben markanten Fahrern aussucht und euer Gefährt eigenhändig zusammenbaut. In der Garage, die unter dem Menüpunkt "Build your own Ride" aufgeführt wird, dürft ihr nämlich jedes Einzelteil eures Quads selbst bestimmen. Von den Reifen, über Aufhängung und Rahmen bis zum Motor lässt sich jede einzelne Komponente austauschen, woraus mehrere tausend mögliche Fahrzeuge hervorgehen. Dies soll vor allem online für die nötige Varianz sorgen, denn kein Bike wird dem anderen gleichen. Wer sich hingegen nicht mit den Feinheiten herumschlagen will, nutzt einfach die Quick Build-Funktion.

Jedes Einzelteil eures Quad-Bikes lässt sich modifizieren.

Obwohl uns nur ein Bruchteil des fertigen Spiels gezeigt und sogar noch eine optische wie akustische Steigerung bis zum Release versprochen wurde, sah Pure bereits sehr lecker aus. Wobei klar betont werden muss, dass Simulations-Freaks bei diesem Spiel eindeutig zu kurz kommen werden. Laut Jason Avent liegt der Hauptspaß darin, sich innerhalb des arcadigen Gameplays ständig weiter zu entwickeln, sich bessere Fahrzeuge zusammenzubauen und das Boostsystem nach und nach geschickter auszureizen. "Wir entdecken noch immer neue Wege, das Spiel zu spielen" führte er im direkten Gespräch seiner Aussage hinzu, wobei er auch darauf verwies, dass die Online-Anbindung für jede Menge Langzeitmotivation sorgen wird. Technische Unterscheide zwischen den drei Varianten für Xbox 360, PS3 und PC soll es aber nicht geben. Zwar wurden einige Erfahrungswerte aus der Programmierung von Moto GP für Xbox 360 übernommen, doch gäbe es kein Lead-System, so Jason Avent. Dank der Finanzkraft von Disney im Rücken sowie der Erfahrung, die das Team bereits mit der PS3 gesammelt habe, solle für ein absolut gleichwertiges Erlebnis auf allen Systemen gesorgt werden.
Ersteindruck:
Mein Gott, wie gerne hätte ich nur Hand an diesen Arcade-Racer gelegt. Pure wirkt so spritzig, schnell und aufregend, dass Motorstorm dagegen wie ein Ausflug ins Altersheim erscheint. Wirklich tiefgängig dürfte das Rennvergnügen zwar nicht ausfallen. Aber welches Arcade-Game ist das schon? Solange wir jedoch noch keine Möglichkeit haben, selbst anzuspielen, können wir über ein "Sehr gut" in der Preview-Wertung nicht hinausgehen. Es gibt einfach noch zu viel, was Blackrock bei der Steuerung versemmeln könnte. Die Frage ist nämlich, wie rund man tatsächlich um die Kurven kommt und wie hoch der Schwierigkeitsgrad ausfällt. Zwischen dem Fahren, den Stunts und dem Heraussuchen des besten Streckenabschnitts scheint es kaum Luft zum Atmen zu geben, so dass die Lenkung unheimlich intuitiv ausfallen muss, um dem Gesamtkonzept kein Bein zu stellen. Rein optisch kann sich Pure allerdings sehen lassen. Das Fehlen von Spurrillen bzw. Terraforming unterstreicht zwar die Oberflächlichkeit dieses Spiels, doch bei allen anderen Faktoren kann Pure die volle Punktzahl abstauben. Weitsicht und Geschwindigkeitsgefühl konnten schon beim reinen Zuschauen so sehr überzeugen, dass sich bei jedem größeren Sprung automatisch ein Kribbeln im Bauch einstellt. Wenn der Adrenalinschub beim Selbstfahren genauso stark ausfällt, wird Pure definitiv ein Hit!