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Hype it!
Release: PC: Mai 2008
Status: keine Angabe
Plattformen: PC
Publisher: The Games Company
Entwickler: Silver Style
Genre: Adventure
Off. Seite: the-games-company.com
Fansite: keine Angabe

So schäbig kann die Zukunft aussehen ...

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Hype it!
Grelle Neonreklame flackert in den ausladenden Straßenschluchten, die von erdrückenden Wolkenkratzern zusammengehalten werden. Es herrscht eine klinische Reinheit, die die Fassaden der architektonischen Riesen in ein futuristisches Metropolis hüllt. Wir schreiben das Jahr 2072, das politische Gefüge erleidet schwere Risse, US-Bürger werden in Klassen eingeteilt. Wer nichts hat, keine Steuern zahlt, muss auf staatliche Hilfe verzichten und sein klägliches Leben auf kleinstem Wohnraum fristen. So wie Hauptcharakter Jake. Der Stern des Gesetzes, der seinen Arm ziert, kann die Gedanken nicht überspielen, die seit dem Tod seiner Frau durch seine Hirnrinde spuken. Der tosende Knall, der ihn spät abends aus dem süßen Schlummer reißt, schon eher. Eine Explosion? Ein Blitz? Steven Segal? Jake geht der Sache auf den Grund und findet eine Frau, die erschreckend wortkarg ist. Im wenig aufschlussreichen Gespräch stellt sich heraus, dass sie ihre Karriere im horizontalen Gewerbe macht. Als Gentleman, der er nun mal ist, geleitet er sie in seine Wohnung, bietet ihr einen Platz zum Schlafen an. Und nickt ein paar Minuten später ebenfalls ein. Nett, nicht wahr?

Bei TGC arbeiten nur nette Menschen. Ehrlich! Uns wurde garantiert keine Gewalt angedroht ...

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Aber anstatt sich nach dieser kurzen Ruhepause mit einem zuckersüßen Schmatzer zu bedanken, macht sich die Gute einfach aus dem Staub. Durchs Fenster! Wer schon mal das Vergnügen hatte, von einem Balkon des 13. Stocks den Blick schweifen zu lassen, kann sich vorstellen, dass von ihr nicht mehr viel übrig ist. Da sie als Prostituierte einer niedrigen Steuerklasse angehört, macht sich die Polizei nicht mal die Mühe, weitere Ermittlungen anzustellen. Also muss unser unfreiwilliger Retter dafür in die Bresche springen, der im Moment ohnehin nicht sehr viel zu tun hat.

Wer die letzten Adventures der Berliner Entwickler kennt, denkt zuerst an ... strahlend bunte Märchenwelten? Frühreife Zauberlehrlinge, die im Kleiderschrank durchs Raum-Zeitgefüge wirbeln? Für Goin' Downtown musste ein erwachseneres Szenario her, ein erzählerisch greifbarerer Hintergrund, der euch in eine weitaus ruppigere Welt voller Probleme zerrt. Die Dialoge sind entsprechend derber, die Charaktere mit mehr Ecken und Kanten versehen. Schon nach wenigen Minuten pfeffern sich die deutschen Stimmen von Will Smith, Jennifer Lopez oder Antonio Banderas verpönte Scheltworte um die Ohren, die man sonst nur in einer Folge der Super-Nanny erwartet hätte. Und obwohl die Sprecher hin und wieder etwas lustlos klingen, tut es sehr gut, endlich mal wieder ein Adventure zu spielen, das sich nicht krampfhaft in die oft ermüdende Ulk-Schublade pressen will, sondern auf der ernsten Tonleiter trällert.

Übrigens: Hundertprozentig wollte sich Silver Style nicht vom Zeitreisen trennen. Ihr bekommt zwar keinen coolen Kleiderschrank, dafür aber eine mächtig wichtig aussehende Maschine, auf die selbst Iron Man neidisch wäre. Immer wieder müsst ihr im unbequemen Ledersessel Platz nehmen, den Startknopf drücken und die Schwingen der Zeit rückwärts durchpflügen. Um wichtige Hinweise zu erhalten. Oder mit Personen zu reden, deren Informationen in der Gegenwart von Nutzen
sind. Klingt bis hier nicht wirklich neu. Das Besondere an der Sache: Jede eurer Aktionen in der Vergangenheit wird bewertet. Solange ihr die "korrekten" Entscheidungen trefft, dreht sich die Adventure-Welt in gemütlicher Harmonie. Was aber, wenn man es sich mit einem wichtigen NPC verscherzt oder richtigen Bockmist baut? Eine 100er-Skala, die nach jedem Fehltritt abnimmt, hält euch über die derzeitige Situation auf dem Laufenden. Weicht die 100 schließlich einer hämisch grinsenden Null, findet sich Jake in der Gegenwart wieder. In diesen Fällen könnt ihr aber ohne Umschweife direkt an der verhängnisvollen Stelle fortsetzen.

Auch kleinere Kämpfe, die ihr im Stil Monkey Island'scher Beleidigungsduelle austragt, sind mit dabei.

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Auch die Tageszeit spielt in Goin' Downtown eine gewichtige Rolle, da euch viele Schauplätze erst nachts, andere hingegen nur bei strahlendem Sonnenschein ihre Geheimnisse enthüllen. Wenn in der städtischen Bar gegen Mittag etwa so viel los ist wie am Dienstagabend im Dorfstadion des FC Grün Blau Woltersfeld, solltet ihr lieber zu späterer Stunde noch mal vorbeischauen. Wenn Orte wie ausgestorben wirken und euch auf den ersten Blick keinen Meter voranbringen, könnte sich ein erneuter Besuch als lohnenswert erweisen. Zwischen den Schauplätzen wechselt man übrigens mit Hilfe einer Stadtkarte, die euch alle bereits zugänglichen Orte per Mausklick erreichen lässt.

Und auch bei der restlichen Steuerung hält sich Silver Style an die Gepflogenheiten des gemütlichen Genres. Mit der linken Maustaste jagt ihr Jake durch die Gegend, lasst ihn mit der Umgebung interagieren oder mit Personen sprechen. Das Inventar wird am unteren Bildrand eingeblendet, wenn ihr mit der Maus in diesem Bereich unterwegs seid. Dort könnt ihr dann dem geliebten Durchforsten-Kombinieren-Hobby frönen, um den gesammelten Items schließlich an den unmöglichsten Stellen noch unmöglichere Funktionen zu entlocken. Was mit dem Auffüllen und Verstauen eines Wasserglases seinen Anfing nimmt, soll später in richtig happigen Hirnsport umschlagen. Hin und wieder müsst ihr beispielsweise einen Gegenstand aus der Vergangenheit beschaffen, um in der Gegenwart nicht dem Fluch der Sackgasse zum Opfer zu fallen.

In dieser wenig Vertrauen erweckenden Maschine reist Jake durch die Zeit.

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Stilistisch könnt ihr euch auf einen mit Bump-Mapping überzogenen Cel-Shading-Look freuen, der den Charakteren schroffe Farbübergänge und gleichzeitig ein organisch angehauchtes Aussehen verpasst. Wer sich die volle Comicdröhnung geben möchte, kann zudem Sprechblasen aktivieren, die stilecht in den Dialogen zum Einsatz kommen.

Ersteindruck:

Silver Style lockt in eine Orwell'sche Zukunftsvision mit erwachsenen Dialogen und schroffen Charakteren. Der Stil dieser Welt erinnert entfernt an eine Mischung aus Blade Runner und Anachronox. Überall lodert, dampft und wabert es mit sämtlichen Cel-Shading-Finessen; überall ist die Liebe zum futuristischen Detail zu spüren, die sich nicht zuletzt im ansehnlichen Look widerspiegelt. Und doch steckt unter der einen anspruchsvollen Erwachsenen-Comic versprechenden Oberfläche ein Adventure klassischer Bauart, das weder die gewohnten Point-&-Click-Mechanismen noch die von echten Hirnsportlern vergötterten Kombinationsrätsel vermissen lässt. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit dürfte zwar nicht zum Langeweile erstickenden Heiland des Genres aufsteigen, verspricht aber zumindest ein paar verknobelte Ritte auf den Flügeln der Zeit. Wenn Silver Style die Qualität dieser als Retrospektive erzählten Geschichte über die komplette Spielzeit hinweg aufrecht erhält und hier richtig pfiffiges Rätseldesign auftafelt, könnte diese Zukunftsvision dem Genre einen ordentlichen Schub verpassen. Lassen wir uns überraschen...
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