Alexander Glup Mehr Action und weniger Taktik machen Codename Panzers: Cold War deutlich anspruchsloser als seine Vorgänger. Auch in Sachen künstliche Intelligenz hakt es noch ein wenig. Trotz allem machte mir der Ausflug in das fiktive Szenario Spaß, obwohl ich lieber die finale Testversion abwarte, bevor ich mich hier zu sehr festlege.
Codename Panzers sorgt bei Freunden gepflegter und anspruchsvoller Echtzeitstrategiespiele immer noch für schwitzige Hände. Wie schön, dass ein Nachfolger bereits für den nächsten Monat in Sicht ist. Aber hält Cold War der Tradition und dem Druck stand? Wir haben schon vorab einen Blick auf die Schlachtensimulation geworfen und unsere Eindrücke zu einem handlich verpackten Frontbericht zusammengefasst.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion standen nie unter einem guten Stern. Die Befreiung Deutschlands war gleichzeitig ein Tauziehen um die besten Territorien. Aus dem Westen rückten vor allem Briten und Amerikaner voran, von Osten her nährte sich Mütterchen Russland. Berlin war letztlich eine der letzten Bastionen der Naziherrschaft und hier sollte auch der Grundstein des Kalten Kriegs gelegt werden. Die Entwickler Stormregion haben ein fiktives Kriegsszenario gesponnen. Nachdem ein sowjetischer Abfangjäger mit einer amerikanischen Transportmaschine kollidiert, entbrennt ein offener Schlagabtausch zwischen den beiden Weltmächten.
Das Scharmützel beginnt am Flughafen Tempelhof, vereinzelte Soldaten des Roten Reichs wollen die wichtige Verkehrsanbindung nicht so leicht aufgeben. Also werden einige NATO-Soldaten ausgeschickt, um den Widerstand zu brechen. Wie es sich für eine der ersten Missionen gehört, ist das feindliche Aufkommen weit gestreut und mehr schlecht als recht bewaffnet. Nachdem der Flughafen gesichert ist, muss noch die Umgebung von den Kommunisten gesäubert werden. Et voilá: "Mission abgeschlossen!"
Am Flughafen Tempelhof geht ordentlich die Post ab, die erste Mission weiß bereits durch dichte Atmosphäre zu überzeugen.
Als Belohnung für die Eroberung des Knotenpunkts gibt es eine kurze, aber stimmungsvolle Zwischensequenz. Die Entwickler haben sich nicht lumpen lassen: Vor, nach und auch während der Mission erfährt man durch gerenderte Videos weitere Einzelheiten der interessanten Story. Auch wenn das Szenario des Zweiten Weltkriegs und alles, was daran hängt, bereits etwas abgekaut wirkt, sind es gerade solche Gimmicks, die ein Spiel von der Konkurrenz abheben und zum Weiterspielen motivieren.
Nach der recht einfachen Aufgabe, den Airport zu erobern, kann es auch den Sowjets nicht entgangen sein, dass man sich im offenen Krieg befindet. Die schlecht ausgerüstete russische Armee muss aber vorerst defensiv agieren. NATO-Verbände unter der Schirmherrschaft der Amerikaner dringen weiter in die umgebenden Gebiete Berlins vor, um wichtige taktische Punkte einzunehmen. Vor Beginn der zweiten Mission bietet sich erfahrenen Codename Panzers-Spielern ein gewohntes Bild: Die Truppenauswahl ermöglicht es, gezielt Einheiten in die Schlacht zu nehmen. Nur wer eine ausgewogene Mannschaft
zusammenstellt, wird siegreich vom Felde ziehen. Mit Siegpunkten aus den Vorgängermissionen kann die eigene Streitmacht mit Infanterie, Panzern oder Flugzeugen verstärkt werden.
Die 18 Missionen scheinen zunächst abwechslungsreich gestaltet, laufen aber offensichtlich immer nach dem gleichen Spielprinzip ab. Auf der Karte verteilt, finden sich verschiedene taktische Punkte, die es einzunehmen gilt. Manche der Gebiete sind dabei für die Haupt- und andere für diverse Nebenaufgaben wichtig. Die Berücksichtigung letzterer bietet vor allem Nachschub in Form von preiswerten Einheiten, damit die Erfüllung des primären Ziels etwas einfacher von der Hand geht. Mit Hubschrauberlandeplätzen oder Fabriken können zwar zusätzliche Truppen geordert werden, in den falschen Hals bekommen sollte man dieses Feature aber nicht. Es findet keinerlei Basenbau statt und auch das Limit für die Armee auf dem Schlachtfeld ist äußert begrenzt.
Zwei Seiten und somit auch zwei verschiedene taktische Einstellung legen die Streithähne an den Tag. Das Land der Pommes und Hamburger konzentriert sich lieber auf defensive und sichere Waffen; langsame, aber stark gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie sind das Zauberwort. Die Anhänger des destillierten Trostspenders gehen da schon etwas rustikaler vor: schnelle und durchschlagende Panzer sowie viel Infanterie sind ihre erste Wahl. Auf beiden Seiten gibt es ein großes Aufgebot von realen und fiktiven Fahrzeugen. Die Alliierten besitzen zum Beispiel eine mehrläufige Panzerabwehrkanone, die Russen hingegen einen leichten Panzer mit seitlich montiertem und äußerst effektivem Raketenwerfer.
Hochwertige Zwischensequenzen erzählen die fiktive Story weiter.
Auffällig wenig taktische Raffinesse erforderte die vorliegende Preview-Version. Meistens reichte es aus, einige Reparaturfahrzeuge und genug Ambulanzinfanterie in den eigenen Reihen zu haben, um auch größere Kampfverbände aus dem Weg zu räumen - wobei durchaus die künstliche Intelligenz des Gegners zu loben ist. Sofern es möglich war, wurden gerade die schwachen Nachschubeinheiten zuerst bekämpft. Leider präsentiert sich die KI aber nicht immer von der "hellen Seite der Macht", sondern hatte durchaus noch ihre Tücken. Die Wegfindung ist, salopp gesagt, für die Katz; vor allem Fahrzeuge bleiben oft an Ecken und Kanten hängen oder begehen gar komplette Befehlsverweigerung.
Ordentlich speicherfressend, aber dafür äußerst eindrucksvoll ist die Technik aus dem Hause Stormregion. Großartige Partikel-, Wetter- und Explosionseffekte lassen die Herzen von Grafikfetischisten höher schlagen. Da werden Häuser durch großkalibrigen Panzerbeschuss in Stücke gesprengt, die Brocken fallen physikalisch korrekt zu Boden oder Fahrzeuge explodieren farbenfroh - übrig bleibt nur eine im Wind wabernde Staubwolke. Solche schönen Spielereien haben leider ihren Preis: Ohne einen 3 GHz-Prozessor, 2 GB RAM und eine mindestens 128 MByte umfassende Grafikkarte werdet ihr eure Ansprüche herunterschrauben müssen. Bereits unser Testrechner mit den eben genannten Spezifikationen hatte einige Probleme, die nach längerem Spielen zu ärgerlichen Abstürzen führten.
Ersteindruck:
Codename Panzers: Cold War tauscht ein Stückchen taktische Finesse gegen schnelleres und actionreicheres Gameplay ein. Ob das nun gut sein mag oder nicht, kann ich anhand der kurzen Preview-Version noch nicht vollends beurteilen. Zu viele Fehler versteckten sich noch im Detail. Vor allem die KI-Aussetzer bei der Wegfindung und die gelegentlichen Abstürze stoppten den Spielfluss ungemein. Ich fröne erst mal dem Motto eines jeden Fatalisten: "Abwarten und Tee trinken". Einige Tage ziehen bis zum Release aber noch ins Land; mehr als genug Zeit also, um die kleinen Makel zu entfernen und aus Cold War eine heißblütige Strategieperle zu machen.