Sebastian Thor Treffsicherer Grafikstil, schnelle Kämpfe und gnadenlos übermütiges Charakterdesign - all das steht No More Heroes gut zu Gesicht. Sorgen mache ich mir nur um die Vielfalt abseits der Storyline. Wenn die Entwickler die Welt schon im Stil von GTA öffnen, muss sie auch richtig spannend, richtig knackig und abwechslungsreich gefüllt sein.
Laserschwert-Schwingerei und viel Spaß dabei: Im Hard Rock Café in München ließ Eidos die farbenfrohe Klinge tanzen. Wir konnten zum ersten Mal No More Heroes anspielen und dabei die Stadtluft von Santa Destroy schnuppern. Warum das neueste Werk von Grasshopper eingängiger, offener und im Großen und Ganzen gewöhnlicher als das psychedelische Killer7 ist, klärt die Vorschau.
"Meister, wir stecken in der Klemme! In einer wirklich engen Klemme" - eine verschrobene Gestalt schält sich behände von der Decke, ihr tranceartiges Gestammel dröhnt in meinen Ohren und lässt meinen vernebelten Geist Purzelbäume schlagen, bevor ich am Ende des Gangs ein spöttisches Kichern wahrnehme. Oh nein, jetzt habe ich es am Hacken, das letzte Heaven-Smile, das im Schatten lauerte - gefühllos, entschlossen, grausam. Es kann zwar giggern, schreien, und rennen, hat einem geladenen Revolver aber wenig entgegen zu setzen und verendet wenige Schüsse danach in einem schimmernden Schwall blutroter Moleküle. Diese Szene war entweder das Ende oder erst der Anfang. Ende deshalb, weil etliche Spieler das Handtuch schmissen und Killer7 zur Videothek zurückbrachten. Der Anfang war es für all jene, die sich auf diesen grotesken Ausflug in die menschliche Seele und den erzählerisch oft inkohärent anmutenden Wust aus Politisch-Konspirativem und Blutig-Abstrusem einließen. Ihr wisst nicht, wovon ich rede? Dann habt ihr euch entweder den größten Fehlkauf eures Lebens erspart oder eines der größten Meisterwerke entgehen lassen.
In den Nebenaufträgen müsst ihr ganze Gegnergruppen mit dem Laserschwert liquidieren - hierzulande ohne Blut.
Ich würde nicht sagen, dass das neue Werk von Grasshopper dem Mainstream anbiedernd auf die Schulter klopft, aber ein paar bedeutungsschwere Änderungen am Spieldesign dürften dem Titel das respektvolle Nicken einer breiteren Zielgruppe einbringen. Oder
wie Goichi Suda es zusammenfassen würde: Es ist leichter zu verstehen, zu spielen und richtet sich eher an den Massenmarkt als Killer7. Die größte Gemeinsamkeit ist der Comic-Look mit seiner unaufdringlichen, flächigen Farbgebung, den schroffen Kanten und steilen Übergängen. Das ist im Detail schwach, aber im Kampf um die güldene Polygonkrone ein wichtiges Zeichen und hoffentlich ein Ansporn für das eine oder andere Studio, einen ähnlich mutigen Schritt zu tun - abgesehen davon, dass die Wii ohnehin nicht mit der pixelfrohen Pracht einer Xbox 360 glänzen kann.
Ist das schlimm? Nein. Sieht es trotzdem stimmig aus? Ja. Es ist der klassische Fall von Kreativität, die die Technik Schachmatt setzt; von Fantasie und raffiniertem Design - treffsicher wie eine Peitsche, scharf wie ein Skalpell und hart wie ein Stein. Apropos: Wie für Grasshopper üblich, ist die Story kein leicht zu verdauendes Häppchen für die Mittagspause. Getragen wird sie von zügig geschnittenen Zwischensequenzen, abgefahrenen Dialogen und schrulligen Charakteren. Allen voran Travis Touchdown, der sich nicht mit weniger als dem Titel "weltbester Killer aller Zeiten" zufrieden geben möchte. Eines Tages schleicht sich sein Name auf die Top Ten-Liste; Nummer zehn ist ja für den Anfang schon mal nicht schlecht, aber was glaubt ihr wohl, tut ein sonnenbebrillter Kerl mit einem Faible für Videospiele und Animes in einer solchen Situation? Klare Sache, er schnappt sich ein Laserschwert und schnetzelt sich wie ein junger Gott an die Spitze.
Besonders in den Bosskämpfen werden regelmäßig Wii-Gesten eingeblendet, die ihr auf dem Kasten haben solltet.
In seiner pompösen Villa, hinter Dutzenden schmierigen Handlangern, die sich sofort auch euch stürzen, wartet das erste Opfer. Travis fackelt nicht lange, zückt sein leuchtendes Schmuckstück und bedankt sich auf seine Weise für den netten Empfang. Einen an eurem Arm zerrenden Muskelkater braucht ihr übrigens nicht zu befürchten. Auch wenn sich Star Wars-Fans angesichts der Laserschwert-Remote-Beziehung schlaflos zum Obi Wan aufschwingen wollen, tritt die direkte Schlagsteuerung per Handbewegung etwas in den Hintergrund. Mit dem A-Knopf lasst ihr die Klinge zappeln und die Angreifer im Stile actionreicher Hack'nSlays dahinscheiden; längeres Drücken erzeugt einen Block. Mit der Z-Taste könnt ihr Feinde gezielt in den Fokus nehmen und mit dem digitalen Steuerkreuz in die gewünschte Richtung ausweichen.
Während die ersten paar Standardschergen ohne große Probleme über die Klinge springen, müsst ihr spätestens in den Bosskämpfen euer komplettes Repertoire abspulen. Sie verfügen über eine klassische Energieleiste, eigene Bewegungsmuster, richten beängstigend viel Schaden an und stecken genauso viel ein. Der Erste würde selbst Dante mit seiner XXL-Machete der Marke Kuchenblech die Schamesröte ins Gesicht treiben. Hier ist Timing der beste Freund des aufstrebenden Killers, eine flinke Ausweichbewegung zur Seite im rechten Moment eine Erfolg versprechende Taktik, um dem Tod von der Schippe zu springen. Sobald ihr eine Reihe von Treffern gelandet habt, wird das fröhliche Metzeln von verschiedenen Einblendungen aufgelockert. Diese Wii-Gesten solltet ihr so schnell wie möglich umsetzen, um einen wesentlich mächtigeren Hieb zu verrichten, der von einer entsprechenden Animation unterlegt wird. Dabei zieht Travis seine Klinge etwa von oben nach unten der Länge nach durch den Körper seines Gegners. Oder beide Schwerter verkanten sich und ihr müsst mit wilden Kreisbewegungen die Oberhand gewinnen.