Sebastian Thor Keine Lust auf subtiles Knistern und sorgfältig ausgearbeitete Spannungsbögen? Einfach mal ausspannen und mit dicken Kalibern eine höllische Sauerei anrichten? Clive Barker's Jericho ist euch zu gewöhnlich und die Optik eines Spiels egal? Dann solltet ihr Painkiller Overdose im Auge behalten.
Einst als Add-on konzipiert, kommt Painkiller: Overdose bald als vollwertiges Spiel auf den Markt. Was hat dieser brachiale Höllenritt zu bieten? Wir haben uns den Shooter näher angeschaut.
Hunde sind echt niedliche Wesen: Klein, flauschig, treu. Manchmal jedoch mutiert das putzige Felltier zur Zähne fletschenden Bestie, die geifernd nach neuer Beute lechzt und sich mit schmerzhafter Genauigkeit in der Hand des nichts ahnenden Briefträgers verbeißt. Eine solch zweifelhafte Begegnung muss der Protagonist aus Painkiller Overdose machen. Mit dem kleinen Unterschied, dass es sich bei dem Kläffer nicht um einen verwöhnten deutschen Schäferhund, sondern Cerberos handelt. Dem Burschen war ja auch nicht unbedingt das beste Schicksal beschieden: Als Ergebnis der Liebesnacht zwischen Engel und Dämon wurde er geächtet und schließlich vom Schoßtier des Hades gejagt. Aber anstatt eines kräftigen Bisses setzt es einen jahrelangen Aufenthalt in einem infernalischen Käfig. Der Jungspund hat Glück im Unglück: Die Gitterstäbe knacksen, das Tor in die Freiheit steht offen. Und die sieht anders aus als er denkt.
Die Gegner überragen euch manchmal um mehrere Meter und sind entsprechend schwerer in die Knie zu zwingen.
Was dem als Add-on konzipierten Werk der Mindware Studios an technischen Finessen fehlt, macht es mit stilistischen und architektonischen Glanzpunkten wieder wett. Alle Abschnitte wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet und unterscheiden sich deutlich voneinander. Anfangs blickt man in ein apokalyptisches Bildnis, das dem Kopf von Hieronymus Bosch entsprungen sein könnte: Bedrohliche Lavaströme pulsieren in den Ecken, verdorrte Baumkronen ragen über brennende Häuserruinen, leuchtende Pentagramme flirren auf dem Boden und klaffende Löcher spucken sengende Hitze aus der Tiefe. Im Hintergrund geifert ein riesiger Vulkan gefährliche Wolken - zwar nur als zweidimensionale Bitmap, aber immerhin. Später bewegt ihr euch durch eine fernöstliche Stadt, die von einem tosenden Gewitter heimgesucht wird, oder schaut in den mystischen Abendhimmel einer außerweltlichen Wüstenlandschaft, die wohlige Erinnerungen an den Film "Die unendliche Geschichte" weckt.
Für Sightseeing bleibt logischerweise keine Zeit, denn in altbekannter Serious Sam-Manier tauchen unentwegt neue Gegnerströme auf, die es auf euren Helden abgesehen haben. Dampfende Alptraumkreaturen, die behäbig durch spärlich beleuchtete Gänge schlurfen, diabolisches Gesocks, das euch auf explosiven Fässern entgegen rudert, oder wütende Zyklopen, die mit Lavaklumpen um sich werfen, treiben in den Anfangsgebieten ihr Unwesen. In der Wüste warten mutierte Käfer, die euch schleimige Batzen ins Gesicht spucken, oder hinkende Mumien, die euch mit Fackeln an den Kragen wollen. Jeder Level präsentiert eine eigene Flora und Fauna, schickt euch ein festes Kontingent an Missgeburten entgegen. Dadurch bringen die Entwickler wenigstens ein wenig Abwechslung ins Spiel, das euch mit seinen eingefahrenen Mechanismen ziemlich vertraut vorkommen wird.Na ja, sehr viele unterschiedliche Aufgaben habt ihr schließlich nicht zu erledigen: Es genügt schon, mit angespanntem Zeigefinger durch die Levels zu hetzen, die euch von einem Arenakampf in den nächsten stürzen.
Soll heißen: Sobald ihr einen Raum oder bestimmten Platz betretet, schließen sich die Türen hinter euch und das Spiel feuert nicht enden wollende Horden glühender Spießgesellen in eure Richtung. Wer hier bestehen will, braucht keine ausgeklügelte Taktik, sondern lediglich einen schnellen Finger und zuweilen auch eine Menge Dusel. Denn in Hinblick auf das Balancing verdarb uns das Spiel in der vorliegenden Betaversion noch kräftig den Magen. Selbst auf dem zweiten der insgesamt vier Schwierigkeitsgrade wurden wir hin und wieder förmlich überrannt. Erst mit Engelsgeduld und sehr viel Spucke ließen sich diese Abschnitte beenden, ohne dass die Maus aus dem Fenster flog. Der Kompass, der euch am oberen Rand den rechten Weg weist, verkommt in den linearen Levels fast schon zur Farce. An Speicherpunkten wird übrigens nicht nur der Spielstand gesichert, sondern auch eure Lebensenergie auf Vordermann gebracht. Eingeschworene Quick-Save-Nutzer können natürlich auch die F9-Taste abwetzen, was immer dann problematisch ist, wenn ihr von Höllenwesen umringt seid.
Einfach idyllisch, dieser Sonnenuntergang. Wären da bloß nicht die geifernden Unholde, die plötzlich überall auftauchen...
Was schon das Hauptprogramm sehr sympathisch machte, soll auch Overdose von der Masse abheben: Hier malträtiert ihr keine rostigen Berettas oder angelaufenen Macho-Pumpguns, sondern zieht mit wahrlich abgedrehtem Gerät in die Schlacht: Der Kopf einer Höllenkreatur spuckt einen sengenden Laserstrahl, im Sekundärmodus schreit sie ihre Wut in Dampfform heraus. Ein Gewehr feuert bündelweise gebrochene Knochen. Und ein satanischer Würfel zerfleischt das abstoßende Monsteraufgebot nach allen Regeln der Kunst.
Ersteindruck:
Ganz ehrlich: Painkiller Overdose gewinnt weder inhaltlich noch optisch einen Innovationspreis und hinkt der Hochglanz-Konkurrenz meilenweit hinterher. Hier erwarten euch keine knisternden Spannungsbögen oder besonders packenden Momente. Hier werdet ihr schon nach wenigen Sekunden in einen höllischen Strudel gezogen, in ein fantasievolles, aber technisch harmloses Fotoalbum dämonischer Unholde. Die Action ist geradlinig, das Gameplay einfach und der Zeigefinger im Dauereinsatz. Dafür kostet der bitterböse Spaß nur 30 Euro und spendiert euch ein Waffenarsenal, das ihr nicht jeden Tag in die Griffel bekommt. Obendrauf gibt's einen Mehrspielermodus, der sogar mit den Maps des Hauptprogramms kompatibel sein soll. Ich bin gespannt, was die restlichen Abschnitte zu bieten haben.