Die Diskussion um "Killerspiele" erregt weiterhin die Gemüter, auch über die Computerspielerszene hinaus. Wir haben Thomas Jarzombek (CDU) interviewt und nach seiner Meinung zu einem Verbot gefragt.
Wir sprechen nun mit Thomas Jarzombek(CDU), er ist Mitglied des Landtags in NRW und Beauftragter für Neue Medien der CDU-Fraktion. Er hat sich bereits zum Höhepunkt der Diskussion mit einer Pressemeldung zu Wort gemeldet. In einer
Pressemitteilung forderte er ein
Elternverbot statt Computerspieleverbot. Wir wollten wissen was dahinter steckt und haben ihn zum Thema "Killerspiele" befragt.
OnlineWelten: Guten Tag Herr Jarzombek, vielen Dank dass Sie sich Zeit für unsere Fragen nehmen. Sie sind Abgeordneter der CDU im Nordrhein-Westfälischem Landtag und Beauftragter für Neue Medien der CDU-Fraktion. Worin bestehen dort ihre Aufgaben?
Thomas Jarzombek: Es geht im Wesentlichen darum, neue Themen zu entwickeln und die Rahmenbedingungen für die Firmen im Bereich der Neuen Medien zu verbessern. Dabei bin ich aber auch für Jugendschutz zuständig und habe immer einen kritischen Blick auf neue Entwicklungen.
OnlineWelten: Sie betonen in einer Presseerklärung, dass Medien und Jugendschutz Aufgaben der Länder sind. Erklären Sie unseren Lesern doch bitte wie das von statten geht, schließlich sieht jeder Bürger das gleiche in der ARD und bekommt auch exakt die gleichen Spiele mit der gleichen Alterskennzeichnung.
Thomas Jarzombek: Nicht ganz. In Nordrhein-Westfalen empfängt man WDR, in Bayern den BR, usw. Die ARD-Zentrale ist aufgebaut wie ein mittelständisches Unternehmen mit gerade 100 Mitarbeitern, fast alle Inhalte kommen von den Ländern. Traditionell sind Medienangelegenheiten Ländersache, vor allem um einen Pluralismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu erhalten. Nach der NS-Zeit war es für den Gesetzgeber ein sehr wichtiges Ziel, dem öffentlichen Rundfunk eine gewisse Unabhängigkeit von der Regierung zu geben, damit der Rundfunk nicht mehr wie von den Nazis instrumentalisiert werden kann; hier hat sich die Verteilung der Sendemacht auf die 16 Bundesländer bewährt. Es geht aber auch darum, die regionale Berichterstattung sicherzustellen.
OnlineWelten: Ist es nicht unsinnig gerade in den Zeiten des Internets - Aufgaben des Jugendschutzes im Umgang mit den Medien auf einzelne Bundesländer zu verteilen?
Thomas Jarzombek: Das wäre es in der Tat, da Computerspiele in der Regel keinen regionalen Bezug haben. Daher haben sich die Länder bei den Alterfreigaben der Computerspiele bei der USK und der noch recht jungen KJM (Kommission Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten) zusammengeschlossen, denn unterschiedliche Bewertungen in den Ländern wären kaum sinnig. Übrigens arbeitet die USK unter Federführung von NRW, dazu ist mit Herrn Hilse ein sehr engagierter und fähiger Mitarbeiter unseres Ministeriums dauerhaft zur USK entsandt.
OnlineWelten: CDU / CSU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, über ein Verbot von Killerspielen zu diskutieren. Im Jahr 2002 verstand man in einem Gesetzesentwurf darunter noch Spiele wie Laserdome oder Gotcha. Heute werden damit wohl auch Computerspiele damit gemeint, welche denn genau? Woran erkennt man diese Killerspiele?
Thomas Jarzombek: Das frage ich mich auch. Ich würde mir wünschen, dass die ganze Diskussion sachlicher und weniger hysterisch geführt würde. Dazu gehört vor allem, erst einmal wieder zu sachlichen Begriffen zurückzukehren anstatt zu Vokabeln wie Killerspiele.
OnlineWelten: Sind Vokabeln wie Elternverbot, ein Begriff den Sie erfunden haben, denn sachlicher als das Schlagwort Killerspiele oder wollten Sie sich so Gehör verschaffen bei der Presse die gerne auf so populistische Phrasen anspringt?
Thomas Jarzombek: Sicherlich war dies auch keine sachliche Aussage. Nur ist die ganze Diskussion vor allem auch wegen des griffigen Wortes "Killerspiel" angesprungen, da wird man dann leider mit rein sachlichen Aussagen nicht wahrgenommen. Ich möchte damit das Thema Elternverantwortung in die Diskussion einbringen, was wohl auch gelungen ist. Immer mehr Medien hinterfragen die Position des Verbotes und fragen kritisch nach, wie denn eigentlich die Rolle

der Eltern zu bewerten ist.
OnlineWelten: Einige Punkte im Koalitionsvertrag wie, Altersgrenzen für die Freigabe von Filmen und Spielen/Alterskennzeichnung von Computerspielen existieren doch schon längst. Die USK vergibt seit April 2003 verbindliche Alterskennzeichnungen und empfängt Lob aus allen Branchen. Weisen solche Punkte nicht auf die Inkompetenz der Politiker hin, die solche Forderungen stellen oder diese Themen diskutieren wollen?
Thomas Jarzombek: Wie man hört, wurden wohl die 140 Seiten der Koalitionsvertrags in den letzten Tagen erst niedergeschrieben und beschlossen. Da ruft dann manchmal jemand aus dem off solche Begriffe herein, die dann leider unkritisch übernommen werden, da sich die Spitzenpolitiker hauptsächlich auf die großen Themen stürzen. Ich stimme Ihnen bei Ihrem Lob zu und sehe keinen Handlungsbedarf des Gesetzgebers, dafür um so mehr bei den Eltern, die ihre Kinder an PC und Konsole abschieben um sich das Leben komfortabler zu gestalten.
OnlineWelten: Bisher gibt es keine Beweise dafür, dass sich Videospiele langzeitig auf das Verhalten von Jugendlichen auswirken. Wissenschaftler widersprechen sich in ihren Studien dauernd und kommen nicht wirklich zu einer Lösung. Ist es denn normal, dass Gesetze auf wagen Vermutungen beschlossen werden?
Thomas Jarzombek: Gesetze werden zum einen aufgrund sachlicher Notwendigkeiten beschlossen, andererseits aber auch wenn eine Mehrheit dies fordert dies bringt Demokratie eben mit sich. Daher ist hier aufklärende Arbeit absolut notwendig. Ich möchte damit aber Gewaltspiele nicht verharmlosen und halte Altersfreigaben für unerlässlich. Die Einhaltung lässt sich aber nicht in den Läden durchsetzen, da die meisten Gewaltspiele von den Kids raubkopiert werden. Hier sind die Eltern gefragt.
OnlineWelten: Verdeckt die Diskussion über ein Verbot von Killerspielen nicht Probleme, die Jugendliche viel mehr zusetzen oder auch mehr zur Gewaltbereitschaft junger Erwachsener beitragen? Denken Sie nicht, dass die Auswirkungen von sozialer Ungerechtigkeit oder fehlender Perspektiven deutlich schwerer wiegen?
Thomas Jarzombek: Soziale Ungerechtigkeit ist ein ähnlich polemischer Begriff wie Killerspiele. Es geht uns vor allem um Chancengerechtigkeit. Was der einzelne daraus macht, kann und darf der Staat nicht bis ins letzte Detail regeln, sonst verlieren wir unsere freiheitliche Gesellschaft. Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen hat eine Vielzahl von Gründen, dazu können auch Computerspiele gehören. Aber nur dann, wenn die damit verbrachte Zeit unverhältnismäßig wird und auch keine sozialen Kontakte mehr stattfinden. Gerade bei Jugendlichen sehe ich hier die Eltern in der Pflicht, einerseits mit den Kindern über das im Spiel erlebte zu reden, um die Emotionen zu verarbeiten. Andererseits müssen Eltern auch irgendwann den Stecker ziehen, wenn sonst regelmäßig 10-Stunden-Sitzungen vor den Spielen verbracht werden. Das gilt dann aber genauso für Half Life wie für Sim City.
OnlineWelten: Jugendschutzexperte und Kommunikationsrechtler Hubertus Gersdorf sagte einmal, dass unter dem Deckmantel des Jugendschutzes gerne Erwachsenenschutz betrieben wird. Wie stehen Sie dazu und wäre das bei einem Verbot von Killerspielen der Fall?
Thomas Jarzombek: Diese Einschätzung teile ich. Mit fällt es schwer zu glauben, dass Schüler mit gefälschtem Ausweis bei USK18-Spielen die Kassiererin auszutricksen versuchen, vor allem dann, wenn diese noch 60 oder 70 Euro kosten. Ich kenne eine ganze Reihe anständiger Leute, die manchmal nächtelang Halo, Far Cry, etc. spielen. Solange man dabei die Kontrolle behält finde ich das in Ordnung. Letztlich muss das aber jeder selbst entscheiden, dafür ist man schließlich erwachsen. Das dies aber manchen selbsterklärten Gutmenschen ein Dorn im Auge ist, lässt sich wohl nicht bestreiten.
OnlineWelten: Sie haben in die Diskussion um die Forderung eines Verbots von Killerspielen eingegriffen. Wie sehen denn Ihre Lösungsvorschläge aus?
Thomas Jarzombek: Wir brauchen eine Kampagne, um die Eltern mitzunehmen. Ich glaube dass es für Eltern eine gute Idee ist, sich für ein oder zwei Stunden zu seinen Kindern zu setzen und einfach einmal mitzuspielen. Damit bieten sich Eltern auch als Gesprächspartner an, um bei der Verarbeitung der die im Spiel aufkommenden Emotionen als Partner aufzufangen ohne erhobenen Zeigefinger. Und in Extremfällen sollten Eltern wie gesagt auch mal den Mut haben den Stecker zu ziehen.Wir machen hier schon eine ganze Menge, von Broschüren bis zu Schulungen bei den Volkshochschulen. Das scheint aber alles noch nicht zu reichen, denn 86,5% aller Mütter und 70,7% aller Väter haben noch nie mit Ihren Kindern am Computer gespielt; laut einer Studie der Uni Bielefeld. Wir brauchen hier also eine Kampagne die wirklich schockieren muss, anders kommen wir an die Eltern offenbar im großen Stil nicht heran.
OnlineWelten: Was wären die Auswirkungen eines Verbots von Killerspielen?
Thomas Jarzombek: Die Jugendlichen würde das nicht weiter stören, denn die Cracker-Sites lassen sich durch solche Vorhaben kaum beeindrucken und DVD-Brenner möchte nun auch niemand ernsthaft verbieten. Es würde aber einen Eingriff in die Medienvielfalt bei Erwachsenen bedeuten. Damit kommen wir in einen Bereich der Zensur, die hier willkürliche Grenzen setzen würde. Ich halte dies grundsätzlich für gefährlich, wenn der Staat seinen Bürgern bestimmte Medien untersagt.
OnlineWelten: Wir bedanken uns für die aufschlussreichen Antworten und hoffen, dass Sie Ihre Meinung auch noch in Zukunft energisch vertreten können und werden.
Thomas Jarzombek: Ich danke für das Interview.