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Kai Gehring (MdB) im Gespräch

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Onlinewelten: Ob Videospiele mit gewalttätigem Inhalt, brutale Kinofilme oder einfache Prügel-Videos auf Handys, die Vielfalt an derartigem Material ist groß und nicht nur auf "Killerspiele" begrenzt. Oft wird von einer fehlenden Medienkompetenz gesprochen. Eine Folge der Ellbogen-Gesellschaft?

Kai Gehring: Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Man kann sich fragen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher auf dem Arbeitsmarkt und dem Interesse an Gewaltdarstellungen als Flucht aus der Realität gibt. Medienkompetenz wird besonders dann relevant, wenn es um Suchtverhalten geht. Isolierter und exzessiver Konsum von Gewaltdarstellungen kann dann zum Problem werden, wenn er mit sozialer Isolation gepaart ist.
Die Förderung von Medienkompetenz darf sich dabei keinesfalls nur auf junge Menschen beschränken. Die digitale Spaltung besteht besonders zwischen den Generationen. Viele Neunjährige kennen sich mit neuen Medien besser aus als ihre Eltern und Lehrer.

"Medienkompetenz wird besonders dann relevant, wenn es um Suchtverhalten geht. Isolierter und exzessiver Konsum von Gewaltdarstellungen kann dann zum Problem werden, wenn er mit sozialer Isolation gepaart ist."

Onlinewelten: Überforderte Lehrer, die mit der modernen Technik nicht Schritt halten, desinteressierte Eltern und perspektivlose Jugendliche - eine Mischung, die zwar nicht die ganze Gesellschaft wieder spiegelt, dennoch ein Pulverfass ist. Wie können die Familien erreicht und die Lehrer motiviert werden?

Kai Gehring: Es muss da verschiedene Angebote für die unterschiedlichen Zielgruppen geben. Medienprojekte beginnen am besten schon im Kindergarten. Dort sind die meisten Eltern auch noch ansprechbarer als später in der Schule.
In der Lehrerausbildung und Jugendarbeit muss Medienpädagogik ein ebenso fester Bestandteil werden wie in der Fortbildung. Ich habe die Hoffnung, dass der Lehrernachwuchs da offener ist als viele ältere Kollegen. Da spielt nämlich bisher auch die Befürchtung eine Rolle, durch das Zugeben von Wissensdefiziten an Autorität zu verlieren.

Onlinewelten: Auf der Games Convention können sich Lehrer auf der GC Family die Zukunft der Videospielindustrie und spezieller Lernmethoden zeigen lassen. In Sachsen ist dies sogar als Fortbildungsmaßnahme anerkannt. Ein Schritt in die richtige Richtung?

Kai Gehring: Natürlich bringen uns solche Projekte weiter. Kontinuierliche Medienbildung darf aber keine rühmliche Ausnahme sein, sondern muss zur Regel werden.

Meist bringen Verbote wenig, denn was indiziert ist, wird für viele Spieler noch verlockender.

Onlinewelten: Ein Verbot ist für Kinder und Jugendliche oft eine noch größere Verlockung. Wer wollte früher nicht gerne das indizierte Doom besitzen? Gerade weil es indiziert und nicht erhältlich war, wurde es für viele sehr interessant. Längst sind die Datenleitungen auf Hochgeschwindigkeit ausgelegt, ein Videospiel binnen Stunden auf die Festplatte geladen - würde ein Verbot überhaupt eine Wirkung haben?

Kai Gehring: Verbote, die über die bisherigen Regelungen hinausgehen, sind gerade deshalb wenig wirkungsvoll. Computerspiele sind Teil der Jugendkultur. Es ist für uns Grüne genauso wichtig, dass Gewalt und Kriegsverherrlichung in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen hat. Der erfolgversprechendere Weg ist jedoch die Förderung von sinnvollen Alternativen und die Steigerung der Medienkompetenz aller Generationen. Wir wollen beispielsweise an einem Gütesiegel für "gute" Computerspiele arbeiten.
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Kommentare

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  • 30.11.2006 - 20:09 Uhr Alexander Glup

    Super I-view!!!!!

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