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Kai Gehring (MdB) im Gespräch

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Onlinewelten: Zunächst vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um uns zu dem Thema "Killerspiele - Eine Gefahr für die Jugend?" Rede und Antwort zu stehen. Sicherlich werden Sie als jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion einigen Lesern bereits bekannt sein, stellen Sie sich am besten dennoch einmal kurz vor.

Kai Gehring: Ich freue mich, hier die Position der Grünen vertreten zu können. Ich begrüße dies umso mehr, weil nach dem schrecklichen Gewaltausbruch von Emsdetten unsere Argumente nicht so leicht Gehör finden wie populistische Verbotsforderungen der Konservativen.
Zu meiner Person: Ich bin 28 Jahre alt und bin seit 1 Jahr Mitglied des Bundestages. Dabei vertrete ich neben meinen Fachbereichen auch das Ruhrgebiet und meine Heimatstadt Essen im Bundestag. Vor meiner Wahl habe ich Sozialwissenschaften studiert. Neben meinen Schwerpunkten in der Bildungs- und Jugendpolitik ist mir die Durchsetzung einer generationengerechten Politik ein wichtiges Anliegen. So setze ich mich besonders für bessere Bildungschancen ein.
Zu meinen Themen gehören auch der Jugendmedienschutz und die Förderung von Medienkompetenz. Mit den so genannten "Killerspielen" habe ich mich deshalb intensiv auseinandergesetzt. Gemeinsam mit unseren Medienpolitikern habe ich ein ausführliches Positionspapier dazu erarbeitet, dass unsere Fraktion bereits im Januar dieses Jahres beschlossen hat.

Kai Gehring ist seit gut einem Jahr Mitglied des Bundestages und setzt dabei auf die Schwerpunkte Bildungs- und Jugendpolitik.

Onlinewelten: Durch den Amoklauf oder besser gesagt dem School
Shooting der vergangenen Woche in Emsdetten ist die Diskussion um so genannte Killerspiele neu entflammt. Unter Anderem Günther Beckstein (CSU) und Edmund Stoiber (CSU) fordern wieder vehement ein striktes Verbot von Spielen in denen Gewalt verherrlicht wird. Was halten Sie von derartigen Forderungen?

Kai Gehring: Es ist wichtig festzustellen, dass Gewalt verherrlichende Darstellungen bereits laut Paragraph 131 des Strafgesetzbuches verboten sind. Deutschland hat zudem im internationalen Vergleich einen besonders rigiden Jugendmedienschutz. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass mit billigen Verbotsforderungen von den eigentlichen Versäumnissen und Herausforderungen in der Jugend-, Bildungs- und Medienpolitik abgelenkt werden soll.
Wir Grüne meinen, dass isolierte Verbote angesichts der weltweiten Vernetzung weitgehend wirkungslos bleiben. Vielmehr würden Verbote eher noch den Reiz des Spielens erhöhen. Vor allem aber gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass so genannte "Killerspiele" tatsächlich Gewalthandeln auslösen.

Onlinewelten: Im Gespräch mit der Financial Times Deutschland forderte Beckstein eine stärkere Kontrolle der Internets durch die Polizei - er sprach sogar von einem "virtuellen Streife laufen". Ein Schritt in die richtige Richtung oder vollkommen an der Sache vorbei?

Kai Gehring: Als Jugendpolitiker ist für mich ganz klar, dass der bestehende Jugendmedienschutz konsequent durchgesetzt werden muss. Dabei wird selbstverständlich auch schon jetzt das Internet beobachtet. Es wäre aber schlichtweg falsch, eine Komplettüberwachung oder Zensur des Internets anzustreben, wie es viele Unionspolitiker wollen. Dies ist eher dazu geeignet Bürgerrechte und Medienvielfalt massiv zu gefährden. Wir brauchen eine Debatte um mehr Medienkompetenz und eine Kultur des Hinsehens im persönlichen Umfeld. Hierfür tragen wir alle Verantwortung, auch die Gamer-Community ist hier gefragt.

Für Kai Gehring liegt die Verantwortung auch bei der Gamer-Community, um eine Kultur des Hinsehens zu schaffen und die Medienkompetenz zu stärken.

Onlinewelten: In Deutschland driften die Schichten immer weiter auseinander und oftmals bleiben viele Kinder und Jugendliche in den modernen Großstädten sich selbst überlassen. Als die Gewalt an der Berliner Rütli-Schule in den Medien fokussiert wurde, war der Aufschrei groß - wie kann der Gewalt entgegengewirkt werden?

Kai Gehring: Gewalt unter Jugendlichen hat viele Ursachen. Hier sind neben der Politik auch Schulen und Eltern gefordert. Eltern müssen den "Mut zur Erziehung" haben. Das lässt sich auch auf die aktuelle Debatte anwenden: Gerade bei Kindern geht es darum, auch mal "Nein" zum Medienkonsum zu sagen und Alternativen anzubieten, anstatt Fernseher und Computer als Babysitter zu nutzen. Es muss darum gehen, die Erziehungs- und Medienkompetenzen der Eltern zu stärken.
Die Pisa-Studie hat gezeigt, dass die soziale Herkunft über die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen entscheidet. Bildungspolitik kann - zum Beispiel durch flächendeckende Kinderbetreuung und Ganztagsschulangebote - einen Beitrag dazu leisten, dass Kinder und Jugendliche nicht sich selbst überlassen bleiben und bessere Chancen bekommen. Daher ist es inakzeptabel, dass zahlreiche Bundesländer die Mittel für Jugendarbeit zusammenstreichen.
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Kommentare

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  • 30.11.2006 - 20:09 Uhr Alexander Glup

    Super I-view!!!!!

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