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Georg Herrnleben steht Rede und Antwort

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OnlineWelten: Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um uns die folgenden Fragen zu beantworten. Stellen Sie sich und Ihre Tätigkeit bitte zunächst einmal für unsere Leser vor.

Georg Herrnleben: Ich bin als Regional Manager der Business Software Alliance in Zentraleuropa für alle Aktivitäten der BSA in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz zuständig. Ich koordiniere unsere Rechts-, Marketing- und PR-Aktivitäten und wirke aktiv bei der europäischen Planung in unserer Londoner EMEA-Zentrale mit.

OnlineWelten: Die Business Software Alliance ist vielen unserer Leser hauptsächlich durch den Namen bekannt, doch kaum jemand hat konkrete Vorstellungen über die Arbeit der BSA. Wie werden die Interessen der Mitglieder vertreten und wie darf man sich die Zusammenarbeit mit den ermittelnden Behörden vorstellen?

Georg Herrnleben: Die BSA ist der Industrieverband der Softwarehersteller. Wir beraten Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu strategischen Fragen der IT-Industrie, nehmen an der öffentlichen Diskussion zu Themen wie geistigem Eigentum, Urheberrecht oder Vergütungssystemen für geschützte Inhalte teil und stellen Verbrauchern bei den Themen Softwaremanagement, Online-Sicherheit und E-Commerce Hilfe und Informationen zur Verfügung.Die BSA und ihre Mitglieder unterstützen die Strafverfolgungsbehörden mit eigener Ermittlungstätigkeit, Gutachten und Strafanträgen. Erforderlichenfalls können Sachverständige die Polizei bei Durchsuchungen begleiten und Beweismaterial auswerten. Neben den Strafverfahren gehen die BSA und ihre Mitglieder auch selbst mit einstweiligen Verfügungen und Zivilklagen gegen Urheberrechtsverletzungen vor.

OnlineWelten: Das Problem von Raubkopien ist länderübergreifend und bei Fällen wie der "Operation Fastlink" wird die internationale Verflechtung der Tauschnetzwerke deutlich. Die Business Software Alliance ist durch die internationale Tätigkeit intern bestens für die Verfolgung gerüstet. Läuft die Zusammenarbeit mit den Behörden ebenso reibungslos ab, wenn eine Aktion international vorbereitet werden muss?

Georg Herrnleben: Gerade im Fall "Fastlink" hat die BSA länderübergreifend mit den Ermittlern zusammen gearbeitet, die in elf Ländern zeitgleich 120 Durchsuchungen durchführten und die Piraterieringe "Fairlight", "Kalisto" und "Echelon" aushoben. Sicherlich ist diese Art von Aktion mit mehr Aufwand verbunden, doch wenn wie in diesem Fall Raubkopien im Wert von 50 Millionen Dollar beschlagnahmt wurden, ist es die Arbeit wert.

OnlineWelten: In den Medien wird meist nur über Kopien von Spielen, Audio-CDs, Film-DVDs und Software für den Heimanwender berichtet, dass auch große Firmen Kopien verwenden wird nur selten thematisiert. Im vergangenen Jahr geriet die Firma Crytek, die Entwickler von FarCry, in die Schlagzeilen, da das Unternehmen Raubkopien verwendet haben soll. Handelt es sich dabei um Einzelfälle oder sind die Probleme in diesem Segment ebenso groß?

Georg Herrnleben: Leider ist der Anteil unlizenzierter Software im gewerblichen Umfeld ähnlich hoch. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben oft keine gute Übersicht über ihre Bestände. In manchen Fällen glauben die IT-Leiter oder Geschäftsführer vielleicht auch, Kosten sparen zu können, indem sie beim Software-Einkauf sparen und illegal vervielfältigen. Dies ist doppelt schädlich, da es wettbewerbsverzerrend wirkt und somit nicht nur Hersteller, Händler und IT-Häuser schädigt, sondern auch die Mitbewerber der unterlizenzierten Firmen ungerechterweise unter Druck setzt.

OnlineWelten: Für Jugendliche ist das Kopieren von digitalen Datenträgern längst zu einem Sport geworden. Seit dem 13. September 2003 müssen Raubkopierer mit Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren rechnen und zahlreiche Werbekampagnen sollen Raubkopierer einschüchtern.

Georg Herrnleben: Hier muss klar unterschieden werden zwischen Raubkopieren, die Geld mit ihrem illegalen Tun verdienen wollen und normalen Verbrauchern, die - teils durch Unwissen, teils durch Gedankenlosigkeit - in eine rechtliche Schieflage zu geraten drohen. Wer mit gewerblicher Absicht illegal kopiert, muss mit der ganzen Härte des Gesetztes verfolgt werden, wie jeder andere Kriminelle auch.

Das Problem der unlizenzierter Kopien kann man aber nur dadurch
angehen, dass man den Wert geistigen Eigentums und kreativer Werke wieder ins Gedächtnis ruft. Zu oft ist etwa einem Schüler oder Studenten, der sich eine Kopie von einem Freund "zieht", nicht klar, dass er damit einen echten, geldwerten Schaden anrichtet. Damit trifft er nicht etwa ein gesichtsloses Unternehmen irgendwo im Ausland, sondern ganz konkret die deutsche Wirtschaft. Einer Studie der IDC zufolge könnten in der IT-Industrie hierzulande 40.000 Arbeitsplätze durch eine Reduktion der Piraterierate um 10 Prozent erreicht werden. Wer also eines Tages in der Musik-, der Film- oder IT-Branche arbeiten will, der schadet hier massiv seinem möglichen zukünftigen Arbeitgeber.

Um diese Zusammenhänge klar zu machen, regen wir mit Aktionen wie dem "BSA Forschungspreis" in Kooperation mit der Ludwig-Maximilans-Universität zum Nachdenken auf. Wir hoffen, dass sich damit langfristig ein Umdenken in der Gesellschaft erzielen läßt.

OnlineWelten: Haben Sie Verständnis für Jugendliche, die auf Kopien zurückgreifen, da die Original-Versionen selbst mit einer Schüler-Lizenz sehr teuer sind und die Beschaffung über das Internet so schnell und einfach ist? Welche Strafen erwarten schon Jugendliche, die sich kopierte Software aus dem Internet herunterladen?

Georg Herrnleben: Hier könnte ein Vergleich weiterhelfen. Hätten Sie Verständnis, wenn ein Jugendlicher einen PC im Laden stiehlt, weil dieser Geld kostet? Gerade Schüler und Studenten können über ihre Schule oder Universität oft beinahe kostenlos an Studentenversionen von Software kommen, um ihre Ausbildung damit zu erleichtern.
Das Urheberrechtsgesetz sieht für Urheberrechtsverletzungen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor. Nach dem Jugendgerichtsgesetz können gegen Jugendliche wegen Urheberrechtsverletzungen Erziehungsmaßregeln, Verwarnungen, Auflagen, Jugendarrest und im Extremfall bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug verhängt werden. Art und Umfang der Sanktion hängen immer von den Umständen des Einzelfalls und der persönlichen Schuld des Täters ab, so dass keine allgemeingültige Aussage darüber möglich ist, welche Strafen verhängt werden.

OnlineWelten: Auf der Website der BSA gibt es die Möglichkeit, dass man Softwarepiraterie melden kann. Konnten Sie durch diese Möglichkeit bereits große Vergehen feststellen? Wer nutzt in erster Linie diese Möglichkeit, um auf Vergehen aufmerksam zu machen?

Georg Herrnleben: Die Hinweise, die bei der BSA eingehen, sind ein wesentlicher Teil unserer Ermittlungsarbeit. Es sind vor allem IT-Mitarbeiter in Unternehmen, die sich an uns wenden, da sie sich darüber im Klaren sind, dass sie selbst in der rechtlichen Verantwortung stehen könnten, wenn sie unterlizenzierte Systeme betreuen. Oftmals erhalten sie aber von ihren Vorgesetzten die Order, nichts zu unternehmen, um Kosten zu sparen. In dieser Zwickmühle ist die BSA ein guter Ansprechpartner. Andere Hinweise erhalten wir beispielsweise von Wettbewerbern, die es nicht akzeptieren, dass konkurrierende Unternehmen mit illegaler Software arbeiten und sich hierdurch einen unlauteren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

OnlineWelten: Sie vertreten Software-Hersteller auf der ganzen Welt. In Deutschland wurde vor kurzer Zeit die Website Bockwurst.dl.am geschlossen, Rechner beschlagnahmt und die Wohnungen der Betreiber durchsucht. Wie werten Sie diesen Schlag gegen den organisierten Vertrieb von Software über das Internet?

Georg Herrnleben: Die Schließung der Bockwurst-Site ist mehr als nur ein Achtungserfolg. Rechtinhaber und Strafverfolgungsbehörden beweisen immer öfter, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich sind. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass wir technologisch aufgerüstet haben und immer stärker in die Verfolgung illegaler Angebote investieren. Natürlich werden fehlgeleitete Enthusiasten und Kriminelle immer wieder Warez-Sites aufzustellen versuchen, und einige werden dabei auch Erfolg haben. Aber wir haben gezeigt: wir sind da und wir können uns zur Wehr setzen.

OnlineWelten: In den letzten Jahren stiegen die Ermittlungsaktivitäten deutlich an. Die aktuelle Kriminalitätsstatistik weist 2623 Fälle mit einer Aufklärungsquote von 97 Prozent aus. Darf man angesichts dieser Zahlen davon sprechen, dass das Eis für Raubkopierer immer dünner wird oder sind die gestiegenen Zahlen mit erhöhten Urheberrechtsverletzungen in Relation zu setzen? Werden die Ermittlungen im Internet durch die zunehmende Verlagerung von dem Vertrieb über FTP-Server in Tauschnetzwerke schwieriger?

Georg Herrnleben: Die Kompetenz und Aktivität der Strafverfolgungsbehörden im Bereich Internetkriminalität nimmt allgemein zu. Wer ertappt wird, muss mittlerweile mit empfindlichen Strafen rechnen. Auch die Nutzung von Tauschbörsen kann hier nichts ändern: die internationale Gesetzeslage harmonisiert sich zunehmend und ahndet auch diese Art illegaler Angebote.

OnlineWelten: Im Kampf gegen Softwarepiraterie mitzuwirken wird für Sie wohl kaum ein Kindeswunsch gewesen sein. Sie waren lange Zeit im IT-Segment tätig. Wie kam es dazu, dass Sie sich für eine Stelle bei der BSA bewarben?

Georg Herrnleben: Ich war jung und ich brauchte das Geld.... Aber im Ernst: Ich habe vor meiner Tätigkeit bei der BSA in den Medien - und übrigens auch in der Gamesbranche - gearbeitet. Mich hat seit jeher das kreative Potential dieser "jungen" Industrie fasziniert. Insofern empfinde ich das was ich tue - nämlich einen Beitrag zum Schutz des geistigen Eigentums und der Kreativität zu leisten - als eine sehr positive und erfüllende Aufgabe.

OnlineWelten: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, um uns diese Fragen zu beantworten. An dieser Stelle können Sie sich in einigen Sätzen noch direkt an unsere Leser wenden, um vielleicht einen Appell zu starten.

Georg Herrnleben: Vielleicht nur so viel: Mir ist klar, dass eine CD schnell gebrannt ist und die Angebote verlockend sind. Filme, Musik, Software und Spiele - manchmal denkt man sich, dass es das alles zum Nulltarif gibt. Aber denkt einmal daran, wie viele Menschen in diesen Branchen arbeiten. Ich rede hier nicht von denen in den Chefsesseln, sondern von vielen Entwicklern, Musikern, Autoren, Produkt Managern, Marketing- und Vertriebsleuten. Sie alle wollen von Ihrer Arbeit leben. Das kann aber nur funktionieren, wenn ihre Arbeit nicht gestohlen wird und man sie für ihre Leistungen auch respektiert.
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