Knut und Flocke überall. Die massive Medienpräsenz von Jungtieren zeigt, dass kaum jemand flauschigem Fell und großen Kulleraugen widerstehen kann. Wer im Winter keine Lust auf einen Zoobesuch hat, kann bald seinen eigenen virtuellen Tierpark auf dem DS leiten.
Spätestens seitdem läufige Eisbärinnen in Deutschland Nachwuchs am laufenden Band produzieren, erleben die zahlreichen Zoos und Tierparks der Republik eine Renaissance. Am PC ließ sich dieser Trend schon vor dem Eintreffen der weißen Fellknäuel absehen. Wie sonst kann man erklären, dass seit Microsofts Zoo Tycoon immer neue Tierparkmanager mit möglichst süßer Grafik veröffentlicht wurden? Vom Redmonder Firmenkonzern kommt jetzt auch der Taschenknut. Der virtuelle Bärenstall für den DS soll Spielspaß, Management und Lerneffekt miteinander verbinden und stellt somit potentiell einen typischen Nintendotitel dar - Prädikat familienfreundlich.
Der süße Zeitgenosse braucht sich nicht hängen zu lassen, ihm geht es dank unserer Pflege sichtlich gut.
Schon das Hauptmenü stimmt aufs Thema ein: bunte Grafiken in Tatzenform und grasgrüne Hintergründe machen Lust aufs tierische Szenario. Dieses lässt sich wahlweise im Kampagnenmodus als freies Spiel oder für mehrere Spieler starten. In der Kampagne müssen Mission um Mission in vorgefertigten Zoos festgelegte Ziele erreicht werden. Als Belohnung winken freispielbare Extras. So kommt man an neue Einrichtungsgegenstände oder gar besonders attraktive Tiere wie Gorillas, Koalas und Pandas. Im fortgeschrittenen Spiel werden sogar ausgestorbene Tiere und Fabelwesen wie Triceratops und Einhörner aktiviert. In Sachen Artenvielfalt lässt es sich erst aus dem Vollen schöpfen, nachdem die Kampagne erfolgreich gelöst wurde und unsere Wissenschaftler ihre Forschungen abgeschlossen haben. Über 25 quirlige Viecher können wir dann in passende Umzäunungen stecken und hoffen, dass sie sich vermehren. Dabei hat das gesamte Tieralphabet vom afrikanischen Elefanten bis zum Zwergflusspferd eines gemeinsam - Schäferstündchen gibt es nur, wenn die Pfleglinge sich in ihren Gattern wohl fühlen.
Der Spielablauf der DS-Version ähnelt dem PC-Vorbild Zoo Tycoon 2 sehr. Im Gegensatz zu anderen Topmanagern haben wir natürlich nur das Wohl der Zoobewohner und ihrer Besucher im Sinne, doch ohne Geld lassen sich weder das Insektenhaus noch Gehwege instand halten. Sind wir genügend Kompromisse eingegangen und freuen uns über ein volles Konto, können wir uns und dem Tierpark etwas Gutes gönnen. Zahlreiche Objekte warten förmlich darauf, dass sie gekauft und platziert werden. Für die Tiere gibt es zum Beispiel acht verschiedene Unterstände sowie unterschiedliche Futterplätze und Spielzeuge. Außerdem lassen sich vom trockenen Savannenboden bis zum salzigen Meerwasser zwölf unterschiedliche Böden in den Gehegen verlegen. Was unsere pelzigen und geschuppten Schützlinge an Einrichtung bevorzugen, zeigt uns der Informationsbildschirm der jeweiligen Art, aus dem heraus wir entsprechende Objekte auch direkt anwählen und erwerben können.
Die meiste Zeit halten wir uns im unspektakulären Managementmodus auf, der eine hervorragende Übersicht gewährt.
Ähnlich einfach lassen sich Annehmlichkeiten für unsere Besucher platzieren. Vom Geldautomaten bis zur Spendenbox, vom Imbissstand zur Toilette haben wir auf dem Touchscreen in Windeseile einen eröffnungsbereiten Tierpark aus dem Boden gestampft.
So einfach wie die Platzierung der Wege und Gehege geht auch die Personalverwaltung vonstatten. Insgesamt zeichnet sich Zoo Tycoon 2 DS schon jetzt durch die durchdachte Steuerung und hervorragende Nutzung des Dualscreens aus. So bekommen wir im Kartenmodus lediglich recht trockene Grafik geboten, haben aber den perfekten Überblick mit einer Nahansicht auf dem Touchscreen und der Zookarte oder Detailinfos zu Objekten im oberen Bildschirm. Betrachten wir irgendetwas genauer, bekommen wir auf dem Touchscreen übersichtliche Daten geboten, während der zweite Monitor Zusatzinformationen oder 3D-Grafiken präsentiert. Hier sehen wir unsere Tiere auch mal von nahem und hören ihre typischen Geräusche. In diesem Bereich lockern außerdem Minispiele das Gameplay auf. So können wir bei unzufriedenen Tieren das Behagen steigern, indem wir sie abschrubben oder füttern, was gezielten und schnellen Touchpadeinsatz fordert.
Was auf den ersten Blick wie eine makellose Portierung vom PC auf die Minikonsole wirkt, hatte in unserer Preview-Version leider noch einige Kritikpunkte aufzuweisen. Im Vergleich zur PC-Ausgabe ist der Informationsgehalt beispielsweise stark zurückgegangen, wir vermissen ausführliche Hintergrundinformationen zu unseren Tieren. Das allein wäre noch zu verkraften, viel störender ist die Hintergrundmusik. Diese wiederholt sich alle paar Sekunden und tötet nach spätestens fünf Minuten den letzten Nerv. Ein Blick in die Spieloptionen zeigt, dass man hier so gut wie alles ein- und abstellen kann - nur das Gedudel nicht. Wenn bis zur Fertigstellung noch an derartigen Kleinigkeiten gefeilt wird, steht einer erfolgreichen Zooeröffnung jedoch nichts mehr im Wege.

Tiere und der Nintendo DS scheinen eine perfekte Kombination zu ergeben. Neben vielen belanglosen Casualgames kommt mit Zoo Tycoon 2 DS ein ernsthafter Managementtitel auf den Markt, der süße Fellknäul mit spielerischem Anspruch verbindet. In Verbindung mit den Minispielen entsteht so perfektes Entertainment für jede Altersklasse. Es wäre allerdings sehr erfreulich, wenn die Tierinformationen noch etwas ausführlicher gestaltet würden und die Hintergrundmusik sich abstellen ließe. Gehen diese Wünsche in Erfüllung, freuen wir uns schon auf den virtuellen Zoobesuch.