Es gab eine Zeit, in der Hulk Hogan noch nicht auf MTV zu sehen war. Eine Zeit, wo ein Yokozuna auch in Amerika bejubelt wurde. Eine Zeit, die es erlaubt hat, gestählte Männer in alberne, rosafarbene Kostüme zu stecken. Einfach eine Zeit, in der Legenden geschaffen wurden. Die Legends of Wrestlemania.
Beim Starten des Spiels bekam ich nicht bloß Gänsehaut, sondern wurde buchstäblich zum schnatternden Federvieh, das zu den Eingangsmelodien der alten Superstars gefeiert hat. Die Hulk Hogan-Eingangsmusik hätte mich fast ein T-Shirt gekostet, die Ultimate Warrior-Melodien sogar beinahe die Einrichtung. Ja, das Startbild stand sehr lang auf meinem Fernseher, um die Minuten der Vorfreude möglichst lang auszukosten. In meinem Kopf gingen so viele Dinge vor sich - schöne wie schlechte. Viele Fragen kamen wieder hoch. Warum zur Hölle wurde 1993 Tele 5 abgesetzt? Warum habe ich jahrelang kein RTL II empfangen? Warum wechselte die WWF überhaupt ständig ihren Programmplatz? Wieso sind die coolsten Wrestler zur WCW gewechselt? All diese Fragen, die meine Jugend begleitet haben, wurden nun wieder aufgeworfen. Doch jetzt kann ich alles nachspielen. Meine Vorfreude wird von der pulsierenden Halsschlagader begleitet und verleitet mich, nun endlich die verlockende Start-Taste zu drücken.
Gleich tuts weh - so ein Bodyslam auf die harte Matte ist recht schmerzhaft - zumindest soll es so aussehen.
Die Auswahl steht auf Exibition. Ich will aber direkt zu Wrestlemania. Ich will Razor Ramon mit Shawn Michaels im legendären Leitermatch besiegen. Ich will Yokozuna mit Lex Luger slammen. Ich will ein R.I.P.-Match mit dem Undertaker und dem ewig weinenden Paul Bearer erleben. Ich steuere also zielgerichtet auf den Wrestlemania-Modus und wähle den Punkt "Wrestlemania nacherleben" - der guten alten Zeiten wegen. Leider setzt das Spiel noch vor meiner persönlichen Zuschauerkarriere an und zeigt ein Video, das bei mir zu keiner Regung führt. Ich begann erst um das Jahr 1990 - mit dem Match zwischen dem Ultimate Warrior und Hulk Hogan - die WWF begeistert zu verfolgen. Dafür kann ja das Spiel nichts. "Immerhin kann ich ein bisschen Geschichte erleben" dachte ich dann. Bevor das Match startet, werden mir bestimmte Aufgaben vorgeschrieben, um den Kampf auf so einzigartige Weise zu gestalten, wie er einst im TV zu sehen war. Das Gerangel beginnt, ich lerne die Steuerung. Schlagen, Greifen, Rennen und Kontern bekommt man schnell auf die Reihe. Was mich aber von Beginn an stört ist, dass man nicht einfach die Steuerung des letzten Raw vs. Smackdown übernommen hat. Stattdessen wirkt es, als versuche THQ seine alt gewordene Zielgruppe zu schonen: Ein Tastendruck für eine Move-Kette, gefühlte vier Moves pro Level (zum Level gleich mehr) und Reversals im Casual-Easy-Modus (warte auf eine angezeigte Taste und drücke sie "schnell"). Das hat mich schon hart getroffen und meine nostalgische Freude angeschlagen. Ich raufe mich also durch die einzelnen Matches, bis ich endlich das erste persönliche Main-Event erreiche: Wrestlemania IV mit dem Kampf schlechthin. Die Begegnung, die mich in eine neue Welt warf. Eine Welt, die mich über Jahre an das Fernseh- und Videogerät fesselte.
Auch außerhalb des Ringes hauen sich die Kontrahenten mächtig auf die Zwölf
Noch bevor das Match startet, bekomme ich in Filmszenen zu Gesicht, wie es zu diesem denkwürdigen Tag kam. Eine Erinnerung knüpft sich an die nächste. Das Ende dieser Bilderschnipsel läutete meine Aufgaben ein. Die Vorgaben für dieses Match waren mir jedoch beinahe ungesehen klar. Neben anderen wichtigen Ereignissen stand dort sinngemäß: Stürze den Hulkamania mit einem Gorilla Press Slam. Natürlich hab ich dem alten Mann gezeigt, was so ein Metal-Clown mit einem Hulkster anrichtet. Das war schön. Nicht, weil das Spiel sich so gut spielt, sondern weil es ein Stück "eigene" Vergangenheit erlebbar machte.
Obwohl WWE: Legends of Wrestlemania nicht im Ansatz so viele Facetten wie Raw vs. Smackdown aufweist, bin ich gespannt auf die anderen Matches. Meine Wunschbegegnungen gab es allerdings nicht. Zumindest nicht jene, die sich über Jahre hinweg in meinem Kopf gehalten haben. Ein Razor Ramon wurde scheinbar nicht für würdig befunden, bei den Legenden mitzumischen. Ein Lex Luger scheint auch unwichtig - und ja, mir ist aufgefallen, dass er Yoko beim Summerslam besiegt hat. Owen Hart wurde wohl auch vorsätzlich ausgeblendet. Gäbe es denn eine bessere Methode, einem solchen Sportler die Ehre zu erweisen (Owen Hart starb während eines Stuntversuchs)? Man hätte wohl weitere Gelder an seine Witwe fließen lassen müssen, die sie womöglich auch noch in die "Owen Hart Foundation" gesteckt hätte. Verschwenderische Wohltäterin. Glücklicherweise wurden neuere Helden wie "The Rock", "Stone Cold Steve Austin" und "Shawn Michaels" bedacht. Sonst hätte ich den Blu-ray-Träger wohl gleich an die Wand geschmissen.