Two Worlds - Test
Gelungene Abenteuerkost für die Xbox?
Gleichwohl haben es die Entwickler leider versäumt, die Dramatik eines Baldurs Gate oder die Tiefe eines Elder Scrolls einzufangen. Nebenbei blieb die PC-Fassung nicht vor technischen Problemen verschont: Clippingfehler, KI-Aussetzer und Balancingschnitzer schrien geradewegs heraus, dass Two Worlds noch ein paar Monate Feinschliff hätte vertragen können. In unserem Review würdigten wir diese ordentliche, aber keineswegs herausragende Leistung mit 77%. Heute, nach knapp vier Monaten, erscheint die Fassung für die Xbox 360, die wir ebenfalls ins Testlabor zitierten.
Zunächst sei angemerkt, dass diese Version auf dem etwa ein GByte großen Service Release 1.5 basiert, das die meisten technischen Fehler im ewigen Datennirwana verschwinden ließ. Wer sich für die Änderungen im Detail interessiert, sollte sich auf unserer Netzwerkseite schlau machen. Inhaltlich handelt es sich aber logischerweise um ein- und dasselbe Spiel. Das Meckern über die erzählerischen sowie dramaturgischen Schwächen ersparen wir uns an dieser Stelle und legen euch stattdessen den umfangreichen Test der PC-Version ans Herz. Viel wichtiger: Wie fühlt sich Two Worlds auf der Xbox 360 an? Wie sieht es aus? Und werden Abenteurer mit diesem Paket glücklich?
Optisch hat das Spiel von Reality Pump auch auf der Konsole einiges zu bieten: Bewaldete Berghänge, die in dicht bewachsene Täler münden, vom wabernden Nebel umschlossene Schluchten, schneeweiße Gletschergebirge und knochentrockene Wüsten sind noch immer nett anzusehen, aber bei weitem nicht mehr so beeindruckend wie damals. Abgesehen vom Zahn der Zeit, der auch an der Optik von Two Worlds nagte, machen sich die üblichen technischen Patzer negativ bemerkbar. Gräser, Büsche, Felsen und Sträucher verkommen zu unschönen Popups, die sich ab einer bestimmten Entfernung ins Bild schieben. Zwar könnt ihr kilometerweit schauen und jeden noch so kleinen Baum am Horizont erkennen, sobald ihr jedoch einen Fuß vor den anderen setzt, entrollt sich vor euren Augen langsam ein bunter floraler Teppich. Selbst Gegner erscheinen mitunter erst wenige Meter, bevor ihr in ihre blitzblanken Klauen stolpert.
Das Figurenverhalten ist nicht sehr konsequent. Die Kerle laufen meist einfach nur stumm durch die Gegend. Die Illusion einer lebendigen Spielwelt wird dadurch schon früh zerstört.
Die Steuerung mit dem 360-Gamepad stellt euch vor keine größeren Hürden. Mit RT lasst ihr das Schwert tanzen oder Pfeile in Richtung Gegner schnellen. Der linke Analogstick dient dabei als Zielhilfe, sofern das Autoaiming ausgeschaltet ist. Sekundäraktionen wie Zauber oder Schleichen liegen auf LT und können mit dem Steuerkreuz selektiert werden. Aber spätestens im Inventar macht sich bemerkbar, dass Two Worlds auf dem PC zu Hause ist. Gerade beim Stapeln der Objekte werdet ihr die Maus-typische Drag&Drop-Funktion vermissen, mit der ihr in Sekundenschnelle bessere Items herstellt. Aber auch das Navigieren auf der Karte oder im Tagebuch fällt mit dem Gamepad etwas umständlich aus.
Ein großer Kritikpunkt der PC-Version war die Pferdesteuerung, die scheinbar geradewegs aus der Hölle kam. Hier haben die Entwickler kräftig nachgeholfen: Der Hengst bleibt jetzt nicht mehr an jedem kleinen Baumstumpf hängen und lässt sich wenigstens ansatzweise durch die Welt steuern. Zwar reagiert er auf die Bewegungen des Analogsticks sehr träge, aber für einen nachmittaglichen Ausritt ist der Klepper jetzt allemal zu gebrauchen.
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