True Crime: Hong Kong - Preview
Grand Theft Kung-Fu
Witzigerweise funktioniert dieser Vergleich auch zwischen der berühmt berüchtigten Grand Theft Auto-Reihe und dem von Activision vorgestellten True Crime. Klingelt's bei diesem Namen? Genau, gab es schon vor einigen Jahren für PC, PS2 und GameCube. Das neue True Crime hat mit diesen Altlasten aber nichts mehr zu tun, denn es geht um ein komplett neues Spiel. Genauer gesagt um den Protagonisten Wei Shen, der sich durch das virtuelle Hong Kong prügelt.
Kaum den Eindrücken der Video-Präsentation ausgesetzt, drängte sich der obligatorische Vergleich mit Rockstars Wunderkind auf. Der knallharte Undercover-Polizist bewegt sich durch eine offene, belebte Sandkastenstadt, deren Komplexität keinen Vergleich scheuen braucht, übt sich als Meister des Car-Jackings und pflegt regen Kontakt mit der Unterwelt. Nicht sonderlich aufregend, denkt man. Selbst bis zu dem Moment, an dem sich eine Horde zwielichtiger Gestalten über den Protagonisten hermacht. Sie sind klar in der Überzahl – oh ja, jetzt gibt es Prügel.
Doch während Nico Belic ohne Waffen die Agilität eines Kartoffelsacks beweist, lässt Wei Shen die Fäuste mit dem Geschick einer Katze fliegen. Und er beherrscht weit mehr als nur Handkanten-Chinesisch. Wenn er seinen Kontrahenten die Kauleiste vermöbelt, rutscht er auch gern mal mit den Gräten voraus über einen Tresen oder nimmt Schönheitsoperationen mit Präzisionswerkzeugen wie Kühlschränken, Treppengeländern oder Türknäufen vor. So ziemlich jeder Gegenstand, der in einem Raum zu finden ist, kann augenscheinlich als Todeswerkzeug dienen, solange es Wei Shen nur schafft, sich mit Akrobatik, Glück und haarscharfer Berechnung bis zum Objekt der Begierde durchzukloppen. Und um das ganze Geschehen übersichtlich zu halten, darf man die schönsten Knochenbrüche per Quick-Time-Event choreografieren. Wobei Quick hier das Stichwort ist, denn manchmal passiert alles so schnell: die Prügelknaben können ihm nicht mal aus-Wei-Shen... *schenkelklopf*
Nach dieser beispiellosen und sehr brutalen Massenprügelei wurde einem jedenfalls schlagartig klar, was die Entwickler von United Front Studios meinten, als sie von einem reichen und tiefen „Zu-Fuß-Gameplay“ sprachen. Während GTA erst durch die Aktionsmöglichkeiten der virtuellen Stadt Komplexität erreicht und Auseinandersetzungen immer gleich ablaufen, soll True Crime von Grund auf mehr Akzente beim Hauptdarsteller setzen. Statt Unmengen beliebiger Pixelmafiosi in die ewigen Jagdgründe zu befördern, bevorzugt unser Aushilfs-Jackie-Chan den persönlichen Schlagabtausch. Das wirkt nicht nur actionreicher, sondern auch näher am Geschehen und weniger austauschbar. Wobei sich letzteres erst noch beweisen muss. Noch war nicht genug von True Crime zu sehen, um auszumachen, ob die auf den ersten Blick sehr heftige, aber auch ungewöhnlich komplexe Nahkampfsteuerung auch nach zwanzig Missionen noch überraschen kann. Übrigens: Geschossen wird auch mal zwischendurch, und nicht zu knapp. Aber gegen die Prügeleien wirkt das harmlos. Höchstens die Free-Aim-Funktion wäre erwähnenswert, mit der man einzelne Gliedmaßen anvisieren kann, um Kontrahenten nur Bewegungsunfähig zu machen, statt sie umzubringen. Praktisch, wenn Kollegen von der Wache die Bude stürmen, aber die Undercover-Maskerade nicht auffliegen soll.
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