Tomb Raider: Anniversary - Test
Wieder in Topform?
In Anniversary springt Lara wieder wie in ihren alten Tagen. Kein Abgrund, den sie nicht überwindet; keine Leiter, die nicht zu erreichen ist.
Die Geschichte, die sie erzählt, ist eine alte. Ein antikes Kleinod, zerbrochen in vier Teile, soll sie finden. Dafür sammelt sie mehr Flugmeilen als deutsche Politiker, treibt sich auf der ganzen Welt herum, um ihren Widersachern einen Schritt voraus zu sein. Angestachelt von den Worten ihrer Auftraggeberin, begibt sich Lara auf die Suche nach den Splittern, die sie an bekannte Orte wie den verschneiten Tempel in Peru, alte ägyptische Grabstätten oder exotische Urwälder führen. Auch wenn die meisten Schauplätze sehr archaisch anmuten, werden sie doch durch eine moderne Optik auf den Fernseher gezaubert, die noch mal zeigt, was in den Schaltkreisen der von ihrem Nachfolger abgelösten Playstation 2 steckt. Trotzdem verloren die Macher nie den Blick fürs Wesentliche, ließen die grundlegende Architektur der Levels unangetastet, verpassten ihnen nur einen modernen Anstrich. Das Ergebnis: Selbst elf Jahre nach dem ersten Tomb Raider weht noch immer der Wind von damals, der Lara mit sanfter Stimme ins Ohr säuselt: "Hier bist du zu Hause, in dieser Umgebung wurdest du geboren, das ist deine Welt." Oh ja, nicht in Hochsicherheitsgebäuden, wo sie Laserschranken ausweichen muss, sondern in verfallenen Ausgrabungsstätten fühlt sie sich wohl. Wenn zwischen ihr und dem anderen Ende der Kluft nur ein schmaler Balken nach oben ragt, ist sie in ihrem Element. Erst wenn der Ausgang in schier unerreichbaren Höhen liegt, dann kann sie zeigen, was in ihr steckt.
Und genau das ist auch das Spannendste am ganzen Spiel: Die Suche nach dem Ausgang; das Streben, die nächste Plattform zu erreichen; der Weg auf immer höher gelegene Ebenen. Die Schießeisen kann Lara die meiste Zeit in den Halterungen lassen. Stattdessen muss sie wahnwitzige Sprünge meistern, an Wänden entlang krabbeln, über schmale Stege balancieren oder sich mit ihrem Greifhaken über Abgründe schwingen. Das Ganze erinnert freilich an Prince of Persia, spielt sich aber wesentlich weniger rasant. Nach kurzer Zeit geht das Aktionsrepertoire in Fleisch und Blut über; dabei ärgert man sich grün und blau, wenn aufgrund der hin und wieder ungünstigen Kameraperspektiven ein Hüpfer ins Leere geht.
Der Weg durch die weit verzweigten, mit grausamen Fallen und Sicherheitsvorkehrungen ausgelegten Gänge ist selten offensichtlich. Nur wer sich die Zeit nimmt, die Umgebung verinnerlicht und die örtlichen Gegebenheiten studiert, wird die manchmal auf den ersten Blick ausweglos erscheinenden Situationen bewältigen. Dabei verstehen es die Entwickler erstklassig, die Dame immer wieder aufs Neue in die Bredouille zu bringen. Durch die abwechslungsreiche Levelarchitektur werden die Geschicklichkeitseinlagen niemals langweilig, wirken zu keinem Zeitpunkt gestreckt.Manchmal muss Lara die Umgebung manipulieren, Objekte verschieben oder Schalter betätigen, um voranzukommen - mitunter sogar alles gleichzeitig. Daraus ergibt sich ein Rätseldesign, das stellenweise fast an die Güte eines Zelda - Ocarina of Time heranreicht. Wenn die Schatzjägerin in einem Raum durch das Senken und Heben des Wasserspiegels sowie das korrekte Positionieren von Objekten einen Weg nach oben finden muss, fühlt man sich automatisch wie Link, der den monumentalen Wassertempel durchquert. Fordernd sind diese Einlagen allesamt, aber niemals unfair oder frustrierend. Wer die grauen Zellen ein wenig strapaziert und den Blick über die teils ausladenden Areale schweifen lässt, findet immer eine Möglichkeit. Egal ob Vorsprünge, an dem sich die Archäologin festhalten, eine Stange, an der sie emporklettern oder einen Ankerpunkt, an dem sie ihren Greifhaken befestigen kann. Bei Denkblockaden hilft ein Blick ins Tagebuch, das stets einen knackigen Tipp parat hat, die Lösung aber nie vorweg nimmt.
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Tobias
31.05.2007, 18:21 Uhr
karolina
31.05.2007, 17:55 Uhr