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Plattformen:
PC
Release:
PC: 30. Juni 2006
Status:
keine Angabe
Publisher:
THQ
Entwickler:
Iron Lore
Genre:
Rollenspiel
USK:
Alle Altersstufen
Offizielle Seite:
titanquest.de
Fanseite:
keine Angabe
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Wolfgang Amann | 20.07.2006, 01:46 Uhr

Titan Quest - Test
Märchenstunde

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Griechenland gibt’s nur im Geschichtsunterricht? Falsch gedacht, denn mit Titan Quest bringt Iron Lore die antiken Helden auf den heimischen PC.
Wer heutzutage öffentlich mit Ritterrüstung herum läuft, gilt entweder als pervers, psychisch labil oder als hoffnungsloser Freak, der der guten alten Vergangenheit hinterher hängt. Sittenstrolche landen letzten Endes vor dem Gericht, Psychos hoffentlich im Sanatorium -Freaks sicherlich vor Titan Quest, das Anhängern von Action-Rollenspielen endlich wieder neuen Stoff bringt und somit vielleicht auch die Straßen frei von mindestens einer der oben beschriebenen Gruppierungen macht.

Kompliziert: Der Fähigkeitenbaum ist in Titan Quest um einiges anspruchsvoller als der Genrekonkurrenten.

Das Werk von Iron Lore präsentiert sich schon auf den ersten Blick als typischer Diablo 2-Ableger. Anstatt mit Barbaren gegen Baal anzukämpfen, versetzt einen Titan Quest eben ins Zeitalter der Antike nach Griechenland. Wer im Deutschunterricht fleißig aufgepasst hat, dem dürfe der Fehde zwischen Göttern und Titanen nicht fremd sein. In Titan Quest sind die vertriebenen Titanen aus ihrem ewigen Gefängnis entkommen und bringen jetzt bitteres Unheil über die gesamte Erde. Die Allmächtigen brauchen also einen strammen Helden, der den Titanen Widerstand leisten kann - wer liegt da näher als der Spieler? Und so verfällt man schnell wieder dem so genialen Diablo 2-Spielfluss: Plötzlich verbringt man Stunden damit, Monster niederzumetzeln, um eine Waffe zu finden, die noch ein Prozent mehr Angriffsgeschwindigkeit bringt und sich schließlich in einer der Städtchen mit Heiltränken eindecken. Danach geht's wieder weiter: Monster finden, töten, in der Stadt einkaufen - diesen Vorgang beliebig oft wiederholt ergibt das Prinzip von Titan Quest. Damit die Gegner auch effektiver erlegt werden können, darf man sich jeweils bei Level Zwei und Acht für eine von acht Meisterschaften entscheiden, anfangs wird lediglich Geschlecht und Name festgelegt. Mit diesem System macht zweigleisig fahren endlich auch virtuell Spaß: Als Magier, der Unholde mit Feuerbällen erst von weitem bearbeitet, um sie dann im Nahkampf mit dem Schwert niederzustrecken macht die ganze Rauferei um die Titanen noch viel mehr Freude als sonst schon.

So simpel, wie sich das Spielprinzip anhört, haben sich Iron Lore doch bemüht, sich von anderen Action-Rollenspielen abzuheben: Im ganzen Spielverlauf kommt so z.B. kein einziger Gegner vor, der einem Ork auch nur ähnelt - toll! Stattdessen packen die Entwickler so ziemlich alles aus, was die griechische Mythologie hergibt. So stürmen Horden von Satyren gegen einen an, die Gorgonen versuchen, den Helden mit ihrem Blick zu versteinern oder man wehrt sich gegen den Pfeilhagel von Zentauren. Leider wurde die griechische Innovation nicht auch noch auf die Aufgaben übertragen. Sämtliche Quests spielen sich leider Gottes ziemlich gleich und ergeben dummes Herumgerenne in der Gegend, um anschließend einen bestimmten Widersacher zu erlegen. Dabei attackiert schon öfters eine extreme Überzahl aus Gegnern, die das Spiel

knackig anspruchsvoll gemacht hätten, wäre da nicht die unbegrenzte Anzahl von Heil- und Manatränken, die man in der Stadt kaufen kann. So endet das Spiel darin, was damals schon der erste Diablo-Teil war: Drauf hauen und im richtigen Moment einen Trank in den Schlund kippen.

Sieht man Titan Quest jedoch nur aus der männlich-oberflächlichen Sicht an, erkennt man schnell: Das Ding sieht gut aus! Schlägt man sich in Diablo 2 noch mit einer Auflösung von 640 x 480 (bzw. 800 x 600) herum, ist das Spiel auf dem Stand der Zeit. Das wunderhübsch animierte Wasser reflektiert die Blitze und das Feuer, das ein Magier bei einem Kampf gegen eine Horde von Fledermäusen in einer Höhle brillant, während (dank realistischer Ragdoll-Physik) die Monster nur so in der Gegend herumfliegen. Auch die Umgebung selbst kann sich sehen lassen: Dank hoch auflösenden Texturen ist es ein Heidenspaß in der Gegend herumzuschlachten - egal ob in einer schlecht ausgeleuchteten Höhle oder einem weitem Getreidefeld, das sich im Wind wiegt. Aber was wäre eine Medaille ohne eine zweite Seite: So genial wie die visuelle Darbietung der antiken Schlachten auch gelungen ist, desto weiter weg ist die Akustische von der Perfektion. Stimmige Hintergrundmusik wie bei Diablo sucht man als alter Hase vergebens. Stellenweise vergehen mehrere Minuten, ohne dass irgendein Anzeichen von Musik aus den Lautsprechern klingt. Zum Glück machen die gut gelungenen Effekte und eine schöne Synchronisation dieses Manko wieder einigermaßen wett. Aber auch hier gibt's wieder einen Wermutstropfen: Die Sprachausgabe läuft komplett in Englisch ab, Deutsch gibt es nur in Textform zu sehen.

Praktisch: Wie auch schon in Diablo 2 kann man in Titan Quest über Portale an wichtige Orte in der Welt reisen - vorausgesetzt man hat sie schon einmal besucht.

Was Blizzards Meisterwerk am Ende jedoch zu so einem beliebten Spiel gemacht hat, war eindeutig das geschlossene Battle.Net. Größtenteils frei von Cheatern hat man sich hier rund um die Uhr mit einem mühsam aufgelevelten Charakter mit anderen Spielern messen können. Da war ein "SoJ" (Stone of Jordan) im Inventar schon ein gewisses Statussymbol, bei Titan Quest hingegen zählt so etwas nicht. Weil die Helden auf der eigenen Festplatte gespeichert werden, bietet der Mehrspieler-Modus viel Angriffsfläche für Schummler. Hier gilt: Entweder mit guten Freunden spielen oder das Risiko eingehen, sich von Cheatern den Spaß verderben zu lassen. Spielt man Titan Quest aber einmal mit Gleichgesinnten, kann man schnell nicht mehr aufhören. Dank den sich nahtlos ergänzenden Klassen und der Motivation, möglichst schnell auf die Maximal-Stufe 65 zu kommen, macht Iron Lores Sprössling auch noch im Multiplayer extrem viel und lange Spaß. Wenn die Entwickler jetzt noch die vereinzelnd auftretenden Abstürze und Performance-Probleme mit einem Patch richten, ist Titan Quest zwar nicht Online, dafür aber im Netzwerk ein freudiges Erlebnis.

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