Titan Quest - Test
Märchenstunde
Kompliziert: Der Fähigkeitenbaum ist in Titan Quest um einiges anspruchsvoller als der Genrekonkurrenten.
So simpel, wie sich das Spielprinzip anhört, haben sich Iron Lore doch bemüht, sich von anderen Action-Rollenspielen abzuheben: Im ganzen Spielverlauf kommt so z.B. kein einziger Gegner vor, der einem Ork auch nur ähnelt - toll! Stattdessen packen die Entwickler so ziemlich alles aus, was die griechische Mythologie hergibt. So stürmen Horden von Satyren gegen einen an, die Gorgonen versuchen, den Helden mit ihrem Blick zu versteinern oder man wehrt sich gegen den Pfeilhagel von Zentauren. Leider wurde die griechische Innovation nicht auch noch auf die Aufgaben übertragen. Sämtliche Quests spielen sich leider Gottes ziemlich gleich und ergeben dummes Herumgerenne in der Gegend, um anschließend einen bestimmten Widersacher zu erlegen. Dabei attackiert schon öfters eine extreme Überzahl aus Gegnern, die das Spiel
knackig anspruchsvoll gemacht hätten, wäre da nicht die unbegrenzte Anzahl von Heil- und Manatränken, die man in der Stadt kaufen kann. So endet das Spiel darin, was damals schon der erste Diablo-Teil war: Drauf hauen und im richtigen Moment einen Trank in den Schlund kippen.
Sieht man Titan Quest jedoch nur aus der männlich-oberflächlichen Sicht an, erkennt man schnell: Das Ding sieht gut aus! Schlägt man sich in Diablo 2 noch mit einer Auflösung von 640 x 480 (bzw. 800 x 600) herum, ist das Spiel auf dem Stand der Zeit. Das wunderhübsch animierte Wasser reflektiert die Blitze und das Feuer, das ein Magier bei einem Kampf gegen eine Horde von Fledermäusen in einer Höhle brillant, während (dank realistischer Ragdoll-Physik) die Monster nur so in der Gegend herumfliegen. Auch die Umgebung selbst kann sich sehen lassen: Dank hoch auflösenden Texturen ist es ein Heidenspaß in der Gegend herumzuschlachten - egal ob in einer schlecht ausgeleuchteten Höhle oder einem weitem Getreidefeld, das sich im Wind wiegt. Aber was wäre eine Medaille ohne eine zweite Seite: So genial wie die visuelle Darbietung der antiken Schlachten auch gelungen ist, desto weiter weg ist die Akustische von der Perfektion. Stimmige Hintergrundmusik wie bei Diablo sucht man als alter Hase vergebens. Stellenweise vergehen mehrere Minuten, ohne dass irgendein Anzeichen von Musik aus den Lautsprechern klingt. Zum Glück machen die gut gelungenen Effekte und eine schöne Synchronisation dieses Manko wieder einigermaßen wett. Aber auch hier gibt's wieder einen Wermutstropfen: Die Sprachausgabe läuft komplett in Englisch ab, Deutsch gibt es nur in Textform zu sehen. Was Blizzards Meisterwerk am Ende jedoch zu so einem beliebten Spiel gemacht hat, war eindeutig das geschlossene Battle.Net. Größtenteils frei von Cheatern hat man sich hier rund um die Uhr mit einem mühsam aufgelevelten Charakter mit anderen Spielern messen können. Da war ein "SoJ" (Stone of Jordan) im Inventar schon ein gewisses Statussymbol, bei Titan Quest hingegen zählt so etwas nicht. Weil die Helden auf der eigenen Festplatte gespeichert werden, bietet der Mehrspieler-Modus viel Angriffsfläche für Schummler. Hier gilt: Entweder mit guten Freunden spielen oder das Risiko eingehen, sich von Cheatern den Spaß verderben zu lassen. Spielt man Titan Quest aber einmal mit Gleichgesinnten, kann man schnell nicht mehr aufhören. Dank den sich nahtlos ergänzenden Klassen und der Motivation, möglichst schnell auf die Maximal-Stufe 65 zu kommen, macht Iron Lores Sprössling auch noch im Multiplayer extrem viel und lange Spaß. Wenn die Entwickler jetzt noch die vereinzelnd auftretenden Abstürze und Performance-Probleme mit einem Patch richten, ist Titan Quest zwar nicht Online, dafür aber im Netzwerk ein freudiges Erlebnis.
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