They - Preview
Wer verdammt sind Die denn eigentlich?
Früher war ich von Undying, Deus Ex und Unreal begeistert, konnte stundenlang in diesen faszinierenden Welten versacken. Und durchschritt die Türschwelle zur Realität erst wieder nach dem Abspann. Warum eigentlich? Was haben all diese Spiele außer dem von leicht übersinnlich bis horrorhaft grinsend reichenden Hintergrund gemeinsam? Eine exzellente Plotaufteilung; einen Spannungsbogen, der uns lange Zeit in der Weite des Ungewissen schweben lässt und - ganz wichtig - unheimlich viele packende Momente. Heutzutage, fast vier Jahre nach Half Life 2, können anspruchsvolle Spieler einfach mehr verlangen als eine mit holzschnittartigen Unsympathen gefüllte Schießbude, die bereits nach dem Intro an ihrer internen (Un-)Logik erstickt. Es braucht Nervenkitzel, Kribbeln, Dramatik. Eine Welt, die man nicht schon nach zwei Minuten in eine Schublade pressen kann; erzählerische Überraschungen, dynamische Kontraste zwischen stoischen Ruhephasen und gewitterartigen Schusswechseln.
All diese Zutaten schmeißen die Köche des polnischen Entwicklers Metropolis in den großen Topf, aus dem Ende 2009 der Shooter They hervorgehen soll. Klingt irgendwie schwer nach Prey; und wenn man sich die ersten Bilder anschaut, gewinnt man tatsächlich den Eindruck, das Studio sei im Vorbeigehen auf den klapprigen Alienzug aufgesprungen. "Wir haben nie gesagt, dass es Aliens sind", schmunzelt Ingo Horn vom Produktionsstudio Interactive Media Consulting, als ich während meines kürzlichen Besuchs nach der Story frage. Aber keine Chance, die wird unter schwerem Verschluss gehalten. Bis die Zeit reif ist. "Reif" dürfte in diesem Fall wohl "bis zum Release" bedeuten; immerhin wollen Metropolis und IMC hier keinen aufgewärmten SciFi-Schmonzes auftischen. They soll einem bislang mit der Fürsorge einer Rabenmutter behandelten Sub-Genre die verdiente Aufmerksamkeit schenken - den Mystery-Shootern. Und was unsere leider viel zu kurze Preview-Version allein innerhalb des ersten Abschnitts an dramaturgischem Zündstoff lieferte, können die meisten der sich im Kugelhagel verlierenden Genrekollegen nicht mal bis zum Ende hin aufbauen. Wie gern hätte ich noch ein paar Abschnitte gespielt, um zu überprüfen, ob dieses Niveau auch nach dem spannenden Einstieg gehalten wird...
Dabei lassen die ersten zaghaften Story-Konturen noch einen schnöden Ballerzirkus für leicht zu erheiternde Gemüter vermuten. Im Jahr 2012 ist der Kampf gegen den Terrorismus weiterhin ein brandaktuelles Problem, das viele junge Burschen zum Dienst an der Waffe zwingt. Zum Beispiel den englischen Soldat, dessen Geschicke ihr während der Kampagne lenkt. Keine Angst, das Ganze ist bloß der erzählerische Rückhalt, der als Überleitung zum eigentlichen Konflikt fungiert. Bei seiner Rückkehr fällt der Arme jedenfalls aus allen Wolken, als er feststellen muss, dass seine Heimatstadt London von einer Roboterarmee überrannt wurde. Viele storytechnisch wichtige Andeutungen ziehen sich wie ein wollener Faden durch die ersten Stunden; plötzlich wabert ein schleierhafter Filter durchs Bild; krächzende Echos dringen in die Ohren. Jetzt taucht ein kleiner Junge auf, der Sekunden später hinter die nächste Ecke huscht und den nur ihr sehen könnt. Der befreundete Pilot, der zunächst euer einziger menschlicher Kontakt ist, zuckt nur müde mit den Schultern. Und irgendwie verhalten sich diese Roboter merkwürdig koordiniert, als würden sie von einer im Hintergrund die Fäden ziehenden KI überschattet. Was braut sich da zusammen? Keine Ahnung, aber was ich bisher sehen und spielen konnte, riecht auf jeden Fall nach konspirativ übersinnlichem Zündstoff mit starkem Mystery-Einschlag.
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