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The Whispered World - Die Tragik eines Emo-Clowns

Bereits 1967 besangen die „Kinks“ den Tod eines Clowns und Sadwick, Held unserer Geschichte, würde sich wohl auch dem Suff ergeben, wenn er die Möglichkeit dazu hätte und das Spiel nicht schon ab 6 Jahren freigegeben wäre.

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Aber warum bläst der kleine Mann überhaupt Trübsal? Clowns mit zwei linken Händen, die nicht jonglieren können, sich nicht als menschliche Kanonenkugel verdingen wollen und die einfach nicht komisch sind, haben es in einem Wanderzirkus schwer. Darüber hinaus fühlt der Emo-Zwerg sich von aller Welt missverstanden und besonders der große Bruder Ben ist mit seinen ständigen Ermahnungen auch keine echte Hilfe. Kurzum: Sadwick hasst die Welt und seinen Platz in ihr. Wenn er von Anfang an wüsste, was ihm noch bevorsteht, würde er vielleicht sogar seinen Sarkasmus und seine Sinn für Ironie verlieren – die einzigen beiden Dinge, die den armen Tropf über Wasser zu halten scheinen.

Zu unserem Glück jedoch nimmt der Bommelmützenträger die ihm bevorstehende Schicksalsprüfung stoisch, ja geradezu fatalistisch an. Dass er für den Untergang der Welt verantwortlich sein soll, passt auch irgendwie ins Schema. Neben plagenden Albträumen, Unausgeglichenheit im Beruf und Missgeschicken bei allem was er tut, soll Sadwick also auch der Auslöser der Apokalypse sein. Kein Zweifel – Gott mag ihn nicht. Mit Ironie und einer Prise Selbstmitleid versucht der sympathische Nihilist, sich dennoch nicht unterkriegen zu lassen und das ihm vorherbestimmte Schicksal zu wenden.


Eine Raupe eignet sich für viele Gelegenheiten, u.a. wenn ein rußiger Ofen von innen geöffnet werden muss.

Dabei steht ihm als einziger zuverlässiger Begleiter die Raupe Spot zur Seite – andere Haustiere erwiesen sich zuvor einfach nicht als so widerstandsfähig wie das treudoofe Krabbeltier, das euch auf Schritt und Tritt begleitet. Neben dem raupentypischen Schlinginstinkt, vor dem auch wichtige Edelsteine und Petroleumsuppe nicht sicher sind, zeichnet sich das anhängliche Wesen noch durch eine andere Fähigkeit aus: Spot kann seine Form verändern, um euch an bestimmten Stellen das Vorankommen zu ermöglichen. So besitzt der grüne Mehrfüßer insgesamt fünf Transformationsstufen, die alle im Spielverlauf erlernt werden. Den Anfang macht die Kugelform, die Spot annehmen kann, nachdem er von Sadwick unzählige Liter Waschwasser zu trinken bekommt. Auch Feuer fürchtet der kriechende Kumpan nicht – dafür mangelt es ihm laut seinem deprimierten Besitzer an Fantasie - und so lässt sich die ewig gut gelaunte Made sogar in Brand stecken, um euch den Weg zu leuchten oder den sprühenden Funken zu liefern, wenn Feuer mal wieder vonnöten sein sollte.


Der Wohnwagen von Sadwicks Opa hält ein paar Unappetitlichkeiten wie Regenwurmblut, Petroleumsuppe und Frosch im Glas bereit.

Ihr begleitet also die zwei ungleichen Genossen auf ihrem Abenteuer durch die geflüsterte Welt, um das prophezeite Unheil abzuwenden und freut euch vom ersten Moment an über die herrliche Atmosphäre. Das beginnt bereits nach dem Start mit dem Kopierschutz. In dem an die Blütezeit der Grafikadventures angelehnten Rätsel gilt es, drei mitgelieferte Würfel so anzuordnen, dass sie der Vorgabe auf dem Bildschirm entsprechen. Das erinnert schon sehr an die längst vergessenen Code-Scheiben und –Tabellen, die es in den 90iger Jahren noch gab. Da parallel auch Kopierschutztreiber installiert werden, kann man das auch als reine Reminiszenz und Verbeugung vor den Größen des Genres auffassen. Dennoch solltet ihr die Würfel nicht verlieren, denn nach drei Fehlversuchen ist Schluss mit lustig und ihr landet wieder auf dem Desktop. Ist diese kleine Hürde genommen, kann es losgehen und von Anfang an schließt man Sadwick in sein Herz.

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