Symphonic Shades - Special
Zeugnis eines Meisterwerks
Bereits als Highlight auf dem Regal ist diese CD ein Schmuckstück. Im Inlay findet ihr eine Hand voll Bilder sowie ein kurzes Interview mit dem Soundmagier.
Nun endlich ist die offizielle CD bei MAZ Sounds erhältlich - und beinahe schon wieder vergriffen, denn lediglich eintausend Exemplare haben das Presswerk verlassen. Mir bewusst, ein echtes Sammlerstück in den Händen zu halten, lasse ich die Hülle dieses Kleinods durch meine Finger gleiten und erfreue mich am elegant schlichten Design. Ein formschön abgerundetes und edel wirkendes Jewelcase fängt das Bild eines in klaren Linien gezeichneten Turrican ein, der sich euphorisch dirigierend der Musik hingibt. Fast schon zu schön zum Öffnen.
Diese Disc hat selbstverständlich einen gesonderten Platz auf meinem Regal verdient. Pragmatisch, wie ich bei solchen Sachen bin, schere ich mich aber einen feuchten Kehricht um den Sammlerwert. Eine CD ist zum Hören da, also wird das schmucke Stück aus seinem Zellophan-Gefängnis befreit, das Licht gedämmt und der Silberling in die Stereoanlage gelegt. Ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich, lasse Stille und Dunkelheit auf mich einwirken und drücke Play auf der Fernbedienung.
Chris Hülsbeck ist der "Soundmagier" einer ganzen Generation von Videospielen. Seine Kompositionen für diverse C64- und Amiga-Spiele sind legendär.
Trotzdem ist Überproduktion für Symphonic Shades ein Fremdwort. Vielmehr wurden Hülsbecks Werke von den Arrangeuren stilvoll geschliffen. Selbst in bombastischen Passagen hat jede Orchestersektion ihren angemessenen Platz, so dass man in Apidya II auch als Japanisch-Unkundiger mühelos syllabische von melismatischen Gesangseinsätzen unterscheiden kann. Wer diese hauchfein eingefangenen Klangschichten mit einem niedrig codierten MP3-Downmix in einen zweidimensionalen Soundbrei verwandelt oder gar durch blecherne PC-Boxen jagt, gehört geteert und gefedert.
Natürlich ist dies nicht die erste Orchester-Aufnahme, deren digitaler und (dennoch) lupenreiner Klang mir Gänsehaut bereitet, schließlich brachte mich schon so manche Opern-Koloratur zum Staunen. Ich bin auch mit Sicherheit nicht der allergrößte Fan von Chris Hülsbeck und seinem spürbaren Hang zu John Williams, denn meine persönliche Top 5 der Spiele-Komponisten wird von den Herren Hubbard, Koshiro, Uematsu, Kondo sowie Frau Yamane angeführt. In dieser hohen Qualität wiedergegeben erscheint mir Symphonic Shades dennoch als die beste Symbiose aus Videospiel-Komposition und Orchesterklang, die mir je zu Ohren gekommen ist. Dass Hülsbecks Werke bereits im Original echte Klassiker mit Ohrwurm-Qualität sind, bleibt unbestritten, doch wurden sie von den drei Arrangeuren dieses Projekts perfektioniert. Hier stimmt einfach das ganze Paket, von der Virtuosität über den Einfallsreichtum bis zur Motivation aller Beteiligten.
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